So sehen 2.000 Kalorien aus#

Ein vor dem Computer (oder, allgemeiner: in sitzender Tätigkeit) beschäftigter Mensch benötigt pro Tag in etwa 1.600 Kalorien1. Die hier abgebildeten Speisen und Menüs zeigen, wie deutlich mehr, nämlich 2.000 Kalorien aussehen. Oft sind das die üblichen McDonald’s- oder Burger King-Menüs, manchmal ein unauffällig wirkender Pastateller, und gelegentlich ein einziger Becher eines Milchshakes. Fast immer ist jedoch diese eine Portion nur eine von mehreren Mahlzeiten, obwohl sie den Tagesbedarf an Kalorien bereits überschritten hat.


  1. Korrekt wäre eine Angabe, die eine Spanne von 1.600 bis 2.000 Kalorien angibt. Da ich aber niemanden kenne, der Bewegung im Ausmaß der empfohlenen halben Stunde pro Tag am Stück macht, gilt: 1.600. 

Dein Facebook-Stream: Hochzeiten, Kinder und Katzen

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Welche Beiträge Anderer ein Facebook-Nutzer sieht, wird nicht durch natürliche Faktoren (wie Zeit oder die Onlinepräsenz von Freunden), sondern von einem Facebook-Algorithmus bestimmt. Die Mathematik dahinter ist sogar nachvollziehbar: Ein User wäre, wenn er sich ein Mal pro Tag bei Facebook anmeldet, im Schnitt mehr als 1.500 neuen Beiträgen ausgesetzt – viel zu viel Input, den ein User verarbeiten müsste. Facebooks Algorithmus reduziert diese Beiträge auf einige wenige, die für den User höchstwahrscheinlich von Interesse sind. Somit ist, was viele als natürlich wahrnehmen, eine auf persönliche Interessen zugeschnittene Abfolge von Inputs, die zu Interaktion animieren soll: Hochzeiten („Ah, wie schön!“), Fotos von Kindern („Oh, wie herzig!“) und von Katzen („So ein liebes Tierchen!“).

Der Nachteil dieses Systems ist zugleich Facebooks Geschäftsmodell: Generiert ein Beitrag genügend Interesse (und Interaktion) unter Usern, enthält er also dem Inhalt des Beitrags entspringende, originäre Zugkraft, so wird er durch den Facebook-Algorithmus künstlich zurückgehalten und in seiner natürlichen Wirksamkeit eingeschränkt. Hat aber der Autor des Beitrags Interesse daran, den Beitrag doch größeren Nutzergruppen verfügbar zu machen, so muss er für die Promotion des Beitrags zahlen. Mit Zahlung eines bestimmten Betrags werden Beiträge, die andere Nutzer natürlich erreichen würden, künstlich in deren Filter Bubbles auf Facebook injiziert.

Eigentlich keine blöde Idee, Herr Zuckerberg. Keine blöde Idee.

CryptoParty #28: Vorbereitung auf den CCC

CryptoParty

Die achtundzwanzigste CryptoParty fand nicht, wie sonst immer, am letzten Montag im Monat statt, sondern am Samstag vor Weihnachten. Sie sollte vor allem der Vorbereitung für den zum 31. Chaos Communication Congress dienen. Deshalb lag der Fokus auch auf dem Thema „Den eigenen Laptop absichern“: Festplattenverschlüsselung, sichern aller Anschlussmöglichkeiten, Deaktivieren der offenen/geteilten Services und Dienste, sicheres Verbinden mit dem Internet, etc. – Basiswissen, sozusagen, das aber dann doch immer wieder vergessen wird.#

Schneidet es heraus!#

Kim Simon versucht in einem Huffington Post-Artikel zu argumentieren, warum Kaiserschnitt und Vaginalgeburt dasselbe sind:

Yes, babies are „supposed“ to be born through the appropriate exit door. […] Not every woman who has a C-section „needs“ one, regardless of what your definition of „needs“ is. Yes, we should trust our bodies. Yes, we were born to do this. [But] If after all of that, you have a C-section, or (gasp) just want a C-section… You are not broken. […] You’re in charge. […] One of the biggest myths about birth is that the doctors are in charge. They’re not. You are. […] You have the right to control as much of your birth as you want to.

Die Antwort der Soziologin Theresa Morris, die zur auffällig hohen Anwendung des Kaiserschnitts in den USA geforscht hat, fällt klar aus. Kaiserschnitt und Vaginalgeburt sind nicht dasselbe:

I have conducted research on the high U.S. C-section rate in the U.S., and I can say unequivocally that giving birth by C-Section and giving birth vaginally are not the same for babies or for moms. […] “You’re in charge,” really shows the illusion of the blog’s argument. […] Doctors and nurses are bound by strict protocols that determine how women will be treated. […] In other words, women are not in control […] 91 percent of women in the U.S. who give birth following a C-section have a repeat C-section, even though as many as half would like to have a vaginal birth. Why? This happens because hospitals and providers deny women a chance to have a vaginal birth and condemn them to another C-section. […] This can even approach a legal mandate. When women refuse a doctor’s recommendation to have a C-section, doctors sometimes bring in lawyers and judges, and women are court ordered to have C-sections. […] These women were not in charge of their births.

Es gibt nicht viel Spannenderes als das Aufeinanderprallen von Wahrnehmung und Wissen. Vor allem, wenn es um als natürlich wahrgenommene Entscheidungen und Handlungen geht.

Fake-User

Die Zahlen der Fake-User in Social Media-Kanälen ist wohl deutlich größer als angenommen und wird Werbetreibende im nächsten Jahr etwas über 5 Milliarden Euro kosten.

every other comparable outlet, where popularity or punditry is determined by followers, shares or likes is subject to […] rigging.

Menschliche Obsoleszenz in praktisch allen Prozessen

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Vor wenigen Tagen hat Amazon seine neue Ausfertigungshalle vorgestellt, in der nahezu jede Tätigkeit, die bis vor kurzem noch von Menschen durchgeführt wurde, von Robotern erledigt wird. Vom Sortieren und Einschlichten der Waren bishin zum Anordnen und Bewegen ganzer Regale ist kaum jemand am Ausfertigungprozess beteiligt. Menschenleere, vollautomatisierte Betriebs- und Lagerhallen sind weder Neuland noch techno-futuristische Fantasie, sondern Zwischenergebnis einer Entwicklung, deren Bahn unweigerlich zur Obsoleszenz menschlicher Arbeitskraft führt.

Im hier eingebetteten Video („Humans need not apply“) wird die These aufgestellt, dass jegliche menschliche Arbeitskraft nicht nur in Berufen, die es schon vor mehr als 100 Jahren in gleicher oder ähnlicher Form gab, de facto obsolet geworden ist, sondern auch, dass diese Obsoleszenz diesmal auch Berufsgruppen trifft, die sich bislang von der Automatisierung nicht bedroht sahen. Was Ärzte tun, werden Roboter sehr bald besser erledigen. Womit Juristen Geld verdienen, werden Roboter bald schneller, effizienter und billiger durchführen können. Was Künstler erschaffen, können Roboter sogar heute schon zu großen Teilen ersetzen. Broker bedienen ohnehin nur noch Computer und selbst das Handwerk des Barista ist gefährdet.

Wir (Menschen) werden zu den Pferden des 21. Jahrhunderts. Und daran führt offenbar kein Weg vorbei.

TED Talks, das Gegenteil von Denken#

Immer mehr Kritik am Format der TED Talks und nun an den TED Talks an sich.

I’m not sure what it is about my generation, exactly, but I’ve noticed a weird trend to watch or listen to „informative“, Horrible History-style things for adults rather than actually think. It seems to be a cultural reference point to think about the idea of thinking, rather than actually engaging the old noggin. […] And yet I write this from my bed. The most common response I received when I told people I was working on this was, „What? Have you never enjoyed one [TED Talk]?“ Which, I suppose, is my whole point. When thinking about thinking becomes entertainment rather than a challenge, something has fucked up.

Aber ja, es stimmt. Je mehr man davon sieht, desto mehr wird klar, dass das Denken übers Denken übers Denken das Denken nicht ersetzen wird.

Das Film about Coffee-Event

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Im Rahmen einer konzertierten Aktion des neu gegründeten Kollektivs „Independent Coffee Vienna“ fand heute nicht nur eine (kostenlose) Kaffeeverkostung, sondern auch eine (kostenpflichtige) Filmvorführung des „Film about Coffee“ im Stadtkino statt. Praktisch alle, die auch auf meiner Guter Kaffee in Wien-Liste sind, waren vertreten: Das Kaffeemodul (Boris Ortner und Valentin Freyler), Balthasar (Otto Bayer), Zåmm Coffee Collective (Max Huber), CaffèCouture (Georg Branny), die Coffee Pirates (Evelyn Priesch und Werner Savernik), Süssmund (Nikolaus Hartmann), die Baristarie (Christian Kring), die Rösterin (Johanna Wechselberger) und Kaffeemik (Simon Huber) präsentierten ihre Kaffees in den Zubereitungsarten Cold Brew, Syphon, Filter und Espresso. Im Anschluss wurde zur Filmvorführung geladen. Organisiert wurde das Verkostungs-, Filmvorführungs- und Fingerfood-Event von Amar Cavic, der eine kurze Einleitung, die das Wort zum Film gab und das Ziel des Independent Coffee Vienna-Kollektivs – vereinfacht: wir machen Workshops, damit die Menschen mehr guten Kaffee trinken – erklärte.

„A Film about Coffee“ ist genau der Film, den man erwartet. Baristi und Personen, die mit dem Vertrieb und Verkauf von Kaffee reich geworden sind, sprechen über „Specialty Coffee“ und erklären rückständigen Kaffeebauern, wie man mit Kaffee (das Naturprodukt, nicht das Getränk) umzugehen hat. Oder anders, in den Worten der Website zum Film:

A Film About Coffee is a love letter to, and meditation on, specialty coffee. It examines what it takes, and what it means, for coffee to be defined as “specialty.” The film whisks audiences on a trip around the world, from farms in Honduras and Rwanda to coffee shops in Tokyo, Portland, Seattle, San Francisco and New York. Through the eyes and experiences of farmers and baristas, the film offers a unique overview of all the elements—the processes, preferences and preparations; traditions old and new—that come together to create the best cups. This is a film that bridges gaps both intellectual and geographical, evoking flavor and pleasure, and providing both as well.

Ja. Eh.