Wahlwerbende Parteien zum Thema Abtreibung

Die Zeitschrift „Wienerin“ hat am 14.9.2017 einen Artikel von Jelena Gučanin veröffentlicht, in dem es um die (von ÖVP und FPÖ geforderte) Einführung einer Statistik über Abtreibungen und deren Motive ging. Dieser Artikel ist auf der Website der Zeitschrift zwar nicht mehr verfügbar, wie Johanna Jaufer aufgefallen ist, es gibt aber eine Kopie davon in der Wayback-Machine: Das sagen die Parteien zum Thema Abtreibung.

Und wie so häufig, wird auch bei Lektüre dieses Artikels klar, wie wichtig das Erschaffen eines gedanklichen Ausgangspunktes, also das Framing eines Themengebiets, ist. Ist der Ausgangspunkt einmal etabliert, so ist es im Nachhinein sehr schwierig, wenn nicht nahezu unmöglich, ihn infrage zu stellen, da sich jeder Einspruch gegen die darin abgebildete Definition eines Themas auf das grundsätzliche Einverständnis eben jener Definition selbst bezieht. Wenn also der Wunsch nach einer Abtreibung von diversen Akteuren nicht als „Wunsch nach Abtreibung“, sondern, wie im konkreten Fall, als „Schwangerschaftskonflikt“ im Kontext einer „familienfreundlichen Gesellschaft“ bezeichnet wird und einige Akteure die Einführung einer Statistik über die Gründe für eine Abtreibung fordern, dann…

zeigt die Forderung nach einer solchen Statistik bloß, dass sie keinem anderen Zweck dient, als Frauen und ihre Körper zu kontrollieren. Wenn also Parteien und deren Obmänner sich für ein solches Verzeichnis aussprechen, sagen sie damit in Wirklichkeit: „Liebe Frauen, eure Körper gehören euch nicht. Deshalb brauchen wir Informationen darüber, was ihr damit macht – um euch später vorzuschreiben, was ihr damit nicht mehr machen dürft.“ […] Konkret würde diese Statistik für Frauen, die abtreiben, bedeuten: sie müssen ihre Motive nennen, und sie müssen sich für ihre Entscheidung offiziell rechtfertigen. Und das sollten sie nicht müssen. Schon gar nicht im Jahr 2017.

Sicher, man könnte die Forderung nach solchen Statistiken nun beim Wort nehmen (wie dieses Wort aussieht, findet sich im oben verlinkten Artikel) und auf die medizinischen, psychologischen oder, ganz allgemein, wissenschaftlichen Erkenntnisse verweisen, die argumentativ als Begründung für dieses Verzeichnis diese Statistik angeführt werden, doch gerät man damit nicht nur direkt in die Falle, sie als solches grundsätzlich als Diskussionsgrundlage anzuerkennen, sondern akzeptiert damit auch noch etwas, das sich in den meisten Fällen als Deckmantel für gänzlich andere Interessen entpuppt, wie das Beispiel USA zeigt.

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