COVID-19, Tag 45: Wiederherstellungsprozess

Sonntag, 26. April 2020, Tag 45 der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus. Es sind Lockerungen in Sicht, aber der Alltag ist etabliert. Familien mit Kindern haben festgestellt, dass das Konzept „Kinder haben“ ohne Unterstützung durch Kindergarten und Schule etwas völlig anderes bedeutet als mit. Ich habe selten so viele genervte Gesichter in Online-Konferenzen gesehen wie in den letzten zwei Wochen. Die Einkaufsstraßen sind gerammelt voll, in der Nacht, hingegen, wohl in Ermangelung der Möglichkeiten, fortzugehen, ist es sehr ruhig – nach wie vor. Der Mund und Nasenschutz ist allgegenwärtig, nur wird er halt häufig falsch angewendet: Wenn sich die Trägerin eines solchen Schutzes den Schutz aufs Kinn hinunterzieht, während sie mit jemandem spricht und/oder wenn der Mundschutz zum Husten (!) kurzfristig entfernt wird, dann macht das wirklich keinen Sinn. McDonald’s hat wieder offen und all diejenigen, die in der Küche nichts zusammenbringen oder schlichtweg der unendlichen Langeweile lieber in der Warteschlange davor frönen, können sich nun auch wieder wieder einreihen. Alles in allem hat dieser Zwangs-Standbymodus aber doch viel Aktivität mit sich gebracht, die oft eine Verstärkung des ohnehin Vorhandenen war. Die Fetten werden fetter, die Dummen dümmer und die Faulen fauler. Vielleicht hat es sich auch verkehrt und einigen ist klar geworden, dass ein wenig Selbstoptimierung auch nicht schadet. Aber das glaube ich nicht, ich kenne uns ja.