Freitag, 8. Jänner 2016

Am 8. Jänner 2016, ein Freitag, wachte ich auf, ging ins Bad, putzte mir die Zähne, duschte, zog mich an, packte meinen Computer in die große Ledertasche, und machte mich auf den Weg ins Büro. Die Strecke war nicht weit, ein Fußweg von etwa zwanzig Minuten. Optimal, um E-Mails zu checken und bestens, um die neuesten Tweets durchzusehen.

Einen Häuserblock vorm Büro gab es einen Kaffeeladen, in dem ich mir fast täglich Kaffee kaufte. Ein doppelter Espresso. Während ich den ersten trank, war ich auf Twitter der Gegenwart schon so nahe gekommen, dass die Tweets mit dem gleichen Datum datiert waren. War ich jetzt angelangt, wechselte ich in die Newsreader-App und las dort weiter. Meistens ein Zeichen, den zweiten Kaffee zu trinken. Und so war es auch an diesem Freitag.

Ich zahlte, verließ das Lokal, besetzte meinen Tisch im Büro und begann meine Arbeit damit, alles, was ich am Weg hierher getan habe, noch einmal zu tun. Tweets, Newsfeeds und Mails. Kolleginnen und Kollegen grüßten, winkten mir hinter der Glaswand, die mein Büro von einem anderen trennte, zu und sprachen jetzt, um halb zehn Uhr morgens schon davon, dass sie sich auf das unmittelbar bevorstehende Wochenende freuten. Ich habe nie verstanden, was man an diesen zwei Tagen, die man bestenfalls mit Alkohol und Übelkeit, sicher nicht mit passablem Sex, sehr wahrscheinlich aber mit Fernsehen, Wäsche waschen und Putzen verbringen würde, so begeisterungswürdig fand, dass es der Zwang, seiner beruflichen Tätigkeit nachzugehen, nicht gänzlich in den Schatten stellen würde. Sicher, hin und wieder gibt es Höhepunkte an solchen Wochenenden. Wenn man zum Beispiel am Dienstag erfreut feststellt, dass man sich am Samstag doch keine Fieberblase geholt oder man am Mittwoch beruhigt feststellen kann, dass man ohnehin das falsche Facebook-Profil angegeben hat. Aber was ist schon der Mittwoch, wenn nicht das Vorspiel für den Freitag.

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