Generation Why? Reduktion der Software wegen.

Zadie Smith hat eine hervorragende Rezension zu „The Social Network“ geschrieben und sie mit einer Kritik auf die People 2.0 ergänzt. In dieser Kritik beruft sie sich auf die Thesen von Jaron Lanier, der auf die Unmöglichkeit der digitalen Repräsentation menschlicher Profile und auf die (für den Menschen negativen) Auswirkungen durch die Interaktion mit Software hingewiesen hat. Die Benutzung von Software, so sein Argument, ist unweigerlich mit einer Reduktion des Menschen zugunsten der virtuellen Repräsentation gekoppelt; und diese unterliegt, programmgebunden, einer Philosophie, auf die wir keinen Einfluss haben, in der wir gleichsam „eingesperrt“ sind.

Is [software] really fulfilling our needs? Or are we reducing the needs we feel in order to convince ourselves that the software isn’t limited? […] „Different media designs stimulate different potentials in human nature. We shouldn’t seek to make the pack mentality as efficient as possible. We should instead seek to inspire the phenomenon of individual intelligence.“

Facebook unterliegt dieser Gesetzmäßigkeit ebenso, komme was wolle; das „soziale“ Netzwerk ist eben nur so sozial, wie es sich der programmierende Geist dahinter – Mark Zuckerberg – vorstellt. Wenn seine Software auf Handeln, dessen Regeln er bestimmt hat, ausgerichtet ist und Identität (Sein) ausschließlich durch Tun definiert werden kann, dann darf man sich nicht wundern, wenn Persönlichkeit und Eigenheiten zu verlassenen Markern auf einer Facebook-Profilseite werden.

In Matrix Revolutions haben die Brüder Wachowski dieses Prinzip als Figur des Trainman dargestellt. Er hat in einem System (die Matrix) ein Subsystem mit eigenen Gesetzmäßigkeiten (die U-Bahnstation) geschaffen. Wer sich darin wiederfindet, kann zwar uneingeschränkt handeln, wie sich diese Handlungen auswirken ist jedoch den Regeln und Kausalitäten des Subsystems unterworfen. Der Trainman kann zwanglos von sich behaupten „Down here I make the rules. Down here I make the threats. Down here… I’m God.“ Und nichtsdestotrotz haben die Handlungen in der U-Bahnstation Auswirkungen auf den komatös dahinsiechenden Neo an Bord der Nebukadnezar.

Mark Zuckerberg als Trainman des Internet? Vielleicht ist der Vergleich zu gewagt, schließlich sind die Interessen von Wirtschaftstreibenden (der Merowinger?) und damit der Erhalt des „sozialen“ Netzwerks legitim. Dennoch wirken die Zeilen von Zadie Smith’s Rezension bedrohlich, wenn sie schreibt…

With Facebook, Zuckerberg seems to be trying to create something like a […] uniform environment in which it genuinely doesn’t matter who you are, as long as you make „choices“ (which means, finally, purchases). If the aim is to be liked by more and more people, whatever is unusual about a person gets flattened out. […] To ourselves, we are special people, documented in wonderful photos, and it also happens that we sometimes buy things. This latter fact is an incidental matter, to us. However, the advertising money that will rain down on Facebook […] thinks of us the other way around. To the advertisers, we are our capacity to buy, attached to a few personal, irrelevant photos.

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