Kommentare auf Blogs sind sowas von 2005

Die Dinge haben sich in den letzten drei Jahren so dramatisch verändert. Blogs, wie man sie geläufig noch vor seinem geistigen Auge sieht, gibt es praktisch nicht mehr: Die Abfolge Header, Titel, Überschrift, Artikel, Kommentare, Link und Footer ist heute nur mehr bei Seiten zu finden, die sich als Blog eingenistet, die Weiterentwicklung hin zu noch mehr Vernetzung und Auslagerung jedoch verweigert haben.

Mit meinem Wechsel von WordPress zu Tumblr habe ich einiges an Kommentaren (persönlich oder per E-Mail) in Bezug auf das Fehlen der Kommentarmöglichkeit zu hören oder zu lesen bekommen. Die Behauptung, man könne nun nicht mehr mit mir kommunizieren, ist allerdings nicht ganz richtig, denn es stimmt zwar, dass man nicht mehr direkt in eigens dafür vorhergesehenen Feldern kommentieren kann, es ist aber nicht richtig, dass man seine Meinung überhaupt nicht mehr kundtun kann. Kommentare sind mir, ganz im Gegenteil, sehr willkommen. Per E-Mail, in einem Artikel auf der eigenen Website mit einem Link zu meinem Artikel oder via Twitter.

Warum aber nicht auf der eigenen Seite? Kommentare, wie wir sie bislang kennen, sind mir zu 2005. Damals waren Blogs gerade der Schrei, aber nicht jeder hatte (oder hatte die Möglichkeit), ein Blog zu eröffnen. Blogger war noch nicht bekannt genug (zumindest in Österreich) und wenn man von „eigenem Server“ und Content Management Systemen gesprochen hat, war man sowieso ein Geek. Dennoch konnte man als Besucher einer Seite zu Themen Stellung nehmen, weil es eben diese Funktion gab.

Die Umstände haben sich aber geändert. In meinem Freundeskreis hat nahezu jeder eine eigene Website, einen Account bei Twitter oder zumindest einen Zugang zu Facebook. Man weiß mittlerweile, wie man Texte online publiziert. Das Limit der Kommentarfunktion war, dass man nicht wirklich Stellung nehmen konnte, sondern immer in einem kleinen Zusatzfeld in wenigen Sätzen auf den Punkt kommen musste. Es war nicht möglich, lange Diskussionen zu führen und nur sehr schwierig, Diskussionsabläufe zu verfolgen. WordPress hat mit dem letzten Upgrade die Möglichkeit eingeführt, Kommentare verschachtelt anzulegen. Der Nachteil dieser Form des Kommentieren ist, dass selbst visuell der Artikel nur mehr als Grundlage, nicht aber als Bezugsobjekt der Diskussion verstanden wird. Je verschachtelter die Kommentare angelegt sind, desto eigenständiger und vom eigentlichen Thema losgelöster erscheinen die diversen Statements.

Spätestens seitdem Artikel mit Titeln wie „Kill Blog Comments“ erscheinen und Blogautoren argumentieren, dass Blogs nicht unbedingt als Dialog verstanden werden müssen, wird eine neue Form des Kommentierens nötig. Man möchte nicht mehr in der Sandkiste über den Spielplatz diskutieren, sondern im Büro des Stadtplaners: Diskussionen, sollen Blogs vernetzen und Inhalte mit Meinungen auf verschiedenen ideellen Plattformen präsentieren, wobei das eigene Blog/die eigene Website den Gipfel des Olymp darstellt, Twitter und twitter-ähnliche Dienste den Autoren gelegentliche „Guter Artikel!“ bis hin zu „You suck!“-Blurbs freien Lauf lassen.

Trotzdem bleiben Reaktionen auf die eigene Arbeit interessant und so bleibe auch ich dem Kommentieren auf einfachster Ebene treu. Ab sofort hat jeder Text-Artikel einen Link, der das Kommentieren auf den präsentierten Inhalt ermöglicht. Dafür ist lediglich ein Twitter-Account nötig, das aber ratzfatz eingerichtet ist. Alternativ nehme ich natürlich auch Meinungsäußerungen per E-Mail (m.kalina auf dieser Domain) jederzeit entgegen. Das Kommentieren per Twitter verstehe ich als kleine Hemmschwelle: Die Meinungsäußerung ist für jeden sichtbar, da ich zwar die Reaktion als Antwort an mich deklariere (@mkalina), allerdings dem Tweet auch eine Referenzurl zum betreffenden Artikel mit auf den Weg gebe. Jede und jeder Interessierte kann dadurch selbst nachlesen, worauf sich diese Äußerung bezieht und sich selbst seine Meinung bilden.

Die dritte Alternative? Selbst einen Beitrag verfassen und auf meinen Verlinken! Irgendwann taucht der Beitrag in meinen Referrern auf und die Ferndiskussion kann beginnen.

Das bringt Leben ins Web, das macht Spaß. Und Kommentare auf Blogs gehen über ins Jahr 2009!

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