Sonntagsarabesken #20

Eine Macht stampft über den Ozean; sie ebnet breite Wege durch das blühende Kulturland, durch die Wüsteneien und über eisbedeckte Bergeshöhen; flackernd in euren Fernsehschirmen, eingefroren im Lächeln eurer Moderatoren, bedeckt von Ketchup und Barbecue-Sauce eurer zerfallenden Fastfoodrestaurants, so bietet sie sich da, die große Macht des Geldes und des Wahnsinns, des Handels und der Wirtschaft, eine Urgewalt, scheint es, die doch erst durch die Überzivilisation zu dem wurde, was heute bei all jenen Übelkeit hervorruft, die vollgefressen sind (aber auch bei jenen, die von der Planierraupe erdrückt, von der Kettensäge entwurzelt, von der Chemiefabrik bei lebendigem Leibe verbrannt werden). Vor dem Ansturm weichen die Menschen zurück, die Menschen, nicht die Völker, denn Völker gibt es nicht mehr – sofern es sie je gegeben hat –, wir sind alle gleich (schlecht), und „in God we trust“, wie es schon auf den knittrigen Zeugnissen der geistigen Übermacht heißt, auf den grün bedruckten Papierstreifen, die den Weg zu Erlösung oder Verdammnis weisen. Warum das alles erzählenswert ist, und warum man sich darüber ereifern soll? Weil die gleichmacherische Kraft der so beschriebenen Macht alle auf die tiefste Stufe drückt, sogar jene, die von ihr profitieren, und vor allem jene! Und wenn wir den Frieden beweinen, mit einem lachenden Auge freilich, wenn wir die Totenlieder mit Hoffnung auf ein besseres Morgen und ein glückliches Erwachen anstimmen, wenn wir schließlich die Gräber mit Blumengirlanden schmücken, weil wir die Wiedererstehung des Fleisches im Duft Tausender Rosen begehen wollen – dann wäre es doch zugleich auch ratsam, die Waffen zu zerbrechen und die Aktienberge zu verbrennen, an denen noch das frische Blut klebt, oder? Die dunkel gebeizten Schiffe gleiten in einen ungewissen Sonnenuntergang, und hoch ragen goldene Türme, die wie Fackeln in der Abendstimmung brennen. Der Ameisenstaat in hektischem Getriebe, die Taxis rauschen über majestätisch gespannte Brücken, vorbei an den Golfclubs, wo bei Flutlicht über die Lage der Weltwirtschaft geplaudert wird; hunderte Flaschen Dom Perignon und tonnenweise Kaviar in Lastwägenkolonnen, die sich stadteinwärts wälzen, und kein Ende in Sicht. Kein Ende. Tag und Nacht, sie gleichen sich. Die Zeit ist schwarz geworden. Wie das Gewissen der Welt.

Wo niemand klickt