Facebook in der Zwickmühle

Durch die genauere Betrachtung der Werbung auf Social-Media-Plattformen seitens der Bundeswahlkommission der USA wird klar, dass sich Facebook in eine unangenehme Zwickmühle manövriert hat, die sein nach außen kommuniziertes Werbemodell direkt angreift:

100.000 Dollar hat das nun entdeckte Netzwerk aus 470 Fake-Accounts investiert und über zwei Jahre die Plattform massiv mit Fehlinformationen bestückt – nach Berechnungen von US-Medien könnten die Botschaften bis zu bis zu 70 Millionen Amerikaner erreicht haben. Dabei wurden nicht nur Fake-News gepostet, die unbekannten Urheber sorgten offenbar auch dafür, dass sich Pro-Trump-Gruppen organisieren konnten. […] Wenn sich nicht nachweisen lässt, dass diese lang angelegte und offenbar kompetent ausgeführte Kampagne keinen Effekt auf den äußerst knappen Wahlausgang hatte – warum sollten Markenartikler [sic!] auf die Wirksamkeit der Facebook-Werbung setzen?

Blöde Situation, die wohl nur durch enorm hohe Ausgaben für Lobbyarbeit entschärft werden kann; man wird sehen, wie lange es dauern wird, bis es dem Konzen gelungen ist, der Beantwortung dieser Frage aus dem Weg gehen zu können.


Aber der Heise-Artikel von Torsten Kleinz spricht noch ein anderes, allgemeineres Thema an, das mir mindestens genauso gut gefällt, wie die offenbare Ahnungslosigkeit, die schon beim Thema „Werbung“ zutage kommt. Kleinz stellt den technischen Führungsanspruch, den Facebook sehr geschickt pflegt, infrage, in dem er ihn nicht mehr isoliert als rein technische Exzellenz versteht, sondern diese technische Leistung im Kontext der neuen Medienwelt betrachtet. Und da sieht es bei Facebook genauso düster aus wie beim Installateur ums Eck:

Der Konzern […] erweckt gerne den Eindruck, dass er samt seinem Gründer Mark Zuckerberg die digitale Entwicklung anführt. Von Demokratiebewegungen über die Erschließung des Internets für Entwicklungsländer bis hin zur Künstlichen Intelligenz – der kalifornische Konzern sieht sich ganz auf der Seite des Fortschritts. Doch selbst mit den persönlichen Daten von zwei Milliarden Nutzern stolpert der Konzern so sehr durch die neue Medienwelt wie alle anderen auch. [Einzig und allein der] Netzwerk-Effekt und seine schiere Größe schützen Facebook dabei vor den Folgen unternehmerischer Fehlentscheidungen. Was anderen Firmen die Existenz kosten würden, kann Facebook einfach aussitzen – wohin sollten zwei Milliarden Nutzer schon so schnell verschwinden? Erst recht scheint es derzeit undenkbar, dass die Werbeindustrie den Social-Media-Giganten einfach links liegen lässt und seine Banner lieber nur klassisch auf Websites ausspielt.

So weit, so gut.