Jahresrückblick 2009

Das Jahr 2010 steht vor unseren Haustüren und erzwingt sich Einlass in unsere abgeschotteten Leben. Die Dinge haben sich normalisiert und sind in einen Alltag übergegangen, den wir erst annehmen und schätzen lernen müssen.

Never waste a crisis#

Auf Wikileaks.org wurden Dokumente veröffentlicht, die den 300.000 Einwohnern Islands namentlich die Mitbürger nannten, welche durch dubiose Geschäfte der Kaupthing-Bank für die Nahezu-Pleite des Staates mitverantwortlich sind. Aus der Diskussion um Wikileaks.org wurde eine Gesetzesinitiative zur Errichtung eines Datenfreihafens.

Aus Belgien könnte man Gesetze zum Schutz von Journalisten nehmen, aus Schweden die bewährten Gesetze, die Provider nicht für Inhalte verantwortlich machen und aus den USA den ersten Verfassungsgrundsatz, der die Meinungsfreiheit schützt. Diese Normen würden gute Vorlagen bieten und wären in der Praxis schon erprobt. Alles zusammen schüfe einen Rahmen, der Transparenz und Informationsfreiheit verbindet. Die reichhaltigen lokalen Energie-Ressourcen böten dazu die die Möglichkeit, einen solchen Datenfreihafen, der viele Rechenzentren braucht, auch noch ökologisch zu betreiben.

Kritik zu Avatar

Manohla Dargis trifft in ihrer Kritik zu „Avatar“ den Nagel auf den Kopf:

Few films return us to the lost world of our first cinematic experiences, to that magical moment when movies really were bigger than life (instead of iPhone size), if only because we were children.

Wie man lesen sollte…

Wie man lesen sollte

A good reader reads attentively, not only listening to what the writer says, but also to how she says it. This is how a reader learns to write.

Neues zum Thema Spam#

Der neueste Report des Project Honey Pot „Our 1 Billionth Spam Message“ lässt das Phänomen Spam in etwas anderem Licht erscheinen als bislang angenommen. Die meisten Spammer sind in den USA zu finden, gefolgt von Spanien, den Niederlande, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hong Kong, Rumänien, Großbritannien, China, Südafrika und Deutschland. Spammer machen aber auch Ferien: Zu Weihnachten sinkt das weltweite Spamaufkommen um 21 Prozent, am Neujahrstag um 32 Prozent. Hier geht es zum gesamten Bericht.

Outsourcing der US-Regierungen auf Google-Server#

Offenbar hosted Google nicht nur, was man der Firma persönlich und direkt mitteilt (zB Gmail), sondern auch, zumindest in den USA, was man an Informationen an den Staat liefert oder liefern muss.

In other words, according to Google, United States state governments have literally handed over our public data to be held and managed by a private company which has well-publicized partnerships with other governments such as China. The data is physically stored in Google’s buildings, on Google’s servers, managed by Google’s employees. This means Google now controls our government’s access to it’s own data.

Odens letzte Minuten

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Eliot Rauschs „Last Minutes with Oden“ zeigt berührend und eindrucksvoll die letzten Momente einer innigen Beziehung zwischen Jason Woods und seinem todkranken Hund Oden.

Das Scheitern von Duke Nukem Forever

Der Standard berichtet über den „epischen Bauchfleck“ des nie erschienenen Spiels Duke Nukem Forever1.

Viele EntwicklerInnen gehören zu den Besten ihres Fachs, doch in Zeiten in denen sich die Spielewelt drastisch änderte – Konsolen und 3D sind nur einige Beispiele – konnten sie keinerlei Arbeiten – abseits ein paar Bruchstücken von Duke Nukem Forever – vorweisen.

Falsche Freundschaft#

William Deresiewicz zeichnet ein tristes Bild über das, was wir heute Freundschaft nennen, indem er die Wandlung der Bedeutung von Freundschaft im historischen Verlauf von der Antike bis in die Facebook-Gegenwart aufzeigt: Aus einer Beziehung zweier Menschen zueinander, einer intellektuellen, emotionalen, moralischen und in gewisser Weise physischen Beziehung, wurde ein Vokabel, das alle den Wortsinn definierenden Prädikate verloren hat und nur noch den Wunsch darstellt, Nähe ausdrücken zu können.

Freundschaft ist zu einem Gefühl eines Menschen für einen anderen geworden („Ich empfinde…“) und hat sich damit von ihrem Kernstück, dem Teilen („Wir sollten…“), entfernt. Alle Aspekte, die in einer Freundschaft Interaktion erforderten – der moralische Austausch, die Herausforderung und Diskussion von Werten, die Kompromissbereitschaft und das daraus hervorgehende Lernen im Umgang mit Widersprüchlichkeit und Eigenheit – sind aus dem Verständnis von Freundschaft verschwunden. Stattdessen ist das Konzept zu einer Worthülse ohne Konsequenzen geworden, an der wir dennoch festhalten, um uns einreden zu können, emotionale Nähe und soziale Einbettung zu verspüren. In William Deresiewiczs Worten:

Friendship is devolving, in other words, from a relationship to a feeling—from something people share to something each of us hugs privately to ourselves in the loneliness of our electronic caves, rearranging the tokens of connection like a lonely child playing with dolls. The same path was long ago trodden by community. As the traditional face-to-face community disappeared, we held on to what we had lost—the closeness, the rootedness—by clinging to the word, no matter how much we had to water down its meaning. […] What we have, instead of community, is, if we’re lucky, a „sense“ of community—the feeling without the structure; a private emotion, not a collective experience.

William Deresiewicz, 2009: Faux Friendship

Noch ist diese Definition moderner Freundschaft abstrakt („feeling without the structure“), doch William Deresiewicz zögert nicht, schnell auf die Nachteile und Einbußen einer solchen Definition hinzuweisen und konkrete Beispiele zu nennen. Wir haben beziehungstechnische Arbeit gegen Bequemlichkeit eingetauscht und reden uns ein, uns aufgehoben zu fühlen. Die eigene Bildung durch das Gespräch mit Freunden ist weit zurückgefallen. Was aber geblieben ist, ist ein billiger Abklatsch mit eigenen, von der althergebrachten Idee einer Freundschaft pervertierten Regeln. Warum denn auch nicht? „Freunde“ (im modernen Sinn) sind austauschbare Namen in einer langen Liste. Der Schmerz, einen davon zu verlieren, ist vernachlässigbar, ist er (oder sie) doch meist ohnehin nie in der Wärme des eigenen Lebens aufgegangen. – So dermaßen mies ist es, was wir heute als Freundschaft bezeichnen, was Deresiewicz unverblühmt anspricht:

We have ceased to believe that a friend’s highest purpose is to summon us to the good by offering moral advice and correction. We practice, instead, the nonjudgmental friendship of unconditional acceptance and support […] We seem to be terribly fragile now. A friend fulfills her duty, we suppose, by taking our side—validating our feelings, supporting our decisions, helping us to feel good about ourselves. We tell white lies, make excuses when a friend does something wrong, do what we can to keep the boat steady. We’re busy people; we want our friendships fun and friction-free.

„Fun and friction-free“. – Wie Puppen, mit denen ein Kind einsam in seinem Zimmer spielt. Und wenn eine kaputtgeht oder ihm nicht mehr gefällt, wird sie ausgetauscht. Unter diesem Blickwinkel wirkt eine Aussage wie „Leute, die keine gute Stimmung mitbringen, lade ich erst gar nicht ein,“ ganz normal, vor allem mit dem Zusatz: „auch wenn sie eigentlich meine Freunde sind.“ Das ist pervers, aber leider zur Normalität geworden.

William Deresiewiczs Artikel „Faux Friendship“ ist ein unbedingtes Muss für all diejenigen, deren soziales Leben sich mehr on- als offline abspielt. Und für alle anderen, die Freunde haben, auch.

Twitter verdient Geld

Nach 3 Jahren des Rätselns, ob Twitter jemals wird Gewinne erzielen können, scheint die Frage jetzt beantwortet zu sein. Man kann auch für das Sich-durchsuchen-lassen Geld verlangen. Marissa Mayer, Google;

We believe that our search results and user experience will greatly benefit from the inclusion of this up-to-the-minute data, and we look forward to having a product that showcases how tweets can make search better in the coming months.