Arrivederci amore, ciao

Ein Gastbeitrag von Veronika Nowak.

Eines gleich vorweg: Dieses Buch ist nichts für schwache Mägen – so sieht sich der Leser bereits im ersten Satz mit dem verwesenden Kadaver eines Alligators konfrontiert (irgendwo in Zentralamerika, wohlgemerkt). Dass dem toten Tier wenige Zeilen später eine menschliche Leiche Gesellschaft leistet, macht die Sache nicht eben appetitlicher. Der durchschnittliche Konsument durchschnittlicher Nachrichtensendungen mag sich denken: Ich habe schon schlimmeres – gesehen, nicht nur gelesen (immerhin bleibt es so der persönlichen Vorstellungskraft überlassen, wie verwest der Alligator ist und wie zerschossen der Schädel der Leiche).

Massimo Carlotto, der Autor dieses Romans und generell in Sachen realistischer Gewaltdarstellung nicht zimperlich, gibt in seiner Eröffnungssequenz allerdings nur einen Vorgeschmack auf die eigentlichen Ungeheuerlichkeiten, die „Arrivederci amore, ciao“ durchziehen.

Wie man sich mit kriminellen Mitteln eine ehrbare Existenz aufbaut

Der Protagonist Giorgio Pellegrini, gutaussehend und skrupellos, erzählt aus der Ich-Perspektive, wie er seine Vergangenheit als – verurteilter – Aktivist einer radikalen linken Bewegung begräbt und mit Hilfe des organisierten Verbrechens und korrupter Staatsdiener jeden Ranges ein respektiertes und reiches Mitglied der Gesellschaft wird. Sein Repertoire an im Allgemeinen nicht als moralisch angesehenen Handlungen reicht dabei von Verrat über sexuelle Nötigung und körperliche Gewalt bis hin zu Mord.

Seine ersten Opfer – neben jener eingangs erwähnten Leiche – sind die ehemaligen Kameraden aus der linken Bewegung: Indem er sie verrät, reduziert er seine eigene Haftstrafe auf wenige Jahre. Wieder auf freiem Fuß beginnt er (trotz der obligatorischen Bewährungsauflagen, die zwar hinderlich, aber nicht unumgänglich sind) auf mehr illegale denn legale Weise an seinem sozialen Aufstieg zu arbeiten. Diverse Partner aus dem kriminellen Milieu und ein korrupter Polizist helfen Pellegrini, sich langsam aber sicher Reputation und Vermögen aufzubauen. Dabei kommen auch seine persönlichen Vorlieben nicht zu kurz, u.a. wenn er die attraktive Frau eines bei ihm verschuldeten Geschäftsmannes zum Sex nötigt.

Dass die Kapitel des Buches mit Frauennamen übertitelt sind, mag ein wenig verwirren – auf eine romantische Note hofft man vergeblich. Frauen sind Mittel zum Zweck, und wird Pellegrini ihrer – oder irgendeiner anderen Person – überdrüssig (bzw. werden sie ihm gefährlich) entfernt er sie aus seinem Leben. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ihm das Ausüben sowohl physischer als auch psychischer Gewalt ein spezieller Genuss ist.

Fazit

Dass letzten Endes nicht die Gerechtigkeit siegt, sondern Giorgio Pellegrini ungestraft, angesehen und reich davonkommt, darf hier nicht überraschen. Massimo Carlotto wählt seine Protagonisten und seine Handlungen immer mit dem Ziel, das skrupellose Italien hinter den endlos langen Stränden und der guten Küche aufzudecken. Das Buch sei daher all jenen empfohlen, die eine sehr direkte Sprache, eine spannende Handlung und reichlich Gegenwartsanalyse schätzen.

Angaben zum Buch

Massimo Carlotto: Arrivederci amore, ciao. Tropenverlag, Berlin 2007.

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