COVID-19, Tag 452: Drosten zu Herdenimmunität und Impfung

Montag, 7. Juni 2021, Tag 452 der Corona-Pandemie. In der republik.ch ist ein Interview mit Christian Drosten erschienen, in dem er auch auf das Thema Herdenimmunität und Impfung eingeht. Angesichts der Tatsache, dass ich bei meinem Impftermin von Kolleginnen und Kollegen erfahren habe, die sich nicht impfen lassen wollen, habe ich die zugehörige Passage mit größtem Interesse gelesen, denn in Zusammenhang mit dem Coronavirus ist das Thema Herdenimmunität keines und die Infektion nicht geimpfter Personen so gut wie sicher.

Das war von Anfang an ein Missverständnis, wenn man das so aufgefasst hat, dass Herden­immunität bedeutet: 70 Prozent werden immun – egal jetzt, ob durch Impfung oder Infektion –, und die restlichen 30 Prozent werden ab dann keinen Kontakt mehr mit dem Virus haben. Das ist bei diesem Virus einfach nicht so. Alle, die sich nicht impfen lassen, werden sich mit Sars-2 infizieren. […] Menschen sind keine abgeschlossene Gruppe. Wir haben Reise­verkehr und […] auch ohne zu reisen gibt es das Nachbar­dorf, und das hat wieder ein Nachbar­dorf, und so geht es weiter, einmal rund um die Welt. Und so werden sich Viren verbreiten, entsprechend ihrer grund­sätzlichen Verbreitungs­fähigkeit. In ein paar Jahren werden hundert Prozent der Bevölkerung entweder geimpft oder infiziert worden sein. Auch danach wird Sars-2 noch Menschen infizieren, nur werden das keine Erst­infektionen mehr sein. Die Erst­infektion ist ja das Blöde, danach ist die Krankheit, die es auslöst, weniger schlimm. Es wird wahrscheinlich so eine Art, ja, ich will mal sagen: Erkältung werden.

Herr Drosten, woher kam dieses Virus?

Was nun also tun? Wie mit Impfgegnern umgehen? Gar nicht, ich beteilige mich gar nicht an eventuellen Diskussionen und Streitgesprächen. Suum cuique ist hier mein Motto, ich kann die Argumente beim besten Willen nicht nachvollziehen. Aber dennoch hoffe ich, dass diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, die Krankheit zu einem Zeitpunkt bekommen, der ihnen nicht zu viel von ihrem Leben nimmt, wundere mich natürlich über ihre Risikoeinschätzung, wünsche ihnen aber, dass sie die am wenigsten beeinträchtigende und am wenigsten nachhaltige Variante der vielen, verschiedenen Krankheitsverläufe erwischen und dass sie, sofern sie in einem impfskeptischen Familienverband leben, die Krankheit nicht an Personen weitergeben, die de facto keine Chance haben, sie ohne Impfung zu überleben. Die Medizin, eine Wissenschaft, ist natürlich auch für euch da und wird alles tun, um auch euch am Leben zu erhalten, auch wenn ihr ihr in einer Phase der Prävention nicht glauben wollt.