Texte, die (online) gelesen werden

Öfter höre ich, vor allem von Menschen, die sich mit Onlinemarketing beschäftigen, dass Menschen Texte, vor allem lange Texte, nicht lesen. Man solle die Texte in Passagen gliedern, so viele Überschriften und Elemente, die den Text aufpolieren, wie nur möglich, nutzen, denn Skimmen, das tun sie, die Leserinnen und Leser, aber lesen… nicht. Passend dazu lese ich auf Twitter:

When I worked at NYT, I had access to a plug-in that told me what percentage of readers dropped out of an article, and at what point they stopped reading, and my advice to most of you is that your articles are too long.

@lostblackboy

Das kann man nun für wahr nehmen, aber wenn ich mir meine eigenen Statistiken ansehe, dann stehen die eigentlich in direktem Widerspruch dazu. Am allerbesten gehen die langen Beiträge, die mit mehreren tausend Zeichen; Beiträge in denen ich in die Tiefe gehe, ein Thema halbwegs ausführlich behandle. Kurze Beiträge werden zwar betrachtet (und wahrscheinlich auch gelesen, so kurz wie sie sind), aber sie stehen in keiner Relation zu den langen. Und so dürfte es nicht nur mir, hier, auf meinem Blog gehen, sondern auch den ganz Großen. Alice Bota schreibt zum Beispiel als Antwort auf den oben zitierten Tweet:

Zu den mit am häufigsten von vorn bis hinten gelesenen Texten bei @DIEZEIT gehören die Dossiers. Etwa 30 000 Zeichen. Texte, die nicht gelesen werden, sind nicht zu lang, sondern zu langweilig, zu überfordernd, zu lieblos.

@AliceBota

Und das ist es wohl: zu langweilig, zu überfordernd, zu lieblos. Ich dehne diese Definition auf alles aus, Bücher, Filme, Serien, Essen… und stimme ihr vollinhaltlich zu. Das ist zwar kein befriedigendes Ende eines Beitrags, aber es ist ein Abschluss unter ein Statement, das ich unterstützen kann und dessen Materialisierung ich in nächster Zeit umso mehr an mir beobachten werde. Sind es die langen Beiträge, an denen ich woanders hängen bleibe? Oder sind es kürzere, die mich halten? Ich möchte jetzt schon festhalten, dass ich von ersterem Szenario ausgehe. Mal sehen.

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