Es ist so schwer, Specialty Coffee zu servieren

Milk and Sugar, Please!

tl;dr. Im Weltklasserestaurant „Noma“ bemühte sich der Chefkoch um etwas Besonderes und ersetzte nach 8 Monaten des Trainings mit Tim Wendelboe (!) den 08/15-Kaffee durch Specialty Coffee. Die Reaktion eines Restaurantkritikers:

No matter how much the waiters try to talk it up, the coffee is like a sloppy, thin cup of tea. They ended up by serving a cup of coffee that was undrinkable. It was worse than the coffee they serve on a ferry.

Genau meine Meinung, wenn ich Filterkaffee ohne Vorbereitung vorgesetzt bekomme. Und das ist auch das zentrale Problem nahezu aller Coffeeshops in Wien: Wo man nicht über das, was einen erwartet, informiert wird, sodass man sich auf etwas anderes als eine brennende Brühe einstellen kann, schmeckt der Kaffee nicht.

Meines Wissens nach gehen bis heute nur das CaffèCouture und das Kaffeemodul dem Konzept einer langsamen Einführung in die Welt der Specialty Coffees nach. In beiden Lokalen gibt es eine milden Blend (= Bohnenmischung) und eine Reinsorte; die eine „gewöhnlicher“, die andere aromatischer, dafür aber eben auch mit zum Teil ausgeprägten Säuren. Der Kunde, der sich für die Reinsorte interessiert, kann danach fragen und damit selbst über seine Experimentierfreudigkeit entscheiden. Andere Läden servieren die Säurebombe ohne Vorwarnung; und verlieren den Kunden, weil der Kaffee „zu sauer“ war.

Und noch etwas: Natürlich ist es fein, wenn man aus dem Kaffee herausholt, was an Geschmack vorhanden ist. Dass das alles aber im Kontext des Begriffs „Nordic Approach“ geschieht und Tim Wendelboe eine Kaffee-Importfirma unter dem gleichen Namen führt, ist bestimmt reiner Zufall.