Was ist nur mit Medium los?

Bei Medium weiß man offenbar nach wie vor nicht, womit man Geld verdienen will, und ebensowenig, wie man mit Partnern umgeht.

Medium’s exit from the online ad business was news to some of its publishing partners, many of whom have come to depend on the publishing platform as a key source of revenue. More than two dozen publications are members of Medium’s revenue beta program, which allows them to sell paid subscriptions to readers and to receive a cut of Medium’s native advertising revenue.

Five members of the revenue beta program told POLITICO that they did not receive any advance notice of Medium’s change in strategy before Williams’ public announcement.

Besonders trist ist das, weil eben jene Partner, und das sind teils große Online-Magazine wie The Awl, The Bold Italic, Film School Rejects oder The Ringer, zu Medium gewechselt sind, weil es Probleme mit der Finanzierung gab oder die Websites mangels Interaktion mit ihren Leserinnen und Lesern endgültig am absteigenden Ast waren. Alles Probleme, für die Medium Lösungen versprach1.

Diese Flexibilität war offenbar bewundernswert und eindrucksvoll genug, um darüber hinwegzusehen, dass ebene jene Qualität in Wirklichkeit ein Risiko darstellte. Das Fehlen eines Geschäftsmodells, das zumindest gewisse Schranken setzen würde, konnte aber mithilfe von reichlich zur Verfügung stehendem Investmentgeld überspielt werden. Unter solchen Betriebsbedingungen seitens des technischen Anbieters ist aber die für den Geschäftsbetrieb eines Onlineangebots notwendige Stabilität nur ein Schein.

New businesses are unstable… that’s just the way it is. In Silicon Valley (and in other startup-rich areas), these unstable businesses have lots of someone else’s money to throw around — which makes them appear more stable in the short term — but they cannot escape the reality of the extreme risk involved in building a new business, particularly a business that needs to grow quickly (as almost all VC-backed startups are required to do). All of which can make it difficult to enter into a business arrangement with a startup… just ask publishers working with Facebook or businesses dependent on Twitter’s API or Vine or Tumblr, not to mention the thousands of startups that have ceased to exist over the years.

Die Entscheidung für Medium erwies sich für The Ringer, Film School Rejects und womöglich auch bald für alle anderen, die dort ihre Onlinepräsenz aufgebaut haben, als keineswegs nachhaltig oder kostensparend. Sie alle kalkulieren wahrscheinlich gerade, ob sie einen weiteren Plattformwechsel finanziell verkraften können. Sie alle hoffen, dass es doch nicht so schlimm kommt, wie es die Kündigung eines Drittels der Belegschaft (!) bei Medium vermuten lässt.

Und sie alle bedauern den Fehler gemacht zu haben, vor dem Matt Mullenweg in einem Interview am WordCamp Europe implizit gewarnt hat, nämlich, sich auf einen Drittanbieter eingelassen zu haben, der Kunden akquiriert hat, in dem er für strategische Probleme technische Lösungen, also quasi den Himmel auf Erden versprochen hat.

Das sollte man übrigens nie tun. In jeder Situation und in jeder Hinsicht.


  1. Auf Poynter gibt es dazu einen ausführlichen Beitrag, der vor nicht einmal 4 Monaten veröffentlicht wurde. 
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