Im Donauzentrum

Samstag ist Konsumtag und das bedeutet einen Besuch im Shopping Center (Einkaufsstraßen und Märkte sind bei der Hitze ausgeschlossen)! So ein Shopping Center – heute war’s das Donauzentrum – kann den sozialwissenschaftlichen Forscherdrang ins Unendliche stimulieren, wobei mir heute erstmals aufgefallen ist, dass konsumentenorientierte Sozialstudien nicht nur von denjenigen durchgeführt werden, die abseits des Einkaufsrausches ihr Dasein fristen und lediglich als Begleitung fungieren, sondern durchwegs auch von den Konsumenten selbst. Ein Blick hier, ein Zucken da, eine kurze Bemerkung, Raunen und Murren… Beobachtung ist stets verbunden mit Gegenbeobachtung und der Gedankengang, den man im Moment dieser Erkenntnis hat, entspricht dem eines Forschers, der feststellt, dass die Drosophilakolonie Notizen über ihn angelegt hat.

Kurzes Schlucken, dann geht’s weiter. Teenies wühlen bei H & M, bei Intimissimi lässt ein 50-Jähriger seine 25-jährige Freundin BHs probieren, bei Tchibo ist das Durchschnittsalter 64, die Fruchtsaftpresse presst Karottensaft und die Verkäuferin fragt, ob Öl gewünscht wird, die Bankomaten surren und der Pizzamann am Pizzastand verkauft eine Pizza nach der anderen. Die Putzkolone putzt die heruntergefallenen Champignons weg und die Ratten im Keller fressen sie wieder auf.

Ein paar Idioten verstehen die Pfeilsymbole an den Aufzügen nach wie vor nicht und wieder andere sitzen beim Brötchenshop und sehen brötchenkauend und Mayonnaise aus den Mundecken wischend den Menschen beim Einkaufen zu; das hat was von Schaf. Bei Spar wird fürs Wochenende eingekauft, doch es sind zu wenige Kassen offen, bei Niedermeyer ist wie immer nichts los und in der Paper Box hat sich ein halbes Dutzend Pubertierender versammelt, die sich an den Plastikbrüsten mit drangenähter Kochschürze erfreuen. In etwa einer Stunde wird ein kurz vor der Pensionierung Stehender diese Kochschürze fürs finale Grillfest kaufen. Gleich daneben, bei McDonald’s, flötzen ein paar Schüler mit angesabberten Servietten herum und unten, bei Wein & Co., sammelt sich diese Munition schön langsam an. An der Theke sitzen ein paar Schnorrer, die das Verköstigungsangebot in Anspruch nehmen und auf der Bank vor dem Sexshop sitzen nur alte Männer, daneben, vorm Blumenladen, kaum.

Im ersten Stock, an der Informationsbude, flirten ein paar DZ-Mitarbeiter mit amerikanischen Touristen und gleich gegenüber, bei Kika, werden Namen in Gläser eingraviert: Jessica, Jennifer und Jaqueline (und man fragt sich, wieso „J“, wieso!?!!). Die Rolltreppe trägt drei Kinderwagen gleichzeitig hoch und die sie stützenden Mütter (die Kinderwagen, jetzt, nicht die Rolltreppe) schwitzen. Es riecht nach Crêpes und nach frischer Knackwurst gleichzeitig, ab und an ein Brise Kaffee vom Coffeeshop. Süpergüt!

Hinter mir unsinniges Wortmaterial, immer mehr, immer lauter, immer weiblicher. Eine Gruppe 14-16-jähriger Mädels zieht an mir vorbei, eine trägt Vanilleparfum, der Rest hüllt sich blumig ein. Mein olfaktorisches Erlebnis setzt sich nun also aus Crêpes, Knackwurst, Kaffee, Vanille und Blumen zusammen. Optisch fällt mir nur der überdimensionierte Ausschnitt einer knapp Sechzigjährigen auf, die das mit dem Erdbeereisessen offensichtlich nicht so ganz durchschaut hat. Ach, Heissa!, ist das Alltag!