Ich habe von dem Fall gelesen, aber erst ein Update zu den Entwicklungen drüben bei Stefan hat mich erinnert, auch darüber zu schreiben. Machen wir es also kurz, weil eh alle die Geschichte schon kennen: Ein Apple-User kauft einen Apple-Wertgutschein (also eine Prepaid-Karte) über 500 USD. Er will damit sein Guthaben aufladen, der Code wird jedoch nicht angenommen. Kurze Zeit später wird sein gesamter Apple-Account „in accordance with the Apple Media Services Terms and Conditions“ gesperrt. Der User kann seine Geräte nicht mehr nutzen und seine bei Apple gespeicherten Daten nicht mehr abrufen. – Ein Desaster, das nach großem Tamtam mittlerweile aber gelöst wurde. Ein Horror, wäre es das nicht. Soweit die Geschichte.
Es gibt zwei Punkte in dieser Geschichte, auf die es sich lohnt, genauer hinzusehen: Zum einen weiß bis heute niemand, warum der Wertgutschein einen Lockdown des Accounts ausgelöst hat und Apple will uns keine Details nennen. Der User sichert zu, den Gutschein bei einem autorisierten Händler gekauft zu haben.
Zum anderen und viel schlimmer noch: Apple hat offenbar keinen standardisierten Lösungsweg für dieses Problem. Der User hat Kontakt mit dem Support aufgenommen, dort konnte man ihm aber nicht weiterhelfen. Erst sein Blogbeitrag und Hilfe gewichtiger Stimmen aus dem erweiterten Apple-Fanboy-Ökosystem haben dazu geführt, dass er an das „Apple Executive Relations“-Team weitergeleitet wurde, das das Problem letztendlich beheben konnte. Man spürt förmlich die Erleichterung in seinem Blogbeitrag – und liest darin die nächste „Warnung“ in Bezug auf Prepaid-Karten und Wertgutscheine.
Apple Executive Relations […] has let me know it’s all fixed. It looks like the gift card I tried to redeem […] was already redeemed in some way (sounds like classic gift card tampering), and my account was caught by that. Obviously it’s unacceptable that this can happen […]. Strangely, [they] did tell me to only ever buy gift cards from Apple themselves; I asked if that means Apple’s supply chain of […] gift card vendors is insecure, and [they were] unwilling to comment.
Paris Buttfield-Addison
Was lernen wir daraus?
- Wer Apple-Wertgutscheine kauft, setzt das „digitale Leben“ des Empfängers der Gutscheine aufs Spiel.
- Apple sieht es nicht als seine Angelegenheit, ein Problem wie das oben beschriebene in den Griff zu bekommen und rät offenbar sogar von der Nutzung von Prepaid-Karten ab.
Und etwas allgemeiner: Sich zu sehr auf einige wenige, externe Services zu verlassen, kann ein gewaltiges Problem werden. Es funktioniert alles wunderbar, bis nichts mehr funktioniert. Ähnliche Beispiele wie dieses hier gibt es von Apple selbst, aber auch von Dropbox, Google, Microsoft und vielen anderen Services.
Bedeutet das aber, dass wir nun alles selbst hosten und uns um alles selbst kümmern sollen? Mitnichten! Aber wir sollten unsere Daten so gut als möglich redundant speichern und mehrere, bestenfalls voneinander unabhängige Dienste nutzen1. So können wir die Vorteile moderner Cloudservices nutzen, müssen nicht immer an vollständige Backups denken, sind aber nicht total aufgeschmissen, wenn einer der Anbieter aus welchem Grund auch immer unseren Account sperrt.
- Ich muss ein wenig schmunzeln, denn der Blogbeitrag des Users, der sich so sehr von Apple abhängig gemacht hat, wird nicht etwa auf einer selbst betriebenen Website gehostet, sondern bei Hey, einem E-Maildienst, der auch Blog-Funktionalität bereitstellt. Verlässt der User den Maildienst allerdings, wird auch sein Blog verschwunden sein. ↩︎