Wir sind Nationalfeiertag, Edition 2017

Wir haben Facebook und Twitter, Snapchat und Instagram, sowie Sonderregelungen fürs Vermummungsverbot. Wir haben eine Partei, die keine Partei mehr sein will, dafür eine Person, die eine Bewegung ist; und eine Bewegung, die unter ihrer Partei, sowie eine Partei, die unter der Vergangenheit ihrer Person leidet. Wir haben eine neue Ö1-Signatur, aber niemand will die GIS bezahlen. Dafür bezahlen wir Netflix und Amazon Prime, regen uns dann aber dort über die mangelnde Qualität des Programms auf. Wir wissen nicht, was wir wollen. Es ist zum Haareraufen. Wir sind gegen Ausländer, wenn sie X tun, wir heißen sie willkommen, wenn sie Y tun; unser altes Gewand abholen, zum Beispiel. Oder um 11 in der Nacht im ersten Bezirk einkaufen. Aber jetzt ist Obergrenzenschluss. Wir schließen Routen, aber öffnen Wege; sprechen über Privatisierungen und bezahlen dafür ein paar Milliarden. Wir haben ein Bundesheer und einen Marschtoten, wir haben auch schon länger nichts mehr über diesen Fall gehört. Die Uniform ist noch grün, eine Farbe, die wir woanders nicht mehr haben, außer auf den Kennzeichen teurer Teslas in Wien-Neubau. Wir haben Tinder, aber keine Beziehungen, und wir sind trotz Ok Cupid, Paarship und Elitepartner allein. Wir haben Fitnessapps und Algorithmen, werden aber immer blader, kranker und blöder. Das liegt sicher daran, dass der Trivago-Typ gegen eine Frau ausgetauscht wurde. Wir vermissen UK in EU, aber haben doch das Gefühl, dass die nun endlich raus oder aber drinnenbleiben sollen, denn das alles dauert uns schon zu lange. Es muss wieder was weitergehen, es muss Schwung in die Sache! Irgendwas muss nun endlich passieren! Chemtrails und Umvolkung oder war es doch Bildung und Ratio? Ist eh egal, QED. Es ist zum Haareraufen. Wir bauen Häuser am Land, bemängeln aber den Verkehrsstau auf der Zweierlinie, spazieren auf der Mariahilfer Straße und schimpfen auf die Fußgängerzone. Twittern verächtlich, aber hashtaggen bedächtig. Wir haben keine Hintertüren mehr, sondern inszenierte Treffen, kein so-tun-als-ob, sondern ein offensives von-oben-herab, keine Titel, dafür Entourage. Und wir jubeln, wenn um uns herum alles einbricht. Wir nehmen nichts mehr ernst, weil alles Farce ist und machen alles zur Farce, was ernst ist. Wir wollen A, handeln aber in Richtung B, weil wir in Wirklichkeit B wollen, während wir nach A grölen. Das muss man erst einmal verstehen. Das sind wir. Es ist zum Haareraufen. Wir können stolz auf uns sein. Wir sind Nationalfeiertag!

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