How to Watch the News: #metoo

Slavoj Zizek on #MeToo movement. How to Watch the News, episode 02

In der zweiten Folge von How to Watch the News stellt Slavoj Žižek die #metoo-Bewegung als kontraproduktive Pervertierung einer eigentlich sinnvollen Idee in Frage. Žižek weist darauf hin, dass #metoo von einer breiten Bewegung (mit mehr als zehnjähriger Geschichte) zur Modeerscheinung einer privilegierten Schicht geworden ist, in der das Klassenelement den Diskurs verlassen hat und somit auch das Interesse, die „tatsächlichen“ sozialen Probleme zu lösen und ihre ökonomischen Ursachen zu bekämpfen. Geblieben ist ein Hashtag, in dem es um Political Correctness geht. Sie dient in privilegierten Schichten – Žižek nennt Akademikerinnen, Journalistinnen und „intellectual class circles“ – einzig dem Aufrechterhalt von Macht durch den strategischen Einsatz der Opferrolle als ihrer Ressource.

I […] suspect that politically correct people […] don’t really want to resolve the problem, because if the problem disappears – they would have to change radically. I see these politically correct protesters, how their whole identity is based on proclaiming yourself victim and blaming others […]. If you take this away from them – they are a nobody in a sense.

Slavoj Žižek in How to Watch the News: #metoo

Žižek wirft seinen Zusehern wie immer (siehe zB die erste Folge von How to Watch the News zum Thema Gelbwesten in Frankreich) provokante Thesen und Vergleiche, sowie alternative Erklärungsmodelle für aktuelle Ereignisse entgegen. (Diesmal dauert es solang länger als fünf Minuten, bis Lenin die argumentative Bühne betritt.) Wie auch immer man zu den Ausführungen Slavoj Žižeks stehen stehen mag, sofern auch nur ein einziges Statement zum Nachdenken anregt – und wenn es auch völlige Ablehnung ist -, ist die Kernidee von „How to Watch the News“, so denke ich, schon erfüllt. Denken hilft für gewöhnlich und das Wissen um unterschiedliche Interpretationen medial transportierter Ereignisse umso mehr. (In diesem Sinne, hier ein Verweis auf die deutlich radikalere Interpretation der #metoo-Bewegung von Jordan Peterson, der es ja auch in dieses Video geschafft hat und den man meiner Meinung nach, allerdings aus ganz anderen Gründen, kennen sollte; wer ihn nicht kennt, sollte sich ansehen, womit er sein Geld verdient.)