Donald Trumps Blog endet nach nur 29 Tagen

Nachdem Donald Trump der Zugang zur Veröffentlichung seiner Botschaften sowohl auf Facebook als auch auf Twitter untersagt wurde, hat er es mit einem eigenen Blog auf seiner Website probiert. Es wurde aber aber, mangels Interesse, nach nur 29 Tagen abgeschaltet. Das Problem?

Trump’s popularity was artificially boosted by Facebook and Twitter’s algorithms, which reward hatred, misinformation, and other divisive content. Outside of this artificial reality created by social networks, Trump’s diatribes have little organic appeal.

It underscores that the fundamental problems with Facebook and Twitter are baked into their algorithms and cannot be solved by banning Trump or any individual account. 

RIP Trump’s blog (May 4, 2021- June 2, 2021), Judd Legum

Okay, aber mir fehlt in dieser Argumentation noch ein wesentlicher Punkt. Es sind nicht „die Algorithmen“ allein, die dafür sorgen, dass Nachrichten wie die von Trump in den sozialen Medien Reichweite erhalten, sondern auch die Personen, die das Zielpulikum für diese Algorithmen sind.

Das sind Personen, die ihre Informationen nahezu ausschließlich aus den sozialen Medien beziehen, deren Alltag durchsetzt ist mit Doomscrolling auf Facebook und Twitter, die Links aus Facebook, Twitter und YouTube weiterleiten und fleißig Likes vergeben und diverse Posts mit ein oder zwei Klicks teilen. Die Inhalte sind dabei egal, das Bild, dass das Teilen der Inhalte vermittelt, zählt.

Personen dieser Gruppe – und das sind sehr, sehr viele Menschen – sind für Blogposts oder anderen, nicht direkt in der plattformspezifischen App verwertbaren Content, wie zum Beispiel den aus etablierten und respektablen Medien, nicht zu haben. Nicht nur ist dieser Content nicht instantly shareable aufbereitet, er erfordert oft auch mehr Interaktion als nur einen Klick, um geteilt oder kommentiert, vor allem aber, um in sein eigenes Persönlichkeitsbild integriert zu werden. Es ist die Faulheit in der Mediennutzung (ja, es geht hier tatsächlich um 1 vs 2 oder 3 Klicks!), die diese Personen so handeln lässt als ob sie Interesse an den in den sozialen Medien präsentierten Inhalten hätten und eben kein genuines Interesse an diesen Inhalten an sich.

Wenn nun aber Journalisten, Parteien oder eben ehemalige Präsidenten dann aber ihre Inhalte für soziale Medien tauglich aufbereiten, müssen sie einen Kompromiss eingehen, der die Qualität des Beitrags an einem für die Informationsvermittlung irrelevanten Kriterium orientiert: Instantly Shareable zu sein. Das führt zu einer Abwärtsspirale, die damit endet, dass das Medium selbst – ebenso wie die Botschaft, die es zu vermitteln versucht – in die Irrelevanz abgleiten. Es wird egal werden, wer oder welche Institution eine Botschaft verfasst hat. Es wird egal werden, was darin steht.

Warum man sich auf soetwas einlässt, ist mir ein Rätsel. Reichweite, die mich meine Persönlichkeit und den Charakter, vielleicht sogar den USP meines Produkts kostet?

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