Wir sind Nationalfeiertag 2025

Wir sind Nationalfeiertag, auch 2025 wieder. Tun wir etwas? Nein.

Es ist Sonntag, in Wien hat es 9°C, ein paar Wolken bedecken den sonst blauen Himmel. Vor ein paar Stunden war es noch später als es jetzt ist, die Winterzeit hat uns also auch wieder. Sonnenuntergang um 16:45 Uhr, das muss man sich auch einmal vorstellen. Es ist still, die Stadt schläft anscheinend noch, während ich diesen Artikel verfasse. Heute wird in Österreich nicht nur der Nationalfeiertag gefeiert, sondern auch das siebzigjährige Jubiläum der österreichischen Neutralität. Es ist 8:13 Uhr und ich stelle mir in guter, alter Tradition die Frage: Was haben wir?

Wir haben einen budgetären Absetzposten namens Bundesheer. Können wir uns wehren, wenn etwas passiert? Nein. Wir haben eine heilige Kuh namens Neutralität. Wird uns die etwas bringen, wenn Drohnen den Flugplatz lahmlegen? Nein. Wir haben eine neue Regierung. Wird die irgendwie wahrgenommen? Nein. Wir haben eine Inflation, die ihresgleichen sucht. Greift irgendwer die wirklichen Inflationstreiber an? Nein. Wir bauen Häuser für uns und unsere Nachkommen. Gibt es die wirklich? Nein. Wir nähern uns dem Ende einer Generation, die alles hatte. Sind wir uns der Tatsache bewusst, was das für die ihr nachfolgenden Generationen bedeutet? Nein. Wir suhlen uns im Sarkasmus. Unternehmen wir etwas, um die Situation zu verbessern? Nein. Wir plädieren für Gemeinsamkeit, Achtsamkeit, Rationalität und andere, bedeutende Konzepte. Aber streben wir danach? Nein. Wir besitzen und sind todkrank. Wollen wir den Besitz weitergeben, bevor es zu spät ist? Nein. Wir haben keine Hoffnung, sind Fahrgäste eines fremdgesteuerten Zugs. Nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand? Nein. Wir nehmen die Welt auf eine Art und Weise wahr, wie sie seit Jahren schon nicht mehr gültig ist. Wollen wir uns die Augen reiben und erkennen, dass dieses trügerische Weltbild uns auf lange Sicht kaputt macht? Wir alle kennen die Antwort.

Also holen wir uns unser Schnitzel, das Gulasch, den Tafelspitz oder was auch immer Veganer heute zu sich nehmen, und feiern wir diesen Tag, an dem wir etwas feiern, das niemand versteht und doch alle begehen. Denn es ist ein schöner, sonniger Sonntag, dieser Nationalfeiertag.

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