Sonntagsarabesken #38

Nicht verwirren lassen: Trotz aller formalen Indizien, die dafür sprächen, handelt es sich hierbei nicht um eine IP-Episode.

Es ist beschissen, ein gutgläubiger Romantiker zu sein. Noch beschissener ist es allerdings, wenn man es bemerkt. Zwischen Tür und Angel. Kurz bevor sich das rechte Knie auf den Parkettboden senkt und die linke Hand nach dem Stromkabel greift. Mitten in der Bewegung. Da war es schon zu spät; die Erkenntnis krallt sich seitdem in mein Gehirn und läßt nicht mehr los. Ich gehöre dazu, zur Gruppe der Beschissenen. Das Leben ist eben voll von unliebsamen Überraschungen. Heute hat es sich ein Opfer gesucht (mich), auf dem man sowieso nicht mehr groß herumzutrampeln braucht (ich bin schon so gut wie tot); aber trotzdem hat das Leben seinen Spaß dabei, mir unter zynischem Gelächter mit Fußtritten den Garaus zu machen. Wahrscheinlich ist es besser so. Nach dem Prinzip der natürlichen Auslese; sozusagen: nach den Kriterien der wunderschönen Evolution (wobei ich sehr im Zweifel bin, ob ich tatsächlich die Evolution mit dem Begriff „wunderschön“ bedenken will, oder ob ich dabei nicht eigentlich an jemand ganz anderen in der Nähe der Evolution denke…), ist es einfach legitim, dass der beschissene Teil der Menschheit (siehe zur Definition in Grundzügen oben) ausstirbt. Punkt. Dabei ist die Art des Todes nicht unbedingt wichtig. Denke ich an den letzten Sonntag, gleicher Ort, gleiche Zeit, dann würde ich sagen: Kopfschuß. Denke ich an meine jetzige Verfassung: Magengeschwür. Eine Existenzform, die sich aus dem Dunst über zerquellenden Teebeuteln ernährt und den Mond anbetet, der krank und aschgrau am Sommerregenhimmel hängt, ist überflüssig. Sie produziert nichts (außer Frustration für den Eigenbedarf und Geldvermehrung auf dem Konto einiger supermodischer Freud-Epigonen), sie gefährdet soziale Systeme (durch ihren Hang zur masochistischen Psychose), sie ist mit größter Wahrscheinlichkeit sogar über bestimmte genetische Codes reproduzierbar und folglich als eine sich ständig perpetuierende Gefahr zu betrachten. Mit einem Wort: Weg mit den gutgläubigen Romantikern, diesen widerlichen Quälgeistern, diesen Bazillen, die keine Ruhe geben! Säubert die Welt von ihnen! Härtet euch gegen sie ab! Jedem wahren Dickschädel, jeder Eisprinzessin ein Gewehr in die Hand! Die Jagdsaison ist eröffnet!

Wo niemand klickt