Profi mit billigem vs. Amateur mit High-End-Equipment

Obwohl die Demo nicht ganz gelungen ist, weil die Unterschiede der Resultate im Video nicht gut genug erkennbar sind und der Amateur offensichtlich gehörig Talent ins Spiel gebracht hat, so bestätigen die Ergebnisse trotzdem, was allen, die sich auch nur ein wenig mit dem Thema Fotografie beschäftigen, klar sein sollte: Das Equipment zählt, aber weit weniger als angenommen.

Was hingegen deutlich mehr zählt, ist die Intuition des Fotografen und seine Fähigkeit, mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Ob dies unter kontrollierten Bedingungen (wie zB in einem Fotostudio) geschieht oder auf der Straße, ist dabei nebensächlich. Besseres Equipment nimmt einem Fotografen die tatsächliche Arbeit nicht ab, bestenfalls erleichtert es sie ihm. Ein Vergleich mit der Jagd bietet sich an: Der Fotograf muss sich in seine Umwelt einbetten können und geduldig warten, bis sich die Möglichkeit auftut, endlich schießen zu können, was in seinem Auge die Auswahlkriterien erfüllt. In der Auftragsfotografie sind diese Kriterien die dem Auftrag zugrundeliegende Intention des Auftraggebers. In allen anderen Fällen die Repräsentation der eigenen Vorstellung eines Zustands. Und wenn diese Kriterien eintreten, wenn die Interaktion zwischen Fotograf und Umwelt zu genau dem Moment geführt hat, der für das Foto entscheidend geworden ist, erst dann benutzt er sein Equipment. Es dient nur dem Bruchteil einer Sekunde, dessen es Bedarf, um diesen Moment einzufangen. Nur jetzt, vom Betätigen des Auslösers bis zur Speicherung der Daten auf der Speicherkarte, ist das Equipment von Bedeutung. Keine Sekunde davor und keine Sekunde danach.

Der Fotograf, also der Mensch, steht im Mittelpunkt. Seine Sichtweise, seine Vorstellung, ja, sein Verständnis der Welt ist der Filter, durch den wir auf dem Ergebnis seiner Arbeit sehen, was er als entscheidenden Moment angesehen hat. Und in dem wir diese Szene aus einer Position betrachten, in der er sich befunden hat. Es liegt auf der Hand, und das macht die Fotografie ja so interessant, dass mindestens der halbe Informationsgehalt eines Fotos Informationen über den Fotografen preisgibt. So dermaßen wichtig ist der Mensch hinter der Kamera. Doch dieser Relevanz sind sich offenbar vor allem Anfängerinnen und Anfänger nicht bewusst, weshalb sie das Können in technischen Leistungsdaten, als in einem externen Faktor, festmachen wollen. Dass genau das Gegenteil der Fall ist, und es diesen externen Faktor eigentlich nicht gibt, wollen die beiden Fotografen Rachel Gulotta und Daniel Inskeep mit ihrem Video beweisen.

A lot of beginners assume that ‘good’ gear creates ‘good’ photos. Beyond technically sound photos, we want to be inspired and create meaningful, inspiring, and emotional photos that have purpose. […] Gear is secondary to that because anyone can shoot on a high-end camera, but not anyone can create meaningful work. Our intent is to inspire viewers to use the tools they have to make the most meaningful work they can.

Leider nicht ganz gelungen, aber wer ein wenig Verständnis für den Wortsinn von „meaningful work“ aufbauen konnte, sollte in einen Erkenntnisprozess gelangt sein. Und das reicht schon. (via Petapixel)

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