App statt Web

Walled Gardens in Form von Apps wie Facebook, WhatsApp oder Instagram, die noch dazu alle von einer einzigen Firma entwickelt und betrieben werden (nämlich Facebook), sind das, was wir heute als das Internet wahrnehmen. Das hat es vor 30 Jahren schon einmal gegeben. Damals hießen die großen Player BTX, CompuServe und AOL.

Das vor etwas mehr als zehn Jahren entstandene Web 2.0 ist im Kommunikationsalltag der meisten Menschen kaum noch relevant: Private Blogs spielen heute fast keine Rolle mehr, Nutzer veröffentlichen ihre Inhalte überwiegend auf geschlossenen Silos wie Facebook, Snapchat, Musical.ly oder Instagram […] Das dezentrale und offene Internet hat sich zentralisiert. […] Das Internet zu Beginn des Jahres 2017 weckt damit Erinnerungen an die Anfänge der Online-Revolution: Wie einst auf den geschlossenen Plattformen BTX und Compuserve bleiben die Nutzer bei Snapchat unter sich. Rund 35 Jahre nach Einführung von BTX prägen wieder sogenannte Walled Gardens den Alltag der meisten Internetnutzer. Die Apps nutzen die technischen Grundlagen des offenen und freien Internets, entsprechen aber nicht mehr seinem Geist.

Den „Gegentrend“, den Stephan Dörner im t3n-Magazin zu sehen vermeint, kann ich nicht erkennen. Eher noch eine umso stärkere Zentralisierung, denn die Einschränkung durch Apps und das Walled Garden-Phänomen gibt es seit spätestens 2010. Ja, es werden immer weniger Apps heruntergeladen, installiert und benutzt, aber das bedeutet nicht, dass die Hersteller der wenigen Apps, die übrig bleiben – und das sind die eingangs genannten – nicht umso mehr daran setzen werden, ihre ausbeuterischen Angebote als das freie und offene Internet zu propagieren. Und das ist der essentielle Unterschied zu früher.

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