Haikou

Kunming war nett, aber es hat zu regnen begonnen und überhaupt war es nicht mehr möglich, so der Wetterbericht, in der mir noch verbliebenen Zeit die Provinz zu besuchen, ohne andauernd auf ein wenig Sonne hoffen zu müssen. Somit wurde der Besuch und das Besichtigen der interessanten Geographie Yunnans auf vorläufig ungewisse Zeit verlegt. Allerdings gab es da noch Plan B, die Besichtigung der Insel Hainan, genauer: der beiden Zentren der Insel, nämlich einerseits das im Norden gelegene Haikou, Hauptstadt der Provinz und somit von apriotischem Interesse, andererseits die Tourismushochburg Sanya ganz im Süden der Insel, vor der ich mich aber getreu dem Motto „Einsam ist geil“ ein wenig fürchtete, hörte man doch von den anderen Fluggästen, dass es da unten nur so von Touristen wimmele und eigentlich sei es nicht sehr interessant. Da unten.

Ankunft in Hainan

Gelandet bin ich am Flughafen Haikou, der etwa eine halbe Stunde Busfahrt vom Stadtzentrum entfernt ist. Noch bevor ich überhaupt aus dem Flughafen raus war, hatte ich schon das Ticket des Shuttlebusses in die Stadtmitte, dessen Fahrer mir versicherte, dass er auch bei dem Hotel vorbeifahren würde, das ich als Unterkunft in Planung gehabt hätte. (Es ist nämlich mit diesen Bussen so, dass sie überall und immer dann stehen bleiben, wenn es einer der Fahrgäste wünscht…) Es war aber so, dass dieser Bus nicht einmal in die Nähe des Hotels fuhr, wo ich hinwollte. Er blieb irgendwann mitten in der Stadt mit dem Vermerk „Endstation“ stehen und da war ich nun und hatte keine Vorstellung, wo ich mich eigentlich befand. Es war dann auch egal, denn vor mir war ein großes, sehr nobel wirkendes Hotel, womit sich meine Optionen nun so darstellten:

  1. Ich konnte mir ein Taxi nehmen, zum gewünschten Hotel fahren, dort ein Zimmer belegen und mich touristisch gehen lassen.
  2. Ich konnte in dieses Hotel hineingehen, an der Rezeption mit dem Verhandeln anfangen und hoffen, dass man mir einen guten Preis machen würde.

Der Logik folgend (und was konnte ich verlieren?), bin ich ins Hotel vor mir hineinmarschiert und habe dem Rezeptionisten erklärt, dass ich das Einzelzimmer zum Diskontpreis von etwa 500 RMB pro Tag um 100 RMB pro Tag nehmen würde; ob er denn einverstanden wäre? (…) Irgendwann war er’s und ich bekam das nette Zimmer im zwölften Stock um den von mir gewünschten Preis. Ausblick: traumhaft, das Zimmer: sauber und überhaupt war’s nett. So ganz im Allgemeinen und überhaupt so.

Haikou

Haikou selbst ist eine reizvolle und im Verhältnis zu anderen chinesischen Städten äußerst freundliche Stadt. Die Menschen laufen mit einem Dauergrinser im Gesicht herum, überall wird man mit „Hello!“ begrüßt, aber nicht auf die aufdringliche oder verspottende Art, wie man es teilweise im Norden Chinas zu hören bekommt, sondern auf eine einladende Weise, die zu einem weiteren Gespräch reizt, das auch wirklich geführt werden kann.

Die Stadt hat gewisse Ähnlichkeit mit Havanna, subtrahiert man dessen Bewohner, den Salsa und die Zigarren und addiert man an deren Stelle Chinesen, einen etwas höheren Lärmpegel und diverse Individuen, die das Dasein einer chinesischen Stadt ausmachen. Ansonsten: vieles gleich, ist ja auch kein Wunder, war doch die Stadt, soweit ich das richtig verstanden habe, einst eine portugiesische Kolonialstadt, die als Port für den Handel mit dem in Hainan produzierten Kaffee diente…

Englischlehrer und Bentoboxen

Erster Punkt des Tagesablaufs eines Reisenden ohne Frühstück, ist das Aufsuchen eines geeigneten Lokals zur Einnahme von Nahrungsmitteln. So geschehen und bald gefunden. Es war eine Bento-Box mit Hendl, Gemüse, Reis, irgendeiner scharfen Sauce, irgendeiner sehr scharfen Sauce und irgendeiner höllisch scharfen Sauce. Es war gut und ich hab’s gut überlebt – und das Essen fand nicht einmal in geiler Einsamkeit statt, denn kaum dass ich das Lokal betrat, wurde ich von einer angeblichen Englischlehrerin angesprochen, die einfach nur sprechen üben wollte. „Angebliche“ Englischlehrerin deshalb, weil ich dieser Frau nie und nimmer glauben wollte, dass sie tatsächlich Englisch studiert hat, was sich auch als wahr herausstellen sollte, sie hat es selbst nur in der Schule gelernt, aber das musste für die Volksschüler reichen. (Was lernen die da? Hello!)

Der obligate Stadtspaziergang

Danach Stadtspaziergang in weiter Ausdehnung, also Restaurantviertel (wahrscheinlich sind ein oder zwei Restaurants hier tatsächlich zugelassen), Prostitutions- (keine Lizenz), Spielhöllen- (schon gar keine Lizenz) und Dealer-Viertel (müssen die vielleicht die Lizenzen unterschreiben?), diverse Märkte, Brücken und Parks, wobei der letzte Park, den ich an diesem Tag besuchen sollte mit der Überraschung der Präsenz eines Strandes aufwartete, was sofort meinen Weg diese Strand entlang festigte.

Der Strand

Der Strand mündete in einen befestigten Weg (á la Malecón), der von Straßenmusikanten bespielt, von Pärchen romantisiert und von kleinen Würstelbuden, Garküchen und Ganzhe-Verkäufern als Lokalität benutzt wurde. Kurzum, es war Leben auf dieser Straße und es war ein Vergnügen hier am Meer, bei vollem Komfort infrastruktureller Präsenz, entlangzuspazieren.

Am Ende des ersten Tages wurde mir klar, dass Taxis in Haikou zu den teuersten Taxis China gehörten. Das Taxameter schoss wahrlich in Höhen, die man in China als astronomisch bezeichnen konnte, und meine Vermutung, dass hier Manipulation den Gewinn bringt, wurde durch die Rezeption meines Hotels nach Vorlage der Rechnung mit der Belehrung, dass Taxis in Haikou wirklich teuer seien, zunichte gemacht. Ab ins Zimmer, Ruhe.

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