Tsunami auf Ko Phi Phi

https://www.youtube.com/watch?v=Gbq412haY1c

Video vom Tsunami auf der thailändischen Insel Ko Phi Phi vom 26. Dezember 2004. Dieses Video ist der wohl beste Augenzeugenbericht des tragischen Ereignisses, den ich kenne. Es zeigt sehr deutlich, wie unvorbereitet die Menschen auf dieses Ereignis waren und wer genau hinsieht wird erkennen, warum nur einige wenige Gebäude dem Wasser standhalten konnten.

Walters zweiter Weihnachtstag

An diesem Tag (dem zweiten Weihnachtsfeiertag) mußte Walter erkennen, daß sein Leben zum Stillstand gekommen war. Eis. Seit drei Stunden regnete es Eis. Die wenigen Passanten draußen vor dem Fenster schlitterten über die gefrorenen Gehsteige.

Der intellektuelle Prolet 9

Ein Tag vor Weihnachten. Halb elf vormittags. Katerstimmung. Vor vier Stunden bin ich in Schlangenlinien nach Hause gekommen. Der Mantel liegt vor dem Bett, neben dem vorsorglich bereitgestellten Kotzkübel.

Stille Nacht, heilige Nacht…

Der pausbäckige Weihnachtsengel grüßt aus dem Fenster des Nachbarhauses.

Sonntagsarabesken #67

Im Takt der Musik den Kopf schütteln an der Scheibe des rasenden Waggons, der auf den Ziegelstelzen des Viadukts zu balancieren scheint, ein Traumtänzer, Wesen zwischen leichter und schwerer Welt, schwebendes Tier, neongrell beleuchtet, mit rotem Streifen auf weißem Fell.

Sonntagsarabesken #66

Der kalte Winterdunst vor den Fenstern sieht nach Influenza aus. Die Sonne hat sich hinter schneegrauen Nebelmassen versteckt. Ein grausamer, tödlich erkrankter Tag, dessen Ende noch lange nicht in Sicht ist. Am anderen Ende des Kontinents spült die Atlantikbrandung sterbende Fische an den Strand; ein warmer Wind weht über die roten Dächer von Coimbra.

Sonntagsarabesken #65

Feiner Eisregen erfüllt die Luft, als Lucien aufs Neue seinen Gespenstern begegnet. Er hat nur eine halbe Pfeife geraucht. Dafür kommt ihm das grellbunte Spiegelkabinett vor seinen Augen reichlich übertrieben vor. Mit bizarrer Präzision tritt der schlank gekrümmte Körper des Mädchens aus dem Nebel, wie ein feiner Faden silbergrauen Rauches, der sich durch die Lüfte verästelt.

Kommentar #4

Gregor am 30. November 2004 um 11:53:48 Uhr als Kommentar auf diese Sonntagsarabeske.

Ha! Das Ende der Geschichte – der plötzliche Perspektivwechsel nämlich – ähnelt dem Ende dieses stümperhaften Denkpassversuchs. Natürlich nicht in der sprachlichen Eleganz, aber eben im unvermittelten Auftauchen eines Spiegels vor dem Auge des Erzählers.

Sonntagsarabesken #64

Ich bin mir nicht ganz sicher, sagt der Zuhörer, ob ich dich richtig verstanden habe. Deine Fragen beantwortest du für gewöhnlich selbst, und den Raum dazwischen füllst du an mit Klagen über die Erbärmlichkeit deines Lebens.

Sonntagsarabesken #63

Die Geräusche der Stadt waren ihr fremd geworden; und doch hatte sich rund um sie nichts verändert. Bloß sie selbst. Das wurde ihr jetzt, die regennasse Straße entlang gehend, bewußt. Keines der Bilder, die sie seit ihrer Ankunft in sich aufgenommen hatte, war von größerer Bedeutung gewesen, von Schönheit ganz zu schweigen.

Sonntagsarabesken #62

Gaetanos Verstand hatte sich verwirrt. Man wußte es; die Sache war längst Gesprächsthema der Salons und Soiréen geworden. Doch bei seinem Eintreten verstummte das Getuschel. Unter dem scharfen Blick seiner dunklen Augen erröteten die giftigsten Klatschmäuler und hoben betreten die Fächer an die verräterisch glühenden Nasenspitzen.

Josef

Der Josef erwacht eines Morgens und weiß noch gar nicht, was er an diesem Tag alles erfahren wird. So, beispielsweise, dass er eine Arbeit nicht zum handelsüblichen Abgabetermin zu vollenden hat, was ihm noch reichlich Zeit und Korrekturmöglichkeit gegeben hätte, sondern zu einem ganz anderen Zeitpunkt, nämlich wesentlich früher.