derstandard.at arbeitet daran, seine Startseite auf den jeweils individuellen Nutzer angepasst anzuzeigen. Man wird also zu lesen bekommen, was man lesen will.

In einigen Jahren dürfte die Startseite von DerStandard.at […] bei jedem Nutzer anders aussehen. “Die Kunst dabei wird sein, keine Filterbubbles entstehen zu lassen, aber trotzdem auf individuelle Bedürfnisse einzugehen”, erzählt Mitteräcker. Algorithmen, so wie sie Facebook ganz prominent nutzt, seien auch im Journalismus die Zukunft. “Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie wir dem User das bieten können, was ihn interessiert. Es ist nicht die Frage, ob wir einen Algorithmus machen, sondern wie wir es machen.” Die Rolle der Redakteure wird sich dadurch ändern. Sie geben dann nur Relevanz und Aktualität an, den Rest macht das Programm auf Basis des individuellen Nutzerverhaltens.

Ich bin skeptisch, denn eine ausschließlich algorithmisch aufgebaute Startseite führt dazu, dass sich das Weltbild der Leserinnen und Leser stetig leicht verändert oder, in den Augen des Algorithmus, präzisiert, was naturgemäß dazu führt, dass sich auch die Startseite besser anpasst und die Auswahl der angezeigten Artikel ändert… und so weiter, und so fort. Wie vieler solcher Iterationen wird es bedürfen, bis die Nutzer in ihren jeweiligen Filterblasen gefangen sein werden?

Was unterscheidet einen Schnappschuss von einem großartigen Foto? Der Fotograf Charlie Howse beantwortet diese Frage wie schon so viele vor ihm mit einem Verweis auf den Dialog zwischen der Person hinter der Kamera und dem Subjekt oder der Umgebung davor. Die Technik und das Equipment sind wichtig, aber deutlich weniger als angenommen.

The technical aspect […] is less important than the artistic or the compositional aspect of the image or the interestingness of the subject matter. A great photograph is one that allows the viewer to look at the image and say „I recognize it“ or an image that strikes a chord in a person or an image where the viewer is allowed to create their own story about the image. I am convinced that a good photographer can take a current phone or a current point-and-shoot camera and go out with someone who has just recently gotten their new Nikon, their new Canon with a 3.000 dollar lens and their 3.000 dollar body and go out and come back with better images, because they know how to approach a subject. They know how to position the person or the subject within the scene and they know how to make an image rather than take a picture.

Und wie immer, wenn es um den Einsatz von Technologie geht, entpuppt sie sich bei denen, die es wirklich können, lediglich als Mittel zum Zweck, denn der Akt der Fotografie selbst wird weit über die Bedienung einer Kamera hinaus definiert. Er ist ein kreativer Akt, bei dem das Equipment lediglich der Verwirklichung dient.

Anybody can grab a good camera or pick up their cell phone and take a picture. But to be really good at it requires a lot more than just using the equipment. So for me, art of photography is the challenge of using these tools as a way to create something […] or to develop a mastery in something that not everyone can do.

Und das „not everyone can do“ muss man schon sehr eng sehen, wenn man sich umsieht und das massige Bildmaterial, dem wir ausgesetzt sind, betrachtet.

Ähnlich argumentieren übrigens auch die Fotografen Rachel Gulotta und Daniel Inskeep, die in einem Video aufzeigen, wie Profis mit billigem Equipment trotzdem bessere Fotos zustande bringen als ein Amateur mit High-End-Equipment.

sonniesedge hat JavaScript in ihrem Browser deaktiviert und so einen Tag lang die üblichen Websites besucht. Der erste Eindruck:

So how was it? Well, with just a few minutes of sans-javascript life under my belt, my first impression was “Holy shit, things are fast without javascript”. There’s no ads. There’s no video loading at random times. There’s no sudden interrupts by “DO YOU WANT TO FUCKING SUBSCRIBE?” modals.

If this were the only manifestation of turning off javascript, I’d do this for the rest of time. However, a lot of things don’t work. Navigation is the most common failure mode. Hamburger menus fail to internally link to a nav section (come on, that’s an easy one kids). Forms die when javascript is taken away (point the form to an endpoint that accepts GET/POST queries ffs). Above the fold images fail to load (you do know they’re streaming by default, yes?).

Zwölf Seitenaufrufe und zugehörige Kommentare später:

I maintain that it’s perfectly possible to use the web without javascript, especially on those sites that are considerate to the diversity of devices and users out there. And if I want to browse the web without javascript, well fuck, that’s my choice as a user. This is the web, not the Javascript App Store, and we should be making sure that things work on even the most basic device.

I think I’m going to be turning off javascript more, just on principle.

Der erste Eindruck ist also bestimmend und findet sich in der Conclusio ähnlich wider. JavaScript kann übrigens in jedem Browser, sogar auf mobilen Endgeräten, ganz leicht gänzlich deaktiviert werden. Wer die Ausführung von Skripten selektiver handhaben möchte, dem seien NoScript oder uBlock im erweiterten Modus empfohlen. Das ist zwar kein „Deaktivieren von JavaScript“, kommt aber schon sehr nahe dran heran.

Die Facebook-App wird zukünftig naheliegende Hotspots anzeigen. Das ist auf den ersten Blick praktisch und kann vor allem im Urlaub Sinn machen. Die App listet dabei Hotspots von Geschäften und Lokalen auf, die (kostenloses) Wi-Fi zur Verfügung stellen. Allerdings müssen sie – und das ist der zweite Blick! – es auf ihren Facebook-Pages angegeben haben.

Find Wi-Fi helps you locate available Wi-Fi hot spots nearby that businesses have shared with Facebook from their Page. So wherever you are, you can easily map the closest connections when your data connection is weak.

Damit deutet Facebook den generischen Pull-Faktor „Wi-Fi“ zu einem Facebook-Feature um. Sobald das Feature akzeptiert ist, wird es monetarisiert und als Zubringer verkauft.

Im Jänner diesen Jahres hat der renommierte Guardian über eine potentielle Backdoor in WhatsApp berichtet. Das trifft alle hart, denn WhatsApp prahlt damit, eine sichere Messaging-Applikation zu sein. Facebook, Eigentümer von WhatsApp, hat sich aber für einen Kompromiss in der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung entschieden, der den Komfort vor die Sicherheit stellt.

The way WhatsApp implemented the protocol, new keys are generated when […] a user gets a new phone or reinstalls the app. Messages for the user which may have been waiting to be delivered while the user was offline are then re-encrypted and resent by the sender automatically, without the sender having had an opportunity to verify that the recipient is the person intended to receive the message. […] This re-encryption and rebroadcasting of previously undelivered messages could potentially allow a third party to intercept and read a user’s undelivered messages in a situation where, for example, they had stolen a user’s sim card. When the third party put the stolen sim card in another phone, they could then theoretically collect any messages that had not yet been delivered to the user in question.

Die Bezeichnung dieses Verhaltens als „Backdoor“ ist und war schon im Jänner ein Problem, denn neu-verschlüsselte Nachrichten auf diese Art und Weise zuzustellen, ist eine „Entscheidung“ und kein dem Signal-Protokoll innewohnendes Problem. Die Entscheidung, mit geänderten Keys so umzugehen, führt zur stärkeren Verbreitung einer sicheren Messagingapplikation; sie als Backdoor zu bezeichnen nur dazu, dass sich Nutzer größeren Gefahren aussetzen. Das sah der Guardian heute (!) ein. Also 5 Monate später.

Critics said that the Guardian article overstated the risk of what is known in the jargon as a man-in-the-middle attack, in which a third party could exploit the combination of offline phone, messages in transit and changed key to intercept private communications. […] Some were concerned that an overstated claim in the Guardian about risk to the security of WhatsApp would cause non-expert users to become unduly worried and needlessly abandon WhatsApp for less secure communication methods.

Ich bin zwiegespalten, was diese de facto-Entschuldigung des Guardian angeht, denn er hat ja eigentlich Recht und die Behauptung, dass hier etwas passieren könnte, ist per se nicht falsch. Auf der einen Seite kann man argumentieren, dass die Vorteile diesen einen Nachteil bei weitem überwiegen. Auf der anderen Seite klingt aber die gesamte Kritik danach, die (potentiell gefährdeten) Nutzer nur ja nicht nachdenken zu lassen. Ob das eine nachhaltige Verbesserung der Sicherheit per WhatsApp geführter Kommunikation darstellt, wage ich zu bezweifeln. Ich halte es da anders und verwende WhatsApp erst gar nicht.

Bei Google – genauer: Gmail – scheint es nun schon soweit zu sein, dass es egal ist, ob man den Inhalt eines E-Mails kennt oder nicht. Das kostenlose Gmail stellt das Scannen von E-Mailnachrichten, um daraus Interessengebiete ableiten zu können, ein.

Grund für die Änderung ist offenbar weniger die jahrelange Kritik an dem Analysieren der Texte. Stattdessen geht es wohl in erster Linie um eine Vereinheitlichung bei der Vermarktung von Werbung innerhalb des von der Firma angebotenen Ökosystems. […] Für andere Zwecke werden die Mails der Nutzer übrigens auch weiterhin durch Algorithmen von Google untersucht. Das ist für Funktionen wie Smart Reply sowie natürlich für das Herausfiltern von Spam und Phishingmails nötig.

Ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll oder nicht. Einerseits ist es schon fein, wenn klar ist, dass die E-Mails, die man an Gmail schickt, nicht gleich zur Datenauswertung herangezogen werden. Andererseits tut sich genau da ein Geheimnis auf: Woher holt sich nun Google die relevanten Daten, um jene aus Gmail einsparen zu können?

Wie Social Cooling durch die immerwährende Analyse von Daten funktioniert. Eine wirklich gut gemachte Zusammenfassung auf nur einer einzigen Page anschaulich erklärt: socialcooling.com.

Matt Birchler hat sich angesehen, welcher Cloudspeicher am meisten bietet. Das Resultat ist mehr als klar.

iCloud wins almost every time. It’s the cheapest if you need 50GB, 200GB, or 2TB of storage. They’re only bested by Google at the 100GB level, and OneDrive at 1TB. OneDrive is actually the cheapest option for 1TB at just $7. iCloud is the best at the 2TB mark, offering that obscene amount of storage for $10. OneDrive has a 2TB option too that works out to $10 a month as well, but you have to pay for the whole year ($120) up front.

Im Vergleichstest wurde nur das Verhältnis von Kosten zu gebotener Speichermenge getestet, keine zusätzlichen Funktionen (wie der Zugriff von außen, usw.). Wem es also nur um günstigen Speicher geht, der weiß jetzt, wohin.

In einem bemerkenswerten Artikel, in dem der Philosoph Konrad Paul Liessman zum Vorhaben, alle Schüler mit Tablets auszustatten, Stellung nimmt (und dabei die Auslagerung des Wissens in digitale Archive kritisiert), kommt er auch auf die Renaissance des Lehrers zu sprechen, den er als einen Navigator durch eine von Unsicherheit geprägte Welt sieht. Ich sehe in seinem Beispiel zwar noch keine Qualifikation, die über die Kompetenz, ein bestimmtes Alter überschritten zu haben, hinausgeht, kann aber die Stoßrichtung seines Arguments gut nachvollziehen.

Wenn man nicht mehr weiß, nach welchen Algorithmen Informationen gefiltert, […] ob Nachrichten digital gefälscht oder manipuliert wurden, dann steigt die Bedeutung des menschlichen Faktors. Plötzlich sind Menschen interessant, die mit solchen Fragen umgehen können, weil sie ein bisschen nachgedacht, geforscht und ein paar Bücher gelesen haben, weil sie zum Beispiel historische Kenntnisse haben. Wie oft werde ich mit der Frage konfrontiert: Ist es nicht entsetzlich, dass plötzlich an Qualitätsmedien gezweifelt wird und es diese Kritik an der sogenannten Lügenpresse gibt? Früher war das doch ganz anders. Ich kann mich nur wundern über diese Geschichtsvergessenheit. Ich wuchs auf in einer Zeit, in der es von der anderen Seite, von links, selbstverständlich war, dass alle bürgerlichen Zeitungen für Lügenpresse gehalten wurden – weil im Dienste des Imperialismus und Kapitalismus stehend. Allein dieses Wissen würde uns davor bewahren, jeder Dummheit, jedem Hype, jeder Empörung und jedem Fake auf den Leim zu gehen. Dazu brauchte es aber auch mutige und fachlich qualifizierte Menschen, wie es Lehrer sein sollten. Aber dieses Wissen wird nicht vermittelt werden, nur weil jemand ein Tablet in der Hand hat und hektisch darauf herumwischt, während der Lehrer sich vornehm auf die Rolle des moralisierenden Begleiters zurückzieht.

Was für eine schöne Vorstellung von der Intention eines Lehrers, „wie es Lehrer sein sollten.“

Netzkultur in Reinform. Und ich hatte keine Ahnung.

The most fearless animal in all of the animal kingdom. It really doesn’t give a shit. If it’s hungry, it’s hungr.. eew what’s that in it’s mouth? […] Snake’s up in the tree. Honeybadger don’t care. Honeybadger don’t give a shit. It just takes what it wants.

Obwohl die Demo nicht ganz gelungen ist, weil die Unterschiede der Resultate im Video nicht gut genug erkennbar sind und der Amateur offensichtlich gehörig Talent ins Spiel gebracht hat, so bestätigen die Ergebnisse trotzdem, was allen, die sich auch nur ein wenig mit dem Thema Fotografie beschäftigen, klar sein sollte: Das Equipment zählt, aber weit weniger als angenommen.

Was hingegen deutlich mehr zählt, ist die Intuition des Fotografen und seine Fähigkeit, mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Ob dies unter kontrollierten Bedingungen (wie zB in einem Fotostudio) geschieht oder auf der Straße, ist dabei nebensächlich. Besseres Equipment nimmt einem Fotografen die tatsächliche Arbeit nicht ab, bestenfalls erleichtert es sie ihm. Ein Vergleich mit der Jagd bietet sich an: Der Fotograf muss sich in seine Umwelt einbetten können und geduldig warten, bis sich die Möglichkeit auftut, endlich schießen zu können, was in seinem Auge die Auswahlkriterien erfüllt. In der Auftragsfotografie sind diese Kriterien die dem Auftrag zugrundeliegende Intention des Auftraggebers. In allen anderen Fällen die Repräsentation der eigenen Vorstellung eines Zustands. Und wenn diese Kriterien eintreten, wenn die Interaktion zwischen Fotograf und Umwelt zu genau dem Moment geführt hat, der für das Foto entscheidend geworden ist, erst dann benutzt er sein Equipment. Es dient nur dem Bruchteil einer Sekunde, dessen es Bedarf, um diesen Moment einzufangen. Nur jetzt, vom Betätigen des Auslösers bis zur Speicherung der Daten auf der Speicherkarte, ist das Equipment von Bedeutung. Keine Sekunde davor und keine Sekunde danach.

Der Fotograf, also der Mensch, steht im Mittelpunkt. Seine Sichtweise, seine Vorstellung, ja, sein Verständnis der Welt ist der Filter, durch den wir auf dem Ergebnis seiner Arbeit sehen, was er als entscheidenden Moment angesehen hat. Und in dem wir diese Szene aus einer Position betrachten, in der er sich befunden hat. Es liegt auf der Hand, und das macht die Fotografie ja so interessant, dass mindestens der halbe Informationsgehalt eines Fotos Informationen über den Fotografen preisgibt. So dermaßen wichtig ist der Mensch hinter der Kamera. Doch dieser Relevanz sind sich offenbar vor allem Anfängerinnen und Anfänger nicht bewusst, weshalb sie das Können in technischen Leistungsdaten, als in einem externen Faktor, festmachen wollen. Dass genau das Gegenteil der Fall ist, und es diesen externen Faktor eigentlich nicht gibt, wollen die beiden Fotografen Rachel Gulotta und Daniel Inskeep mit ihrem Video beweisen.

A lot of beginners assume that ‘good’ gear creates ‘good’ photos. Beyond technically sound photos, we want to be inspired and create meaningful, inspiring, and emotional photos that have purpose. […] Gear is secondary to that because anyone can shoot on a high-end camera, but not anyone can create meaningful work. Our intent is to inspire viewers to use the tools they have to make the most meaningful work they can.

Leider nicht ganz gelungen, aber wer ein wenig Verständnis für den Wortsinn von „meaningful work“ aufbauen konnte, sollte in einen Erkenntnisprozess gelangt sein. Und das reicht schon. (via Petapixel)

Die folgenden drei Nachrichten sind mir in der letzten Woche untergekommen.

  1. Google bastelt an einem Adblocker, mit dem zukünftig nervige Werbung automatisch ausgeblendet (oder gar deaktiviert) werden soll. Der Adblocker soll mit Google Chrome ausgeliefert werden und von Haus aus aktiviert sein.
  2. Google betreibt eine Informationskampagne, um die Nutzung von Adblockern in den Kontext des eigenen Adblocker-Programms zu stellen; dabei wird der Aspekt Datenschutz zwar erwähnt, aber in den Hintergrund gestellt. Als primäres Motiv für die Verwendung von Adblockern gibt Google „nervige Werbung“ an. Google selbst bietet keine „nervige Werbung“ an.
  3. Google betreibt mit dem Contributor-Programm (momentan noch in Betaversion) eine Plattform, mit der die Anzeige von Werbung gegen eine kleine Gebühr entfernt werden kann. Ein Preisbeispiel (und damit auch ein Kostenmodell) gibt es auf der Hilfe-Seite, wo das Lesen einer Page mit EUR 0,02 beziffert ist.

Jeder und jedem bleibt die Zusammenfügung dieser drei Nachrichten nun selbst überlassen.

 

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