Psychologie + Big Data = Wahlbeeinflussung

Cambridge Analytica – The Power of Big Data and Psychographics

Der Psychologe Michal Kosinski entwickelt eine Methode, mit der Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook und aufgrund ein paar weniger, zusätzlicher Eingaben, präzise kategorisiert werden können. Cambridge Analytica, eine Firma spezialisiert auf die Auswertung großer Datensammlungen, das Erstellen von Profilen nach dem OCEAN/CANOE-Modell, und die aus der Kreuzung dieser Daten resultierenden Empfehlungen für hochpersonalisierte Marketingmaßnahmen hat damit die Brexit-Kampagne und die Wahl in den USA beeinflusst.

aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes [kann man über einen User vorhersagen], welche Hautfarbe er hat [Treffsicherheit: 95%], ob er homosexuell ist [88%], ob Demokrat oder Republikaner [85%]. Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugehörigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. […] 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150 um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner.

Dass in so einer Methode enormes Potential für Marketingmaßnahmen steckt, liegt auf der Hand. Ergänzt man sie um zugekaufte Daten wie Grundbucheinträge, Bonuskarten, Wählerverzeichnisse, Mitgliedschaften in diversen Clubs, Zeitschriftenabonnements und medizinische Daten, dann bildet sich ein Pool von etwa 5.000 Markern für jede einzelne Person in einem Zielmarkt. Mit so einem Datenschatz als Grundlage können Marketingmaßnahmen punktgenau abgesetzt und die OCEAN/CANOE-Faktoren gezielt angesprochen werden. Auf Demografien oder anderen, nicht personalisierten Werten basierende Kampagnen, sind im Vergleich dazu „eine lächerliche Idee“, meint Alexander Nix im oben eingebetteten Video ungeniert.

Der Artikel „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“ ist mehr als lesenswert, vor allem, weil er auf die kommerzielle Verwertung von Kosinskis Methode, Big Data mit Psychometrie zu kreuzen, eingeht und zeigt, wie aus einer psychologischen Analysemethode eine Möglichkeit zur Wahlbeeinflussung wurde.

Während der Lektüre empfiehlt es sich aber, den gesunden Menschenverstand nicht auszuschalten und der Faszination für Prädiktionstechnologien nicht kritiklos zu verfallen. Fast möchte man meinen, Cambridge Analytica wäre für den Ausgang einer Wahl verantwortlich; das ist aber zu weit gegriffen und entspricht nicht den Erfahrungen der Wahlkampfteams. Während der Cruz-Kampagne scheint Cambridge Analytica nicht geliefert zu haben, was versprochen wurde, und es stellte sich schnell heraus, dass Statistik und Analyse nicht allzu viel bringen, wenn das politikwissenschaftliche und kulturelle Hintergrundwissen für amerikanische Politik fehlt. Overpromised and underdelivered? Oder doch einfach nur Tech-Bullshit?

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