Zur Nutzung des Begriffs „Wonderland“ in sozialen Medien

Die fatale Nutzung des Wortes „Wonderland“ greift über. Es ist ein Virus, der von Userin zu Userin und von Nutzer zu Nutzer übergeht und alles vernichtet, was sich ihm in den Weg stellt. Wonderland ist eine rote Linie. Nutzt man das Wort, ist alles vorbei und man sollte seine Social Media-Präsenz beenden und beginnen, anderen Tätigkeiten nachzugehen.

Wir alle kennen das: Man trifft ich mit Freunden, die Gespräche kreisen um verschiedene Themen und die Stimmung ist gut. In dem Moment, in dem die erste Person beginnt, über Filme oder Serien zu sprechen, ist das gesellige Beisammensein vorbei; alle steigen auf das Thema „Filme und Serien“ ein. Alles, was ab jetzt kommt, ist Wiederholung. Und man kann noch so sehr bemüht sein, das Thema „Filme und Serien“ zu verlassen, es ist gelaufen; jeder kennt noch eine Serie, noch einen Film, noch ein Video auf YouTube, das vorgestellt und diskutiert werden muss. Der Abend ist vorbei, es ist Zeit, zu gehen. Filme und Serien ist das Ende eines Abends.

Was in Gesprächen das Thema, ist in den sozialen Medien ein Begriff: Wonderland. In seiner schlimmsten und vernichtendsten Ausformung um das Wort Winter ergänzt. Wer ihn nutzt, diesen verbalen Indikator, egal, ob in einer Foto- oder Videobeschreibung, in einem Artikel oder nur als kurzes Statusupdate, hat sein Ende in den sozialen Medien erreicht. Alles, was ab jetzt kommt, jedes Foto, jedes Video, jeder Kommentar, jeder Beitrag, ist nur noch Wiederholung. Es ist vorbei. Wonderland ist das Ende der Social Media-Präsenz.

Wonderland oder, noch viel schlimmer, Winter Wonderland ist das „Last Christmas“ der Weihnachtszeit, das Thema Filme und Serien in einem Gespräch. Kommt es auf, ist es vorbei. Es ist Zeit zu gehen, Zeit, sich zurückzuziehen, Zeit, sich von seinen Followern und Freunden zu verabschieden und die Social Media-Präsenz auf das passive Kommentieren mittels Likes und Smileys zu reduzieren. Noch viel besser: Offline gehen. Kein Twitter, kein Facebook, kein gar nichts. Stattdessen Kreuzworträtsel, Sonntagskrone, Kaffee- oder Punschtrinken, Kino, Theater, Sport… – es gibt so vieles, was man tun kann, mit einer Ausnahme: Wandern und Spazieren. Denn Wandern oder Spazieren führt, besonders im Winter, zu gefährlichen Rückfällen in die sozialen Medien.

Gerührt von einer besonderen Stimmung, von der Weihnachtsbeleuchtung, von einem weißen Innenhof, vom angezuckerten Feld, vom leuchtenden Gletscher, vom tief verschneiten Wald beginnt der Finger zu zucken, die Hand greift in die Hosentasche und holt das Smartphone hervor. Die App ist schneller gestartet als einem lieb ist, das Foto schneller gepostet als man es möchte und was steht da, geistesabwesend eingetippt, vom Drang zu posten überdeckt? Winter Wonderland.

Meinetwegen, stellt Fotos von euren verschneiten Innenhöfen online, vom Gletscher, vom angezuckerten Feld, vom tief verschneiten Wald… alles gut, aber wenn euch auch nur die Idee kommt, dieses Bild mit Winter Wonderland zu beschriften, dann lasst es bleiben. Bitte! Es ist vorbei, wirklich. Ihr habt die rote Linie überschritten. Wenn es euch reizt, Wonderland zu schreiben, dann macht etwas anderes, sucht euch ein anderes Hobby, vergeudet eure Zeit woanders. In den sozialen Medien habt ihr nichts mehr verloren. Ihr habt alles gesagt, alles geschrieben, alles fotografiert. Es ist vorbei.