Erster Kuss? Leider nein.

Tatia Pilieva bittet zwanzig Fremde, sich vor laufender Kamera zu küssen. Was dabei herauskommt, ist ein herzerwärmender und positiv gestimmter Blick auf einen intimen zwischenmenschlichen Moment… What’s your name, again?

Zu schön, um wahr zu sein? Leider ja. Denn das, was uns hier gezeigt wird, ist weder intim, noch eine romantische und herzerwärmende Momentaufnahme einer spontanen Aktion. Es ist eiskalt durchdachtes Viralmarketing der Firma Wren, die für ihre Frühjahrskollektion wirbt und dabei äußerst erfolgreich auf die emotionale Kontextualisierung visueller Eindrücke setzt.

Jetzt, wo die Bilder des Videos nochmal vor unserem geistigen Auge ablaufen, erinnern wir uns plötzlich an das prominent platzierte „WREN presents“ am Anfang des Videos. Wir bemerken, dass die 20 „Fremden“ Modells waren. Uns wird bewusst, dass der dunkelgraue Hintergrund und die melancholische Musik eine emotionale Spannung erzeugten, in der nicht nur der Kuss, sondern eben auch die Kleidung der schauspielenden Modells betont dargestellt wurde. Slate:

Watching the video will warm your cold, unfeeling heart—until you get to the credits, at which point it will return to its rightfully frozen state. […] The video peddles the fantasy that beauty can spring from an unexpected connection between two random people, but what it’s really showing us is […] models making out.

Abermals ekelt uns, dass das Echte zugunsten des Künstlichen zurückstecken muss. Wir verpönen die Mittel, zu denen die Industrie mittlerweile greift, um uns zu erreichen. Und doch merken wir nicht, dass der Partner/die Partnerin im Nebenraum ein Buch liest, während wir hier vorm Computer sitzen, die implizite Aufforderung dieses Absatzes abtun und noch schnell auf Facebook schauen, was unseren Freunde dort so tun.

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