I miss the old Internet

Durch Zufall bin ich auf einen Artikel mit dem Titel „I miss the old Internet“ (ja, das ist ein http-Link und der Autor steht dazu!) gestoßen. Und was ich schon so oft in Gesprächen gehört und auf Seiten gelesen habe, steht auch da.

  • Es wird immer schwieriger, persönliche Websites, die zum Spaß oder als Hobby erstellt wurden, zu finden.
  • Es ist schade, dass solche Seiten zu einer Randerscheinung geworden sind, denn sie waren einst das, was man das Internet genannt hat.

Soll ich nun jammern und den Zeiten nachtrauern, in denen „Blogs“ noch Web-Logs waren und keine (falsche) Bezeichnung für einen dem Contentmarketing dienenden Beitrag in einem umgekehrt chronologisch sortierten Abschnitt einer Website? Das habe ich zur Genüge schon getan. (Die Schlagworte „Blog“ oder „Bloggen“ sind ein guter Startpunkt.)

Nein, ich jammere nicht, ich lasse das Tie (eine Abkürzung für „the itinerant engineer„) machen:

Although many websites like Vane’s exist on the clearnet, it’s getting increasingly hard to find them through the commercial smog thrown up by Google. You have to look really hard for them now, and the best way to find them is through links from similar small websites–that you won’t be able to find easily by a Google search, either. […] it’s difficult to find the websites of people who create them just for the joy of it, people we used to call computer hobbyists.

Und weiter zum Punkt zwei:

I miss the internet of the early 1990’s, back before the World Wide Web had been visited by more than just a few computer geeks, back when websites like Vane’s were the internet. […] the voice of individuals has mostly been drowned out, except on commercialized websites like Facebook and Reddit, where the contents of their communications can be easily monitored and controlled. […] I miss the days when corporations hadn’t yet discovered the internet, before they had the idea that there was money to be made by dominating it the way they dominate everything else in our lives. I miss the old internet.

Und so sehr das Gejammere um das alte Internet im Getöse kommerzialisierten Contents untergeht, so wahr ist doch das Argument über das Austrocknen der Stimmen Einzelner. Kann sich noch jemand an den Bagdhad Blogger erinnern? Eine einzelne Stimme, die ein Fenster in ein Land geöffnet hat, das unzugänglich war? Ich glaube nicht, dass soetwas heute noch möglich wäre. Es wären Tweets, Facebook-Posts und andere, in ihrer Gesamtheit angewendeten Inhalte, die der interpretatorischen Hoheit derjenigen, die sie zusammenstellen, unterliegen, und als Stimmungsbild in einer Situation herhalten müssten. Das ist dann eben nicht mehr die Stimme Einzelner, sondern eine Interpretation der dem veröffentlichenden Medium passenden Kommentare.

Ja. Unter diesem Aspekt schließe ich mich vielleicht doch dem Jammern an: I miss the old Internet.