COVID-19, Tag 486: Wir tun, was wir tun können

Sonntag, 11. Juli 2021, Tag 486 der Corona-Pandemie.

Gestern folgender Dialog auf meine aus Höflichkeit gestellte Einstiegsfrage, wie es denn euch (die Gäste, von denen ich spreche, sind im Familienverbund erschienen) gehe.

Ja, uns… uns persönlich geht‘s gut. Die Situation ist allerdings ungut. Corona… das ist alles mühsam. Wir tun, was wir können, aber das ist offenbar nicht genug!

Ich atme erleichtert auf und will schon mit der Frage ansetzen, ob sie schon die zweite Impfung erhalten hätten als plötzlich…

Wir gehen auf jede Demo, sind überall dabei, informieren im Internet… Das bringt aber alles nichts. Die tun mit uns, was sie wollen!

Ich blicke erstaunt. Es folgt ein entlarvendes Statement:

Nicht nur Klimafaschismus, sondern jetzt auch Impfdiktatur. Ich lasse mich nicht impfen. Aber die Impfpflicht wird schon noch kommen! Du wirst sehen. Die werden uns alle dazu zwingen. Ich werde alles tun, damit ich mich nicht impfen muss! Ich lass mir meine Freiheit nicht nehmen.

Ich blicke erstaunter und beginne, Verdacht zu schöpfen. Wenn Menschen die Stimmlage wechseln, auf bestimmte Art und Weise zu gestikulieren beginnen und plötzlich Phrasen von sich geben, in denen offensichtlich vorgefertigte und dem generischen Sprachschatz fremde Worte wie „Klimafaschismus“ und „Impfdiktatur“ vorkommen, dann deutet das in den meisten Fällen, so meine Erfahrung, darauf hin, dass sie, die Betroffenen, in diesem Thema (bewusst oder unbewusst) einer Ideologisierung unterzogen wurden.

Es geht wieder bergauf in Österreich. Halt nicht so, wie wir es uns alle wünschen.

Ein „Problem mit den Maßnahmen zum Klimaschutz“ haben ist nun einmal nicht dasselbe wie „Klimafaschismus“. Die „Impfung kritisch sehen“ und sie „aus Überzeugung ablehnen“ ist etwas anderes als „Impfdiktatur“.

Wäre es nicht mein freier Samstag, ich würde so gerne mit ihnen diskutieren. Ich hätte versucht, herauszufinden, wo sie mit diesem Vokabular in Berührung gekommen sind. Wie es auf den Demos zugeht. Was eine halbwegs normale Familie dazu bringt, bei den Protesten mitzumarschieren und solche Reden zu schwingen?

Aber nein, das habe ich alles nicht getan. Vor allem, weil sich die Antwort auf meine Allerweltsfrage – Wie geht’s euch? – mittlerweile zu einer politischen Rede, einem Monolog inklusive Stimmlagenwechsel und Persönlichkeitsaustausch, entwickelt hat. Am frühen Nachmittag habe ich dann „Klimafaschismus“ gegoogelt. Und „Impfdiktatur“. Mir ist jetzt einiges klarer.