Über den Jänner in Wien

Meierei Schönbrunn

Jänner? Sommer? Winter?

Wien im Jänner. Und es hat daheim 25°C bei abgedrehter Heizung und geöffneten Fenstern. Nocheinmal, liebe Leserschaft: Es ist warm bei mir daheim im Jänner bei abgedrehter Heizung und geöffneten Fenstern! Das ist nicht normal, denn normal wäre es, zwanzig Euro pro Tag in Form von Gas zu verbrennen, damit man die wohlige Stimmung zuhause erhalten kann. Normal wäre, wenn es nicht nach Frühlingsblumen in der Wohnung duftete, sondern nach übriggebliebenem Weihnachtsgebäck. Normal wäre das kratzende Geräusch der Schneeschaufeln und nicht der Gesang und das Zwitschern der Vögel. Normal wäre, wenn Raben, Krähen und Tauben sich auf eine heruntergefallene Semmel stürzen würden und nicht, dass man von dieserlei Getier bei gleicher Begebenheit ignoriert wird, weil es sich am Dach des gegenüberliegenden Hauses dem intensiven partnerschaftlichen Beisammensein mit mehreren, rapide wechselnden Partnern hingibt!

Soll das ein Winter sein? Soll das ein Winter am Rande der Alpen sein? Ein Winter im Wiener Becken? Geh! Anstatt, dass der Himmel weiß vor Schnee ist, ist er klar und blau! Blauer Himmel! Sonnenstrahlen. Schulkinder rennen in Pullovern herum. Im Jänner! Und so warm bei mir im trauten Heim bei offenen Fenstern und abgedrehter Heizung! Doch zurück zum Himmel.

Ist der werten Leserschaft schon aufgefallen, dass wir momentan einem stetigen Abwechseln von bewölktem und klarem Himmel ausgesetzt sind? Es ist ganz einfach so: Wenn man fotografieren oder spazieren gehen will oder, ganz allgemein: wenn man sich draußen aufhalten möchte, ist der Himmel auf jeden Fall von einer undurchdringlichen, weißen Wolkendecke bedeckt. Es sind dies keine Regenwolken, aber Wolken. Und sie sind da, wenn man sie nicht braucht. Und wenn man daheim, in der Arbeit oder, wieder allgemein gesprochen: in einem Gebäude sein muss, dann erstrahlt er in klarstem Blau und kein Wölkchen trübt den Blick. Schon aufgefallen? Es lohnt sich ein Blick nach oben! Guter Himmel oder böser Himmel. Man hat’s schnell heraußen. Es ist jeden Falls das falsche Wetter. Egal, ob’s schön oder bewölkt ist.

Kaffee? Wien? Gut?

Weil wir gerade bei gut und böse sind. Guten Kaffee erhält man in Wien kaum. Wirklich! Er wird einfach nicht serviert. Die Stadt des Kaffees und der Kaffeehauskultur lässt einen aber sowas von abblitzen, wenn man seine Qualitätsansprüche mit der Neugier nach diesem Unicum „Kaffeehauskultur“ gleichsetzt und sich daher etwas Besonderes erwartet.

In den meisten Cafés ist der Kaffee schlichtweg eine Zumutung und nur wenige, sehr wenige, sehr sehr wenige Kaffeehäuser legen Wert darauf, guten Kaffee zu servieren. Guter Kaffee, das ist nämlich nicht nur qualitativ hochwertiges Rohmaterial (die Bohne), sondern auch professionelle Zubereitung (der Barista), Starkstrom (die Maschine) und der nötige Aufwand an Pflege (die Reinigung) sowie klares und gutes Wasser (Hochquellwasserleitung). Erst dann folgt Ambiente, Service, etc. Also wenn die werte Leserschaft das nächste Mal im Kaffeehaus sitzt und dieses Irgendwas in sich hineinschüttet, wäre vielleicht doch ein Kommentar dem Kellner gegenüber angebracht. Der wird zwar kaum was ändern, „wäui do komma eh nix mochn, is hoit a so“, aber irgendwann einmal wird auch der abgebrühteste Ober den Kaffee selbst probieren und merken, dass er einfach nix kann. Der Kaffee, nicht der Ober.

Oder man besucht eines dieser Lokale.