Ankunft in Urumqi

Etwa fünf Stunden nach Abflug aus Shanghai, erreichten wir Urumqi in Xinjiang/China. Dort lässt man sich reiche Ausländer natürlich nicht entgehen und prompt sind wir in eine Falle getappt, an die wir hätte denken sollen: Wir stiegen in ein Taxi ein, fuhren los und erst nach der Hälfte des Weges fiel mir auf, dass der Fahrer das Taxameter nicht eingeschaltet hatte. Ich merkte das an, er ignorierte meine Anmerkung. Ich merkte das mit erhobener Stimme nochmal an, er ignorierte wieder. Als ich dann begann an dem Taxameter herumzuwerken, begann er irgendwas daherzureden, das nichteinmal der Ursinologe aus Peking verstanden hätte. Klar war, jedenfalls – er hat das Gerät nicht und nicht aufgedreht -, dass der Preis trotzdem in Ordnung gehen würde, denn wir hatten nicht nur einen Vergleichswert von Kollegen, die vorher da waren, sondern wir haben eben schon unseren Unmut geäußert. Das Taxi war schlussendlich okay… nimmt man allerdings den Preis des Hotelzimmers her, sauteuer.

Magdalena und ich haben uns geeinigt, dass wir den Trip nach Xinjiang so gestalten, wie ein Trip nach Xinjiang gestaltet werden muss. Die Grundregel ist einfach, die Umsetzung schwierig: Wir wollten so viel wie möglich authentisch erleben und nicht der Verwestlichung (in dem Fall gilt das für die stark chinesisch beeinflussten Gebiete) verfallen. Also nahmen wir ein Hotel in Urumqi nahe am Bahnhof (Xinjiang Fandian, 107 Changjiang Lu, Nankou), damit wir am nächsten Tag sogleich unseren Trip nach Kashgar beginnen konnten – und wie jedes Bahnhofshotel, war auch dieses ein Sammelsurium an skurilen und eigenartigen (d.h. interessanten) Gestalten: Erstens erhielt man keinen Zimmerschlüssel, was auch nichts ausmachte, denn diese Wellpappe, die das Hotel als Tür vor die Zimmer gestellt hat, hat man mit einem Tritt offen. Zweitens gab es Dusche und Toilette nicht im Zimmer, aber das war eh klar. Drittens muss man sich die Toiletten wie offene Verrichtungskojen vorstellen. Alles war offen und voll einsehbar.

Auch die Duschen waren interessant. Hier gab es zwar Türen, doch das, was dort als Dusche bezeichnet wurde, war eher das, was bei uns einem Nassraum entspricht: Ein Abfluss in einem verfliesten Raum, irgendwo zwei Rohre und ein Duschkopf. Die zwei Wasserhähne waren jeweils für ein Rohr bestimmt, das entweder Heiß- oder Kaltwasser transportierte. Woran man als Westler überhaupt nicht denkt: Nachdem man lange geduscht hat und das Wasser nun abdrehen will, kann es bisweilen schon passieren, dass man sich die Finger am Wasserhahn des Heißwasserrohres verbrennt, denn auch der Wasserhahn wird heiß! Das Fenster, welches dieser Nassraum hatte, eröffnete mir einen Blick über die ganze Stadt, denn unser Zimmer lag im fünften Stockwerk auf einem ohnehin schon hoch gelegenen Hotel. Beim Duschen Sightseeing betreiben – das muss mal einer nachmachen!