Erster Kontakt mit einem Parksheriff

Als Wiener und Wienbesucher kennt man die schrägen und teilweise unglaublichen Geschichten über die Organe der Parkraumüberwachung aka Parksheriffs und fragt sich bestimmt bei jeder, die man zu hören bekommt, ob das, was da aus dem Mund des Erzählers kommt wirklich und wahrhaftig die Wahrheit sein kann, so schier unglaublich scheint die Dreistigkeit und Frechheit zu sein, die diese Organe an den Tag legen. Man rechtfertigt sich mit dem Gedanken, dass sie ja nichts dafür können, in so einem Job arbeiten zu müssen und überhaupt, sie erhalten ja Provisionszahlungen, also was soll man da machen.

Bisher ging es mir genauso und ich konnte – gar nicht im Einklang mit all den Geschichten, die an mich herangetragen wurden – keine dieser Eigenschaften, die den Organen der Parkraumüberwachung nachgesagt wurden, bestätigen. Ganz im Gegenteil, ich erinnere mich an mehrere freundliche Menschen, die mich ohne Murren haben gehen lassen und die auch Verständnis zeigten, als ich mit dem Kebab, dem Big Mac oder der Pizza in der Hand zum Auto gelaufen kam. Dennoch, all das ist nunmehr Geschichte, denn der erste schwarze Fleck ist auf der weißen Weste aufgetaucht.

Montag, 21:04 Uhr, Schweglerstraße 23 in 1150 Wien. Der erste Kontakt mit einem Parksheriff. Die Legenden wurden Wirklichkeit, die parksheriffsche Phänomenologie verifiziert. Was ist geschehen?

Der Ablauf

Ich halte mit dem Auto auf einem Parkstreifen. Hinter mir noch etwa fünf Meter Platz, vor mir mindestens vierzig bis zum nächsten Wagen. Durch die Frontscheibe sehe ich zwei Organe der Parkraumüberwachung – Blaue Kappe, also… ja – auf mich zukommen. Sie spazieren langsam die Straße hoch und scheinen in ein Gespräch versunken zu sein.

Der Stift im Auto ist ausgetrocknet, funktioniert nicht oder was weiß ich was. Ich steige aus, lehne die Autotüre nur an, gehe nach hinten zum Kofferraum. In der Tasche, die da liegt, ist ein funktionierender Stift. Plötzlich schnauzt mich einer der beiden, ein kleingewachsener, fast glatzköpfiger Mann, mit den Worten „Hier ist Kurzparkzone!“ an und macht mich darauf aufmerksam, dass man hier der Stadt Geld spenden darf. Keine Begrüßungsformel, gar nichts. Selbst der unfreundlichste Polizist, mit dem ich bislang zu tun hatte, hat mich begrüßt! Doch wie ging es weiter, nachdem man mir so freundlich und eloquent erklärt hat, dass hier Parkzone sei?

Der Dialog

Das weiß ich, danke. Ich fülle den Parkschein gleich aus. (Will gerade den Kofferraumdeckel zumachen.)

Ich bin ja gerade erst hier stehen geblieben und hole mir nur einen Stift, weil… (Ich wundere mich über den harschen Befehlston, den mir das Organ hier entgegenbringt! Das Organ unterbricht mich…)

Gut, dann tun’s endlich einen Parkschein rein! (Geht weiter…)

Wollen Sie mir unterstellen, dass ich keinen Parkschein einlegen will? (Genervt wegen des Tonfalls des Mannes und seiner Annahme, dass ich keinen Parkschein legen würde.)

(Das Organ bleibt stehen, sein Partner geht weiter. Das Organ dreht sich um, kommt zurück und stellt sich neben mich. Spricht betont hochdeutsch, es gelingt ihm aber nicht ganz.)

Ich unterstelle ihnen nichts, Pause ich mache sie nur (betont) darauf aufmerksam, lange Pause, die die letzten Worte betont wirken lassen sollen dass sie hier einen Parkschein ausfüllen müssen.

Danke, aber ich kann lesen, außerdem fülle ich ihn ja gerade aus! (Ich zeige auf das gelbe Schild, das auf die gebührenpflichtige Zone hinweist. Es ist zwei Meter vor meinem Auto deutlich zu sehen. Ich zeige darauf.)

Reden Sie nicht, legen Sie einen Parkschein rein! (Tonfall lässt vor meinem geistigen Auge das Wort „Beschwerde“ mit blinkenden Lichtern rundherum aufscheinen!)

Ah, sehr freundlich! (Partner des Parksheriffs merkt, dass da etwas länger dauert und sieht her…)

Hören Sie, legen Sie einen Parkschein rein, sonst kriegen Sie ein Mandat! (Geht. Der Partner reagiert etwas peinlich beschämt. Exakt zehn Minuten später waren die beiden dann wieder da. Ich fuhr zu dem Zeitpunkt gerade weg.)

Beschwerde gegen einen Parksheriff?

Ich habe mich, nachdem dieser Artikel veröffentlicht wurde, mit meinem Anliegen einer Beschwerde gegen dieses Parkraumüberwachungsorgan an die Magistratsabteilung 67 „Parkraumüberwachung“ gewandt und dort angefragt, ob es denn ein Beschwerdeformular oder eine anderwertige Möglichkeit gäbe, sich über solch einen Fall zumindest seelische Wiedergutmachung zu holen. Die Antwort des Beamten fiel interessant aus.

Es gibt es solche Beschwerden scheinbar stündlich, wobei ich stark vermute, dass mindestens drei Viertel dieser Beschwerden ungerechtfertigt sind. Bedenken wir aber, dass ein Viertel sehr wohl gerechtfertigt ist, dann ist das in meinen Augen bedenklich. Außerdem dürfte der zuständige Beamte leidgeplagt sein und solche Anfragen andauernd bearbeiten, denn er wies mich gleich darauf hin, dass hierfür bereits E-Mailadressen eingerichtet wurden, die man auf der Kontaktseite auf wien.gv.at finden kann. Ob man Antwort erhält oder nicht, weiß ich nicht, aber vielleicht muss ja danach der eine oder andere Sheriff von seinem AMS-vermittelten Ross hinabsteigen und seine erhabenen Fußsohlen auf den Boden der Realität stellen. Oder einen Benimmkurs beim Elmayer belegen. „Küss die Hand, Sie Parksünder!“, heißt’s dann wieder in Wien!

Anmerkung am Rande: Die Schweglerstraße gehört zu einem Verkehrskonzept der „besonderen“ Art. Um die Tiefgarage, die vor der Stadthalle gebaut wurde, zu finanzieren, hat man hier gebührenpflichtige Parkzonen eingerichtet, deren Gültigkeit bis in die späten Nachtstunden andauert. Diese Zonen sind durch gelbe Schilder beschriftet, die nicht, wie gewöhnlich am Anfang und am Ende der Zone vorzufinden sind, sondern mittendrin.

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