Überwachung der Handynutzung beim Autofahren

Die Futurezone berichtet über die App goSmart, welche Menschen, die sich freiwillig einer dauerhaften Überwachung während des Autofahrens unterziehen, mit kleinen Geschenken („Kaffee, […] Softdrink oder ein Kosmetikprodukt“) belohnt; überwacht wird dabei, ob Autofahrer das Smartphone während des Autofahrens benutzen. Wer es nicht benutzt, wird belohnt.

Warum mir dieser kurze Eintrag in der Futurezone (es sind gerade mal drei Absätze) so gut gefällt? Weil er ein Paradebeispiel für den Umgang mit dem Thema „Überwachung“ ist: Im gesamten Beitrag kommt das Wort „Überwachung“ kein einziges Mal vor. „Sicherheit“ hingegen wird im Kontext eines für alle erstrebenswerten, und daher allgemeinen Guts, nämlich der „Verbesserung der Verkehrssicherheit“, benutzt.

Und da haben wir sie wieder, die Falle, das Totschlagargument, den Einstieg in das omnipräsente Framing des Sicherheitsdiskurses: Wenn diese kleine Maßnahme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auch nur ein einziges Menschenleben rettet, so hat sie Nutzen. Der Zweck, also der Schutz des über dem persönlichen Interesse stehenden Allgemeinguts „Verkehrssicherheit“, heiligt die Mittel, auch wenn diese, immerhin geht es hier um die dauerhafte Überwachung und um auf Algorithmen basierende Bewertungen menschlichen Handelns, möglicherweise überbordend oder unverhältnismäßig sind. Denn wer kann schon etwas gegen eine App haben, die das Potential hat, Menschenleben zu schützen?

Oder in anderen Worten: Mehr Überwachung führt zu mehr Sicherheit1.


  1. Was „sicher“ ist, definiert auch in dem Fall die Versicherung. Was „gesund“ ist, übrigens auch
Wo niemand klickt