In diesem Video-Essay analysiert Evan Puschak (alias „The Nerdwriter“), warum Arrival ein so dermaßen gut gemachter Film ist und warum er vom Niveau der Massenproduktionen vergangener Jahre deutlich abweicht. Viele in seiner Analyse erläuterten Punkte beziehen sich eigentlich auf die Inhalte der Kurzgeschichte The Story of Your Life von Ted Chiang, die der Regisseur Denis Villeneuve aber nicht nur als Vorlage, sondern auch als Werkzeug für den Film verwendet. Und das ist der geniale Schachzug, der Arrival auf mehreren Ebenen als „response to bad movies“ erscheinen lässt.

Mozilla, für gewöhnlich der Good Guy im Internet, hat einen schwarzen Fleck auf seine weiße Weste verpasst bekommen. Die Organisation bietet mit Firefox Klar einen für mobile Endgeräte entwickelten Browser/Contentblocker mit eingebautem Schutz vor Aktivitätenverfolgung an. Und was wurde heute bekannt? Firefox Klar saugt Daten ab und sendet sie direkt an eine Trackingfirma.

Firefox Klar sammelt Daten über mein Surfverhalten, was ich im Internet so treibe, auf welchen Seiten ich mich bewege. Und diese Daten werden an den Big-Data-Spezialisten Adjust gesendet. […] Und solche Firmen leben damit, dass die Daten dann aufgewertet werden, weil sie zusammengeführt werden, von anderen Erfahrungen, die über andere Apps oder Plug-Ins gemacht wurden.

Internet-Surfer, die mit Firefox Klar im Netz unterwegs sein […], Daten über ihr persönliches Surfverhalten aber nicht zu Adjust senden wollen, können die Übermittlungsfunktion ausschalten. […] In den Voreinstellungen von Firefox Klar ist allerdings die Übermittlungsfunktion scharf geschaltet. Wer sie abschalten will, muss sich gut in die Dokumentation einarbeiten. Das erfordert einen gewissen Aufwand.

Mozilla aktiviert also von Haus aus eine Funktion, die Daten über das Nutzungsverhalten überträgt – und das nicht einmal an Mozilla selbst (was noch irgendwie verständlich wäre), sondern gleich an eine externe Firma, die für ihre Tracking- und Analyselösungen bekannt ist. Pfui, Mozilla! Auch wenn man die Funktion abschalten kann.

Uns ist allen theoretisch bewusst, dass es in einem Verbrennungsmotor zu kleinen Explosionen kommt, die einen Kolben durch einen Zylinder drücken, der sich dadurch auf- und abbewegt. Dass das ziemlich genial aussieht, hat nie wer gesagt.

David hat auf die Nachricht der möglichen Presseförderung für „Österreich“ in der Höhe von bis zu 400.000 Euro treffend reagiert:

[Die Förderung] ist sehr gut, denn “Österreich” steht für investigativen Qualitätsjournalismus. Ohne “Österreich” hätte ich zum Beispiel nie erfahren, dass Adolf Hitler sich gar nicht umgebracht hat, sondern nach Argentinien oder Indien geflüchtet ist. Eventuell wurde er auch von Aliens entführt […] Ich bin so froh, dass Österreich “Österreich” und andere ähnliche Werke fördern will. Leider werden wir das alle nicht mehr miterleben, denn gestern ist laut “Österreich” die Welt untergegangen. Es war wieder ein Komet.

Die Gratis-„Zeitungen“ Heute und Österreich können im Jahr 2017 Presseförderung von bis zu insgesamt 700.000 Euro erhalten. Wenn ich mir ansehe, was „Österreich“ und „Heute“ veröffentlichen, so bin ich umso mehr überzeugt, dass jeder einzelne der 700.000 Euro Steuergeld gut angelegt ist und zu einer qualitativ hervorragenden Medienlandschaft beitragen wird. So, wie die 990.000 Euro Privatrundfunkförderung für oe24.at.

Da sehe ich gerade, Qualität ist kein Vergabekriterium.

Wired hat eine (sehr kurze) Bildserie des Fotografen Ben Huff über Adak, die westlichste Siedlung der USA. Auf der ehemaligen, zu Zeiten des Kalten Kriegs geografisch interessanten Militärbasis auf den Aleuten, lebten einst bis zu 5.000 Menschen. Heute sind es gerade mal 300. Und ja, wie es sich für ein ordentliches US-Dorf gehört, gab es dort, 2.100 Kilometer südwestlich von Anchorage, dort, wo die Beringsee in den Pazifik mündet, einen McDonald’s.

Verlassene Militärstation auf einer Insel. Es war ja wohl klar, dass ich hier darüber berichten würde, oder?

Nachtrag am 12.2.2017: Der Herr Imrich hat mich darauf hingewiesen, dass sich in der Gegend der westlichste aber auch der östlichste Punkt der USA befindet. Da Adak schon nahe am 180°-Meridian liegt (und dieser West von Ost formal teilt), befindet sich der etwas westlicher gelegene „Pochnoi Point“ formal gesehen bereits im Osten – und ist damit der östlichste Punkt der USA.

In einem Raum sind drei Personen: Alice, Bob und Eve. Alice und Bob wollen miteinander kommunizieren, ohne dass Eve versteht, worüber sie sich unterhalten. Damit sie das tun können, müssen sie ihre Nachrichten verschlüsseln. Da Eve aber im Raum anwesend ist und stets mitlesen kann, müssen sie einen Weg finden, sich öffentlich auf einen Schlüssel (zur Verschlüsselung der zukünftigen Nachrichten) zu einigen, den Eve nicht lesen kann.

Dieses Problem wirkt auf den ersten Blick eigenartig, liegt aber jeglicher Kommunikation im Internet zugrunde. Alle Daten sind, solange sie nicht verschlüsselt werden, einsehbar. Wie einigen sich also Alice und Bob auf einen Schlüssel zur Verschlüsselung ohne dass Eve die gezwungenermaßen unverschlüsselt ausgetauschten Daten nutzen und erst recht wieder mitlesen kann? Zum Beispiel durch das Modell von Whitfield Diffie und Martin Hellman. Und wie dieser Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch funktioniert und wodurch er überhaupt notwendig wurde, wird in diesem Video von „Art of the Problem“ äußerst anschaulich und leicht verständlich mit Farbmischungen (!) erklärt.

Solche Probleme, vor allem aber praktikable Lösungen dazu, sind übrigens sinngebend für eine seit mehreren Jahren laufende Veranstaltungsreihe namens CryptoParty. In Wien finden diese CryptoParties jeden letzten Montag im Monat statt, in Graz jeden ersten. Den genauen Ort findet man unter cryptoparty.at.

Dropbox, der umstrittene und gleichzeitig nahezu unverzichtbare Inbegriff von Cloud-Hosting und Datensynchronisation, betreibt seit August 2014 seine eigene Infrastruktur und hostet seit einiger Zeit auch etwa 90% der Nutzerdaten darauf. (Bis dahin hat sich Dropbox auf die S3-Plattform von Amazon gestützt.) Seit November 2016 betreibt Dropbox auch ein Netzwerk an „Points of Presence“ in Europa, Asien und in den USA, um die Datenübertragung zwischen Client und Server noch einmal zu beschleunigen. Errichtet wurden diese Points of Presence, weil Techniker auf ziemlich interessante Limits gestoßen sind:

It can take up to 180 milliseconds for data traveling by undersea cables at nearly the speed of light to cross the Pacific Ocean. Data traveling across the Atlantic can take up to 90 milliseconds. […] Given the limitations we encounter here—the distance across the Pacific Ocean, and the speed of light—there are only so many optimizations we can make before physics stands in the way.

Ich wollte immer schon einmal einen Absatz zitieren, in dem ein Techniker ohne mit der Wimper zu zucken von einer „limitation“ spricht und dabei „the speed of light“ nennt. Meine Güte, ich habe den ganzen Artikel nur geschrieben, um diesen Absatz zitieren zu können!

Auch wenn das Foto, das in einem Tweet veröffentlicht wurde, und die dazugehörige Geschichte schon fast ein Jahr alt sind, ist immer noch gut zu wissen: Es hilft offenbar, „HELP“ auf einen Strand zu schreiben und darauf zu hoffen, dass jemand die Botschaft entdeckt und reagiert. Sieht man sich an, von welchem Account aus dieses Foto getwittert wurde, umso mehr.

In diesem Fall hatten Seeleute Schiffbruch erlitten und konnten sich auf eine unbewohnte Insel retten, bevor sie im Rahmen einer großflächigen Suchaktion nach 3 Tagen durch dieses Foto gefunden wurden. Die Sache ist also gut ausgegangen.

Was mich allerdings wundert: Warum haben die Seeleute „HELP“ und nicht „SOS“ geschrieben? (Das wäre ohne zu überlegen meine erste Wahl gewesen.)

Adoptly ist eine App, die die Auswahl von zu adoptierenden Kindern in einer Tinder ähnlichen App ermöglichen soll. Und das funktioniert so: Potentielle Adoptiveltern bekommen nach ihren persönlichen Wünschen bereits vorausgewählte Bilder von Kindern zu sehen. Ob sie das Kind adoptieren wollen oder nicht, wird innerhalb weniger Sekunden durch einen Wisch nach rechts (ja) oder nach links (nein) entschieden.

Für die App und den dahinterliegenden Service gibt es eine Kickstarter-Kampagne, die am 12. Jänner 2017 online gegangen ist und zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits USD 4.000 (von USD 150.000) erreicht und damit immerhin 16 Personen angesprochen hat.

Ist das Satire oder Fake? Niemand weiß das so genau. Bei The Verge ist man sich nicht sicher. Engadget hat sich angesehen, wie Adoptionen in den USA für gewöhnlich ablaufen und die Idee, Kinder nach bestimmten Kriterien zu filtern und dann auszuwählen, ist keineswegs ungewöhnlich. Abstoßend ist jedoch, wie Adoptly an die Sache herangeht.

Using the Tinderlike UI, something that rose to prominence in an app meant for finding a hookup, feels wrong. That sense of wrongness extends throughout everything Adoptly is doing, from its tagline to the video on the company’s Kickstarter page. At one point in the promo, a young couple is looking for their perfect child, swiping left and right as the voice-over says, „Just swipe right if you’re interested or left to keep looking.“ It’s a delicate choice of words for what essentially amounts to „I’m rejecting this child in need based on this photo and basically nothing else.“

Und weiter…

If an adoptable child „likes you back“ (which in this case means that the agency sponsoring the child accepts your request for more information), you can chat directly in the app. Adoptly says that all „liking back“ and chat communication are done under the supervision of the foster care or agency responsible for the child. But whether you’re chatting with an adoptable child or the agency, the video makes this extremely personal interaction into something decidedly less so. I don’t know about you, but I wouldn’t be dropping an „OMG“ and emoji when I’m presenting myself as a parent ready to adopt a child. In the Adoptly world, that’s a perfectly reasonable way to behave.

Vielleicht gibt es ja auch ein 14-tägiges Rückgaberecht.

Hoffen wir, dass das Fake oder Satire ist. Aber niemand kann behaupten, die Möglichkeit einer solchen App im ersten Moment nicht akzeptiert zu haben.

Evgeny Morozov, bissig wie immer, sieht Fake News als Nebenprodukt digitalen Kapitalismus und die Reaktionen darauf als ungewollte, weil unverstandene Verstärker des eigentlichen Problems.

Die große Gefahr für die westlichen Gesellschaften ist heute nicht so sehr die Entstehung nicht-liberaler Demokratien, sondern die Schwäche ihrer eigenen Demokratien. Zum einen manifestiert sie sich in der Leugnung der Tatsache, dass die meisten heutigen Probleme ökonomischen Ursprungs sind. Zum anderen in der Leugnung der Korruptheit professioneller Expertise.

Um die Krise der Fake News in diesem Licht zu sehen, müsste das Establishment eine der Leugnungen überwinden und sich mit der politischen Ökonomie der Kommunikation beschäftigen. Doch es waren ja gerade die Mitte-links- und Mitte-rechts-Parteien, die in den letzten dreißig Jahren das Genie des Silicon Valley beschworen, die Telekommunikationsfirmen privatisierten und Kartellfragen eher lax handhabten.

Der zweite Typ der Leugnung zeigt sich blind gegenüber der Korruption der heutigen Expertenkultur. Wenn Thinktanks unbekümmert Geld von ausländischen Regierungen annehmen; wenn Energiekonzerne zweifelhafte Forschung zum Klimawandel finanzieren; wenn Finanzaufseher und Mitglieder der Europäischen Kommission ihre Jobs aufgeben, um an die Wall Street zu gehen; dann kann man den Bürgern ihre Skepsis gegenüber den „Experten“ kaum vorwerfen.

Interessant, dass die Conclusio des Kommentars nahezu ident ist mit der Notwendigkeit, die man bei einem der Silicon Valley-Auswüchse – Medium – sieht, um wirtschaftlich bestehen zu können, nämlich:

The only solution to the problem of fake news that neither misdiagnoses the problem nor overpowers the elites is to completely rethink the fundamentals of digital capitalism. We need to make online advertising – and its destructive click-and-share drive – less central to how we live, work and communicate. At the same time, we need to delegate more decision-making power to citizens – rather than the easily corruptible experts and venal corporations.

Word.

(Ich habe diesen Artikel am 20.1.2017 verändert: In einer früheren Version habe ich auf den Guardian-Artikel „Moral panic over fake news hides the real enemy – the digital giants“ verlinkt und das Langzitat im englischen Original wiedergegeben. Ich denke aber, dass es gerade in diesem Fall besser ist, auf eine adäquate Übersetzung zu verlinken.)

Die App Trigger informiert User, die in ein Unternehmen investiert haben, sobald Donald Trump diese Firma in einem Tweet erwähnt.

After Trump tweeted about the cost for Boeing to build Air Force One, the company’s stock took a downturn, and a similar stock slump happened for Lockheed Martin after he tweeted about the company’s F-35 jet program […] Some company leaders are saying that their PR employees are up around 3 a.m. in case Trump sends out an early-morning tweet that could devastate the company’s stock […] Rachel Mayer, co-founder and chief executive of Trigger Finance, said she’s been hearing „overwhelming“ demand from the app’s user base for a Trump tweet notification after his electoral victory in November. „When he tweets, the market moves,“ she said by phone. „Our users see this as an investment opportunity and a way for them to manage their portfolio risk.“

Durch Trump wird Twitter ja richtig groß! Aber alles in allem: WTF!?

Manton Reece will ein alternatives Social Network aufbauen, in dem die eigenen Inhalte einem selbst gehören und nicht in einem Walled Garden gefangen sind.

In the earlier days of the web, we always published to our own web site. If you weren’t happy with your web host, or they went out of business, you could move your files and your domain name, and nothing would break.

Today, most writing instead goes into a small number of centralized social networking sites, where you can’t move your content, advertisements and fake news are everywhere, and if one of these sites fails, your content disappears from the internet. Too many sites have gone away and taken our posts and photos with them.

Das micro.blog-Projekt auf Kickstarter hat bereits mehr als das doppelte des Finanzierungsziels erreicht. Die Idee ist großartig, wenn auch nicht neu: Nur ein technisch dezentral aufgebautes System, das auf offenen Standards basiert, garantiert Autorinnen und Autoren echte redaktionelle Freiheit und Eigentum am eigenen Content. Auch wenn es nur 140 Zeichen sind.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!