Knüllen vs. Falten: Eine interkulturelle Klopapierdiskussion

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Sitzt man nachmittags als Ausländer bei Starbucks (Kaffee grauslich, aber einzig erhältlicher Kaffee in der Stadt, außerdem gratis W-Lan), so kann es schon sehr häufig passieren, dass man von wildfremden Chinesen angequatscht wird, ob man denn nicht mit ihnen Chatten möchte. Einfach um der Sprache Willen. So willigte ich gestern in so einen catch, no Chat (!) ein und langweilte mich natürlich nach dreißig Sekunden bereits, denn das Gerede, mit dem ich da konfrontiert war, war irgendeine stupide Form amerikanischen Small-Talks, also liess ich das gleich sein und drehte den Spieß um: Ich stellte die Fragen und sie waren mit dem Herausstottern von Antworten konfrontiert. Feststellung der Chinesen: Ich stelle sehr direkt Fragen zu Dingen, die privat seien, aber es sei eh egal, daher + [Antwort]. Auf QQ (Kiukiu) macht man das ja auch so…

Nun ja, vergleichbar mit meinen Chinagesprächen im letzten Jahr war’s dann nicht [gerade wird mir gratis ein moon cake und ein american ice coffee vom Starbucks-Personal angeboten; ich nehme an], aber trotzdem interessant. Beispielsweise habe ich meine chinesischen Gesprächspartner in eine feine Ecke gedrängt, mit der Frage nämlich, wie man denn hier in China das eigentlich nie vorhandene Klopapier benützt. Die Antworten waren deshalb so interessant, weil nämlich beide ganz andere Gewohnheiten hatten – das aber voneinander nicht wussten und beide ihr Benutzungssystem als das weltsystemische Nonplusultra ansahen. Interessant vor allem deshalb, weil sie sich noch nie über diese Thema unterhalten haben: Wie benützt du das Klopapier?

In meinen Augen eine absolut berechtigte Frage, vor allem dann, wenn es nicht zum Standard in chinesischen Toiletten gehört, dass überhaupt Klopapier da ist! Also für die Interessierten: Es gibt tatsächlich Leute, die gar kein Klopapier benützen, so zum Beispiel beider Großmütter und Großväter. Offenbar, ich zitiere hier die beiden Gesprächspartner, werden beim Hinhockeln die körperlichen Ausgänge so dermaßen gedehnt, dass – eh schon wissen. Für die beiden jedenfalls stellte sich eine Diskussion über Knüllen versus Falten, also klassisch, in den Raum. Und es wurde diskutiert, es wurden Sitznachbarn befragt, die zwar alle beschämt reagierten, aber bei denen dann doch das Interesse über so tagesaktuelle und stets wiederkehrende Frage die Scheu überwand. Ach ja, Falten gewann mit zwölf zu neun Stimmen, falls es wen interessiert.

Vielleicht denkt ja sogar Münz mal drüber nach.

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