Lange Zeiten

Eine Reise nach Xinjiang bedeutet eine Reise in ein Stück Erde, das man als Europäer einfach nicht kennen kann. Man weiß nichts darüber, weil es kaum in den Medien erwähnt wird, man kann sich keine genauen Vorstellungen machen und diejenigen, die man sich macht, werden bei weitem übertroffen oder sind total falsch.

Xinjiang ist ein wildes Land, voller Wüsten, Naturwunder, noch im ursprünglichen Wortsinn einzigartiger Menschen, nicht enden wollender Landschaften, die so langsam ihre Ausprägungen von Wüste zu Gebirge, von Gebirge zu See und von See zu Wald ändern, dass es dem Auge schwerfällt, hier Grenzen zu entdecken. Xinjiang ist eine Reise wert, eine mühevolle, langsame, nicht organisierte. Planen ist hier unpässlich, Organisation bringt die Natürlichkeit ins Schwanken und lässt keine Zeit, sich hier zur Genüge umzusehen.

Sicherlich kann man Xinjiang besichtigen, wie man Paris, Peking oder Prag besichtigt, mit dem Plan in der Hand, von einem Ort zum nächsten, doch eben wie es auch bei den drei Städten das Ganze ist, das zählt (denn was wäre Paris, würde man sich nicht darin verlaufen, was wäre Peking, würde man nicht in einem Hinterhof landen und was wäre Prag ohne auskunftgebende Einwohner, die einen in den nächsten Gasthof zerren?), so ist auch die Provinz Xinjiang nicht geplant zu bereisen. Aber eben eine Stufe weiter.

Anreise nach Urumqi (auszusprechen wie „Ürümtschi“), dort entschließen, mit dem Zug nach Kashgar zu fahren, dort einen See nahe der Grenze irgendwo im Gebirge mit einem Deutschen, einem Franzosen und einem Engländer besuchen, danach nach Turpan (sprich „Turfan“) fahren und so weiter und so fort… All das, ohne vor der Ankunft in Urumqi je in den Plan gesehen zu haben. Das ist Xinjiang, das ist Reisen, das müde macht!