Los Angeles

Während sich ein Großteil der Gruppe die Universal Studios in Los Angeles ansah, sich danach im Getty Museum mehr über die Architektur und den Garten als über die Bilder und Ausstellungsstücke freute und sich, abermals danach, wiedereinmal am Strand einfand, bestand mein Programm (und das von zwei mich begleitenden Kollegen) aus völlig anderen Stationen: Zuerst musste ein CF(Compact Flash) Karte gekauft werden, damit die nächsten Wochen fotografisch festgehalten werden konnten, danach würde es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Downtown LA gehen und abermals danach wiederum zum Hollywood Boulevard. So der Plan. Wer allerdings glaubt, in Los Angeles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln soetwas durchführen zu können, der irrt, und zwar gewaltig, denn den Luxus von U-Bahn, Bus und Bim gibt es in Los Angeles bei weitem nicht.

Nimbus hat mich vor meiner Abreise ermahnt, meine Speicherkarten nicht vor eben jenem besagten Dienstag zu kaufen, denn da würden die Preise sinken. Der besagte Dienstag war vorbei und ich machte mich mit meinen Gefährten auf den Weg zu Fry’s Electronics, dem Media-Markt-Äquivalent in Los Angeles. Zuerst musste man mit dem einen Bus ein paar Kilometer fahren, dann mit einem anderen wiederum ein paar Kilometer und dann, irgendwo, war das Geschäft. Von außen konnte man es kaum erkennen, beim Anblick hätte ich eher an ein mexikanisches Restaurant gedacht, doch kaum trat man ein und wurde auf technische Geräte gefilzt, wusste man: hier würde es die Speicherkarte geben.

Es gab sie. Und sie kostete genausoviel wie sie mich in Österreich auch gekostet hätte. Und es wurde irgendeine Lexar 08/15-Karte. Nach Bezahlung – Gottseidank hatte ich Dollar in Banknotenform mit, denn meine österreichische Kreditkarte wurde bei Fry’s Electronics nicht akzeptiert! – machten wir uns auf den Weg zur Schnellbahn, die ja da irgendwo in der Nähe sein müsste…

Wer nach LA fährt, sollte als erste Reisehandlung ein Auto mieten, denn jegliche andere Form von Transportmittel ist unmöglich.

Wir mussten mindestens eine Stunde lang gehen, bis wir die Station der Schnellbahn gefunden hatten, dann wieder lange warten, bis sie daherkam und als wir dann im Zug waren, wurde klar, dass sich der Tagesplan, wie ursprünglich gedacht, niemals ausgehen würde, da die Strecken einfach zu groß und weit waren, die wir mit diesem Zug zurücklegen mussten. Downtown wurde gestrichen.

Gab es eine andere Möglichkeit sich zu bewegen? Nein.
Gab es eine andere Möglichkeit den Tag zu verbringen? Nein.
Gab es irgendwas, das man hätte ändern können? Nein.

Nichtsdestotrotz war Los Angeles aus den öffentlichen Verkehrsmitteln betrachtet, eine völlig neue Erfahrung, denn beifahren kann man ja nicht, um die Eigenheiten der Menschen hier zu dokumentieren, außer eben in öffentlichen Zügen oder Bussen.

Am Hinweg zum Hollywood Boulevard (Sind wir 2 Stunden gefahren? Oder waren es 3? Ich weiß es nicht mehr!) gab es kaum interessante Dinge zu berichten. Lediglich eine Bombendrohung oä, sonst aber keine nennenswerten Vorkommnisse. Der Rückweg, um das gleich vorwegzunehmen, gestaltete sich schon wesentlich interessanter. Das aber auch, vielleicht, weil wir mit Bussen und nicht mit Zügen heimfuhren.

An der Busstation trafen wir ein paar Typen, die sogleich (siehe Bild oben) für ein Foto posierten. Im Bus selbst wurde unsere weibliche Begleitung andauernd angebraten und mit Komplimenten überhäuft. Wir wurden Zeugen einer durch Fast-Food angezüchteten Fettleibigkeit, die fast schon unvorstellbar schien. Wir stellten fest, dass öffentliche Verkehrsmittel einzig für die Unterschicht der Stadt vonnöten waren und waren dadurch mit Leuten eines ganz bestimmten Schlags konfrontiert. Äußerst interessant das alles…

Mein lieber Kollege wollte unbedingt das Kodak Theatre besichtigen und sich dem filmischen Gipfel des Olymp hingeben. Wir anderen zwei willigten ein und besuchten das Kodak Theatre wiederum. Während Kollege und Kollegin eine 20-Minuten-Führung durch das Gebäude besuchten, schlug ich meine Zeit mit Fotografien und dem ekligsten Espresso bis zu jenem Zeitpunkt tot. Wer im Coffee-Bean and Tea Leaf Kaffee trinken will, der sollte es besser bleiben lassen.

Zum Hollywood Boulevard: Die Oscarverleihungen sind ein Spektakel sondergleichen. Stars kommen an, steigen aus ihren Limousinen aus, Menschenmassen winken ihnen zu und Heerscharen an Journalisten und Fotografen versuchen einen guten Treffer zu landen. – Schmeck’s! Das Kodak Theatre ist vielleicht das höchste Gebäude der Straße, doch langweilig ist es trotzdem. Die Straße selbst, und bitte, liebe Leserschaft, wir sprechen hier über den Hollywood Boulevard!, entspricht einer österreichischen Landstraße, die von einem Dorf umgeben ist. Einzige Ausnahme: In den USA gibt’s auf dieser Straße auch Pizza Hut und Friday’s, bei uns nur McDonald’s! Dieser Hollywood Boulevard war eine Enttäuschung der allergrößten Sorte: der größte Schmarr’n überhaupt!

Der Tag endete, wie ich schon geschrieben habe, in einer stundenlangen Busfahrt und sozialkritischen Betrachtungen. Angekommen im La Quinta stand aber nun das echte Zielgebiet unserer Reise bevor: der Sprung in den Südpazifik. Südhalbkugel, Jahreszeitenwechsel und Paradies ohne Ende waren die vorgesehene Zukunft. Alles, aber auch alles sollte anders kommen.