Die Autorität hinter der Kaffeeliste

Als ich heute in einem der besten Kaffeelokale der Stadt war und einen Espresso bestellte, wurde ich vom Barista gefragt, ob ich denn einen neuen Single Origin-Kaffee ausprobieren wollte – ein Vorschlag, dem ich gerne folgte, obgleich sich die Lust am Probieren schon bald mit dem Vorhaben einer Aushilfskraft kreuzte.

Der Barista bereitete den Kaffee zu und wies mich an, ein wenig zuzuwarten, bevor ich ihn probierte. Der Kaffee wurde serviert, ich wartete und probierte ihn. Für gewöhnlich erklärt er sogleich, was man sofort und was man erst nach einigen Sekunden oder überhaupt erst etwas später schmeckt, also fragte ich ihn, was ich denn da schmecken sollte? Er wollte gerade antworten als ihm seine Aushilfe ins Wort fiel.

Wenn du das nicht erkennst, welche Qualität haben dann die Bewertungen auf deiner Seite?

Wow, Bummer. Ob mir etwas schmeckt hängt nun damit zusammen, ob ich etwas schmecke? Wann ist das passiert? Es war ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis jemand die Bewertungen und Kritiken auf meiner Seite zum Thema Guter Kaffee in Wien infrage stellen und nach ihrer Aussagekraft, vor allem aber nach der Autorität dahinter fragen würde. Und so eine Frage wie die oben macht genau das: Sie modifiziert die Qualitätsrichtlinien und will den Anspruch in Diskussion bringen, eine Bewertung nicht aus der rein subjektiven Wahrnehmung heraus zu akzeptieren, sondern nur eine zuzulassen, die auf extern sanktionierten Kriterien beruht. („Hast einen Kurs zum Thema gemacht?“)

Prinzipiell ist so eine Forderung ja gerechtfertigt; in dem konkreten Fall aber nicht, denn diese Liste der besten Coffeeshops in Wien ist meine – and mine alone. Sie spiegelt meine Meinung wieder, sie basiert auf meiner Wahrnehmung und zeigt das in einer fürs Internet adäquaten, durch Nutzerinnen und Nutzer gewohnten Listenform. Dass das irgendwelchen Leuten nicht gefällt, ist mir, gelinde gesagt, ziemlich egal. Ich behaupte nichts, was nicht stimmen würde – denn alle Meinungen sind, ganz besonders in diesem Fall, subjektiv, ergo, die meinigen.

Wäre ich dem Vorstoß allerdings gefolgt und würde ich meine Meinung auf Kriterienbasis veröffentlichen, würde ich also mit einem ausgebildeten Gaumen auftreten, denn würde die Sache ganz anders aussehen. Ich würde Dinge behaupten, die absolut wären (was sie sui generis nicht sein können).

Daher in aller Klarheit: Die Kaffeeliste ist mein Privatvergnügen und die darin präsentierte Meinung ist meine. Ich nehme mir nicht einmal vor, hier auch nur den Ansatz von Objektivität walten zu lassen. Die Liste ist primär für Freunde und Bekannte geschrieben, die mich immer und immer wieder nach den besten Kaffees der Stadt gefragt haben.