COVID-19, Tag 615: Jemanden kennen, der…

Mittwoch, 17. November, Tag 615 der Corona-Pandemie. Wenn ich mir meine Feeds in den sozialen Medien ansehe, dann rückt der kurzsche Sager – „am Ende [wird] jeder jemanden kennen, der an Corona gestorben ist“ – in eine unangenehm greifbare Nähe. Die Alten und die Kranken sterben andauernd. Mittlerweile lese ich täglich Todesnachrichten von (Bekannten oder Verwandten und Familienmitgliedern von) jemandem, dem ich hier oder da folge. Es wird drückend. Unschön, das alles. Vor allem, da es alle (aktuell zur Verfügung stehenden) Möglichkeiten gibt, es bestmöglich zu verhindern.

Aber wir verhindern nicht. Die Menschen vom Fach fordern einen totalen Lockdown, aber Landeshauptleute sehen das anders. Die schwurbeln – mittlerweile, übrigens, ein viel benutzter Begriff! – irgendwas daher von „Geimpfte einsperren“ und dass das vermieden werden muss, doch frage ich mich, welchen Preis wir alle dafür bezahlen? Niemand (!) in meinem Umkreis geht davon aus, dass es so weiter gehen wird. Alle sind bereit, jetzt durchzubeissen, damit nachher ein wenig Ruhe einkehrt. Alle fragen sich, warum man das nicht jetzt erledigt und wohl wartet, bis die Situation noch mehr eskaliert. (Was heißt „eskaliert“? Wie viele Stufen der Eskalation gibt es? Wo sind wir denn eigentlich gerade?!)

Und was mir überhaupt nicht einleuchtet: Die Nachbarländer haben Österreich in puncto Coronabekämpfung ohnehin schon auf die Gartenzwergliste gesetzt, die Maßnahmen des Tourismus nimmt nach Ischgl (und den zahlreichen Erfahrungen, die wir alle selbst gemacht haben) keiner mehr ernst. Allen ist klar, dass das Papierversprechen ohne Substanz sind und dass bei einem Besuch der Region eine reale Gefahr für die eigene Gesundheit besteht, die, wenn nicht durch Infektion mit dem Virus selbst ausgelöst, durch die volle Spitalsbelegung gegeben ist: Ein Skiunfall kann ein Todesurteil sein, wenn nirgendwo Betten frei sind. Was also ist das Problem? Immerhin sind doch gerade die vom Tourismus so abhängigen Regionen am stärksten von dem Irrsinn betroffen, der sich abspielt?! Wir sind kurz vor der eigentlichen Saison, warum also nicht jetzt noch schnell dichtmachen und die Situation ein wenig beruhigen?

Naja, diverse Granden werden schon ihre Gründe haben. Aber die sind für viele von uns nicht mehr nachvollziehbar. Niemand versteht, warum man das Sterben zulässt. Niemand. Außer diejenigen, die nicht verstehen, dass gestorben wird. Aber die haben in der Großzahl wohl gerade ohnehin genug Zeit, daheim darüber nachzudenken. O tempora!

Schreibe einen Kommentar