Sonntagsarabesken #10

Wie gehen Geschichten aus, die keinen richtigen Anfang hatten? Entweder gar nicht oder tragisch – oder beides. Nur hat in einem solchen Fall weder das tragische noch das fehlende Ende einen besonderen Reiz. Langweilig und schal schmeckt eine derartige Mischung, und es fällt leicht, den Mißmut der Kritiker nachzuvollziehen, die – allesamt Leute von verfeinerter Sinneskraft – am Rande der Löwengrube über die Qualität des blutigen Schauspiels ihre Nasen rümpfen. Auf weit entfernten Hügeln kauern lachende Gestalten, gegen die sinkende Sonne wie Scherenschnitte anzusehen; ja, sie krümmen sich förmlich vor Lachen, und ihr Brüllen dringt allmählich (zunehmend, wie das Rauschen eines aufkommenden Sturmes) durch das Oleanderdickicht an unser Ohr. Der weiße Sand des Hofes glüht in abendlicher Hitze. Das sturmgleiche Gelächter hallt jetzt durch die rote Arkade und bricht in den Wandelgang. Ein prüfender Blick: Die Schatten dort auf den Hügelkuppen sind noch da. Was hat sie bloß dermaßen amüsiert? Kennen sie etwa die lächerliche Geschichte ohne Anfang und ohne Ende? Eine kleine Knospe auf einem der Oleanderzweige ist, kaum aufgebrochen, tot in den Staub gestürzt. Sinnlos? Oder zartes Zeichen des Unausweichlichen? Wo liegt der Schwellstein, der uns den Anfang zeigen könnte? Der Wind ist jetzt zum Sturm geworden. Kalte Angst packt den, der das Lachen hört. Ihm ist die Flucht versperrt. Die Knospen fallen jetzt wie Regenschlossen. In hohen Fontänen wirbeln sandige Schleier durch Hof und Arkaden. Nichts ist vollendet, nichts wirklich begonnen, und doch vergeht nun alles in einem letzten taumelnden Fanal unwirklichen Gelächters. Wie schön war diese Liebe, über die man jetzt so grausam lacht!

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