Welchen Nachfolger für Google Reader?

Google Reader schließt am 1. Juli 2013. Wer seine Feeds noch nicht gesichert hat, sollte das spätestens am 30. Juni 2013 tun. Katie Floyd hat ein sehr ausführliches Tutorial zum Download der Feed-Abonnements geschrieben. Es dauert nicht lange und am Ende hat man eine in andere Newsreader importierbare XML-Datei.

Dann stellt sich allerdings die Frage: Welchen Nachfolger für Google Reader? Für welchen Nachfolge-Service soll ich mich/man sich entscheiden? Hier eine sicherlich nicht vollständige, aber immerhin kommentierte Liste.

Digg Reader

Digg, das ist die Firma, die vor ein paar Jahren an Popularität nicht zu unterbieten war, nach der aber heute kein Hahn mehr kräht, bietet den Digg Reader an, der eine nahezu exakte Kopie des Google Readers darstellt. Das Design ist absolut top, der Reader ist kostenlos und wird kaum Wünsche offen lassen. Bei Digg hat man sogar darauf geachtet, die User Experience des Google Readers zu übernehmen: Tastaturkürzel, Menüaufbau, etc. – alles gleich. Wer sich allerdings vom Wechsel eines vernachlässigten Produkts hin zu einem Primärprodukt mehr erwartet als nur eine Kopie, wird mit dem Digg Reader keine Freude haben. Dennoch: Das vorläufige Importieren der Daten schadet – Datenschutz ausgenommen – nicht, schließlich ist Diggs Reader kostenlos. Der Login funktioniert über ein Twitter- oder ein Facebook-Konto.

Feedly

Viele sind auf den einzigen Reader umgestiegen, der schon vor Wochen funktionsfähig war1: Feedly. In Optik und Benutzerführung ist Feedly ebenso ein Google Reader-Klon, wenngleich etwas weniger schick als der Digg Reader. Mir persönlich ist Feedly von der Benutzeroberfläche her zu wenig ausgegoren, aber technisch spielt Feedly alle Stückerln. Bis vor kurzem musste man sich noch eine Browser-Erweiterung für die Benutzung Feedlys herunterladen, heute konnte ich mich problemlos ohne die Erweiterung anmelden und die Webapp benutzen. Feedly ist kostenlos; die Anmeldung erfolgt nach wie vor über das Google-Konto.

Feed Wrangler

Bei Entwicklern, vor allem beim nicht wenig einflussreichen Federico Viticci, dem Kopf hinter Reeder, steht Feed Wrangler sehr hoch im Kurs. Im Gegensatz zu Digg Reader oder Feedly ist Feed Wrangler ein eigenständiger Bezahlservice, der mit USD 19 pro Jahr zu Buche schlägt. Ich habe mich nie bei Feed Wrangler angemeldet, die mancherorts gezeigten Screenshots lassen jedoch auf wenig Liebe zur Optik schließen, wenngleich die Funktionalität und Performanz des Services absolute Spitze sein soll.

Feedbin

Das Manko von Feed Wrangler – die Optik – geht Feedbin offensiv an. Sehr Mac-like und mit viel Liebe zum Detail2 hat Ben Ubois seinen kostenpflichten Reader gestaltet. Der Bezahlservice kostet USD 2 pro Monat (oder USD 20 pro Jahr) und ist monatlich kündbar. Überhaupt wartet Feedbin mit einigen Features auf, die zeigen, dass dahinter jemand steckt, der selbst auch Newsfeeds in Massen konsumiert: Umbenennnen von Feeds, die Vervollständigung gekürzter Feeds (mittels Readbility) und so weiter.

Fever°

Fever° muss am eigenen Server installiert werden und kostet einmalig USD 30. Verursacht aber, zumindest bei meinem Hoster Uberspace, ein- bis zweimal am Tag Serverfehler. Obwohl ich Fever° sehr gerne empfehlen würde, habe ich den Eindruck, dass der Autor des Programms, Shaun Inman, daran nicht mehr viel Interesse hat.

NetNewsWire

NetNewsWire wurde mittlerweile in Version 4 als Beta zur Verfügung gestellt. Lokal, also ohne Abhörmöglichkeit… hört sich gut an und ist momentan in Aktion.

Was tun wir? Feedbin, oder?


  1. Feedly ist ein riskantes Spiel eingegangen. Zum Zeitpunkt als die Massen von Google Reader zu Feedly wechselten, war Feedly lediglich eine Oberfläche für den Google Reader. Erst mit der Zeit ist man auf eigenes Hosting umgestiegen… 
  2. Feed Renaming. Warum hat noch kein Reader daran gedacht, dass es manchmal wirklich notwendig ist, Feeds umzubenennen!? 
Wo niemand klickt