Tag 6: Wanderung in den Norden Ko Phi Phis

Gestern haben wir Ko Phi Phi Leh besucht, heute wollten wir uns die „große Insel“ Ko Phi Phi Don näher ansehen. Schon seit ein paar Tagen fragten wir uns, ob es einen Fußweg zum nördlichsten Teil der Insel gab oder ob er ausschließlich über den Wasserweg gut erreichbar war. Das hat nicht nur zu Diskussionen mit ansässigen In- und Ausländern geführt, sondern auch zu Verwunderung und Rätselraten über die geografische Lage der Insel.

Bootsfahrt rund um Ko Phi Phi Don

Nachdem wir gefrühstückt hatten, haben wir uns ein Taxiboot gemietet, das uns rund um Ko Phi Phi Don führen sollte. Wie schon gestern, sind wir in der Nähe des Piers ins Boot gestiegen. Der Kapitän begann seine Route in südöstlicher Richtung. An Hat Hin Khom und Laem Hin über Hat Yao und Laem Phaw vorbei bewegten wir uns über den Lo Mu Di-Strand in Richtung Norden. Wir konnten etliche Orte sehen, über die man in Tonsai hören konnte, die aber noch niemand tatsächlich gesehen hat: Das kleine Stranddorf auf Hat Rantee und ein zweites, das sich scheinbar auf Hat Phak Nam um eine Villa entwickelt hat. Der erste „Oh-Moment“ war, als wir das Ressort auf Ao Lo Bakao, in etwa auf halber Strecke in Richtung Norden, sehen konnten. Noch staunten wir, schon bald würden wir die dortige Todesfalle kennenlernen.

Das Boot fuhr weiter Richtung Norden, an Hat Laem Thong entlang, einem riesigen Strand, der von lediglich zwei verhältnismäßig kleinen Hotels genutzt wird. Als das Boot bei Laem Thong begann in Richtung Westen zu drehen, entdeckten wir an einem Felse einen Fahnenmast voll bunter Fähnchen; wir interpretierten dieses Zeichen als nördlichsten Punkt der Insel. Ich markierte ihn auf dem GPS.

Der östliche Teil der Insel ist wenig spektakulär. Es gibt zwar die Lo Bakao-Bucht und den Laem Thong-Strand, doch machen es die beiden nicht wert, sich extra per Taxiboot dorthin zu begeben. Wesentlich interessanter hingegen ist die Westseite der Insel. Dort gibt es nicht nur einen Verkehrshafen in Chong Kiu im Nordwesten der Insel, sondern auch eine wunderschöne und etwas abgeschiedene Bucht (Ao Lo Lanta), die einen Eindruck vermittelt, wie die aus dem Wasser ragenden Felsen in Ao Nang aussehn müssen. Von Ao Lo Lanta fährt man mit dem Boot um einen Felsvorsprung herum und vor einem liegt die große Einfahrt nach Ao Lo Dalam, die nördliche Bucht, die man auch von Tonsai aus bequem erreichen kann.

In Richtung Süden geht es um Ko Nok herum, danach wieder zurück zum Pier in Ao Ton Sai.

Fußmarsch zum nördlichsten Punkt der Insel

Kurz, nachdem wir wieder an Land waren, erkundigten wir uns abermals, ob es einen Fußweg in den Norden der Insel gäbe. Die Antwort von Einheimischen und ansässigen In- und Ausländern war immerzu ein Nein. Ich konnte das nicht glauben, schließlich führten nicht nur (Strom-) Leitungen in den Norden der Insel; ebenso hatte ich die Leute, die wir gefragt haben, im Verdacht, Tonsai nicht oder nur kaum verlassen zu haben. Auf so einer Insel stellt sich eine „Gemütlichkeit“ ein, die dazu führt, dass man sich überhaupt nicht mehr fortbewegen will.

Wir machten uns auf den Weg und stiegen zum Viewpoint auf, von wo aus wir den Weg nach Hat Phak Nam nahmen. Das ist ein etwa 45-minütiger Marsch, den man gut bewältigen kann. Auf Hat Phak Nam wirkten wir ein wenig wie Fremdlinge: Wir kamen dort mit dicken Schuhen und Wanderkleidung an, während die Gäste der Hotels dort sich in Bikini und Badehose der Sonne hingaben.

Unbeirrt marschierten wir kurz den Strand entlang, bis uns ein Weg auffiel, der ein paar Meter in den Wald hinein am Strand entlang führte und auf gelegentlich angebrachten Tafeln als mit dem Ziel „Ao Lo Bakao“ angeschrieben zu erkennen war. Es gab also einen Weg, der Hat Phak Nam mit Ao Lo Bakao verband! Wir marschierten den Weg entlang und nach gerade mal einer Viertelstunde konnten wir Ao Lo Bakao bereits sehen.

Das Areal in Ao Lo Bakao ist Privatgrund, weshalb wir uns dort – nach Ermahnung eines Wachpostens am südlichen Ende des Areals – nur auf dem öffentlich zugänglichen Strand vorwärtsbewegten. Am nördlichen Ende von Ao Lo Bakao überquert man eine Brücke und folgt einer betonierten Straße (!) zum Laem Thong-Strand, der schon sehr weit im Norden der Insel liegt. Die Straße führt direkt zu einem weiteren Hotelkomplex, von dort aus jedoch gibt es viele kleine Pfade, die den Strand entlang führen.

Das letzte Stück bis zum nördlichsten Punkt der Insel ist nicht befestigt. Wir haben uns auf den am Strand liegenden Felsen vorgearbeitet und haben für das kurze, letzte Stück mindestens eine Dreiviertelstunde benötigt. Am Norden der Insel angelangt, den Fahnenmast vor uns, mussten wir feststellen, dass sich das Wetter dramatisch verschlechtert hat. Aus blauem, mit Wolken durchzogenem Himmel ist ein grauer, von Regenwolken überlagerter Himmel geworden. Da wir sehr weit von unserem Hotel entfernt waren, beschlossen wir, uns zügig zu Hat Laem Thong zu bewegen, um von dort mit einem Taxiboot nach Tonsai zu gelangen.

Rückweg gegen das Wetter

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Die vielen Taxiboote in Hat Laem Thong verlangten horrende Preise für eine Rückfahrt nach Tonsai, weshalb wir unser Glück in Ao Lo Bakao versuchen wollten. Dort waren am Hinweg ebenso viele Boote gewesen, das sollte kein Problem sein.

Während wir die Straße von Hat Laem Thong nach Ao Lo Bakao entlangmarschierten, begann es ein wenig zu regnen. Wäre es ein kurzer Sommerregen gewesen, hätten wir ihn wahrscheinlich als angenehm empfunden. Die dicken, dunkelgrauen Regenwolken, die über uns hingen, ließen diesen kurzen Regen jedoch bedrohlich wirken.

An Ao Lo Bakao angelangt, konnten wir entweder wieder die gleich Route wie am Hinweg nehmen oder der „Tsunami Evacuation Route“ folgen, die und, wie zumindest in Tonsai, auf dem schnellsten Weg ins Innere der Insel führen sollte, von wo aus es – laut Angaben einer Restaurantbesitzerin, der wir am Weg begegnet sind – einen direkten und kurzen Weg nach Tonsai geben sollte. Wir nahmen die „Tsunami Evacuation Route“ und stellten fest, dass diese Route eine Todesfalle ist.

Im Falle eines Tsunami ist es wichtig, so schnell wie möglich auf einen höhergelegenen Punkt zu gelangen oder an einen Punkt, von dem aus man auf die Hügel der Insel klettern konnte. Da die Wellen unbarmherzig jede Ebene sofort einnehmen, ist es ebenso wichtig, wie man dorthin kommt. Deshalb hat man auf Ko Phi Phi Evakuierungsrouten eingerichtet, die die Menschen auf raschestem Weg zu einem der Punkte führen. Nicht aber so in Ao Lo Bakao. Dort hat scheinbar der Privatgrund Vorrang vor dem menschlichen Überleben. Die Evakuierungsroute führt an der äußeren Begrenzung des Hotelkomplexes entlang und nicht quer durch das Gelände, wodurch man viel Zeit sparen könnte. Ich hatte das GPS-Gerät mit und habe diesen Track markiert. Er sieht aus wie ein nach links gelegter Baum: der schnellste Weg zum „Rescue Point“, der im Süden (dieser Route) liegt, führt über den „Stamm“ in Richtung Süden, dann ein kurzes Stück in Richtung Westen. Der Weg, den wir genommen haben, führt von der Brücke aus (das ist der Punkt im Norden, wo die Doppellinie wegführt) über die gesamte „Baumkrone“ zum Rescue Point. Wir haben durch diesen Umweg mindestens eine Viertelstunde verloren. Ich kann mir vorstellen, dass eine Viertelstunde länger oder kürzer gehen im Falle eines Tsunami über Leben und Tod entscheidet. In Ao Lo Bakao spielt das jedenfalls keine Rolle, denn dort zählt der Privatbesitz (des Hotels) mehr als das Überleben eventueller Gäste.

Wieder in Tonsai: schlechte Aussicht

Nachdem wir so viel Zeit in Ao Lo Bakao verloren hatten und es allmählich immer stärker zu regnen begann, beeilten wir uns, machten den Auf- und Abstieg von Hat Phak Nam nach Tonsai in nur dreißig Minuten und freuten uns, als wir endlich wieder „zuhause“ waren.

Wir waren beide hungrig, also besuchten wir gleich das Papaya-Restaurant. Kaum, dass wir dort waren und Platz genommen hatten, fing es zu regnen an. Der Regen in Tonsai war kein Regen, wie wir ihn in Wien kennen, sondern ein tropischer Regen, der binnen weniger Minuten ganze Kübel mit Wasser anfüllen konnte.

Was wir (Touristen) weniger lustig fanden, schien den dort Ansässigen gut zu gefallen. Menschen „duschten“ auf der Straße und wuschen ihre Fahrräder und Leiterwagen mit dem Regenwasser.

Nachdem wir gezahlt hatten, liefen wir durch den Regen zurück ins Hotel und kamen dort völlig durchnässt an. Besonders unangenehm war, dass auch unsere Schuhe nass waren, da es auf Tonsai keinerlei Abflüsse gibt und sich das Wasser in den Straßen aufstaut.

Im Hotel sah ich mir einige Wetterseiten online an und musste feststellen, dass das gesamte Gebiet von Phuket bis Ko Lanta unmittelbar vor einem großen Unwetter stand, das sich mehrere Tage lang hinziehen würde. Keiner von uns beiden hat es ausgesprochen, aber uns war klar, dass wir ehebaldigst Ko Phi Phi verlassen und unseren Urlaub woanders fortsetzen würden.

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