Sankt Markt

Sankt Markt hat, vertreten durch seinen Messias, erklärt, die Pragmatisierung müsse weg. Und zwar für alle. Beamte sind sowieso nur auf Privilegien aus und Richter, wozu brauchen die Pragmatisierungen. Der Messias bekämpft nun die Privilegien (politische Unabhängigkeit, neutrale Verwaltung, neutrale Richter) mit diesem Argument: Pragmatisierung braucht man nicht für die Exekutive, auch nicht für einen Richter, für niemanden. Man kann die rechtliche Absicherung gegen Druck von oben auch mit einer privatwirtschaftlichen Rechtsordnung zu Stande bringen. – Fortgesetzt: Richter arbeiten auf Provisionsbasis. Und, wie war das mit der Homepage?

Zur Geschichte und Definition von Pragmatisierung gibt es hier Unterlagen.

Ironie der Geschichte

Hier war ein Bild zu sehen, auf dem Donald Rumsfeld dem irakischen Diktator Saddam Hussein die Hand schüttelte.

Die meisten Blogs, die dieses Bild zeigen, kommentieren es nicht. „Ohne Worte…“ kann man da lesen, doch frage ich mich, wo hier die Pointe liegen soll? Nimmt man es genau, so muss man ja davon ausgehen, dass jeder Maturant, jede Maturantin (Abiturienten – für die deutschen Leser) über die Geschichte der 80er zumindest in Grundzügen Bescheid weiß und somit auch eine Erklärung für dieses Bild hat. Jeder denkende Mensch sollte sich die Frage stellen, ob das was ihm medial präsentiert wird, tatsächlich passiert oder ob das nur zur Wahrheit gewordene Interpretation ist. Oftmals verschwindet hier die Grenze und diejenigen, die der Wahrheit am nächsten sind, finden sich plötzlich auf der Seite der Verschwörungstheoretiker wieder, werden intellektuell abgewertet und zu Populisten degradiert. Nun, wie auch immer: Das National Security Department der George Washington Universität hat einige interessante Dokumente offengelegt und kommentiert. Wer sich den Film zum Bild ansehen möchte, dem sei angeraten, es hier zu tun.

George W.

George W. erklärt ganz klar, was er will. Die NZZ berichtet hier: „Saddam Hussein sei ein verabscheuungswürdiger Tyrann, der Gerechtigkeit verdient, die höchste Gerechtigkeit. Aber darüber wird nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern von den Bürgern Iraks in der einen oder anderen Form entschieden“, hiess es in einer von ABC veröffentlichten Abschrift von Bushs Äusserungen.

Ich frage mich lediglich, ob die Aussage über die Gerechtigkeit nicht ein wenig seltsam ist, denn in meinen Augen gibt es Gerechtigkeit in keiner Steigerungsform. Also was meint dann George W. mit „höchster Gerechtigkeit“? Ist es Gerechtigkeit, die durch eine bestimmte Auswahl von Geschworenen zustande kommt? (Wann war die letzte Volkszählung im Irak?) Ist es Gerechtigkeit, die durch einen Gerichtsprozess zustande kommt? (Hatte das anglo-amerikanische Richterrecht schon einen Präzedenzfall?) Oder ist es, „höchste“ Gerechtigkeit, also Gerechtigkeit von oben? In der einen oder anderen Form..

Sonntagsarabesken #11

Schatten rüsten sich zur Schlacht, und die Erde donnert unter ihrem luftleichten Marschtritt. Ein Tag und eine Nacht reichen oft aus, den Lauf der Welt zu ändern; und wenn schon die Planeten nicht aus ihren Bahnen geworfen werden können, so bewegt sich zwischen zwei Sonnenaufgängen doch immerhin das Leben der staunend Getroffenen, die ihr Glück oder Unglück zu fassen gar nicht in der Lage sind. Wie der volle Klang einer in tausend Kolloraturen gefältelten Stimme bricht der Tumult über sie herein, und schließlich rollt alles in einer einzigen lang gezogenen unaufregenden Kadenz aus. Oder so ähnlich. Was soll noch geschrieben werden über endlose Gespräche in rauchigen Kaffeehäusern oder samtschwarze Küsse in dunklen Sälen oder rubinroten Chianti aus Plastikbechern? Katzenaugen, mit Quecksilber überstrichen, die Lider schwer vor Müdigkeit, und eine aschblonde Haarsträhne, die aus der locker gewordenen Biedermeierfrisur gerutscht ist; ein Gestirn im Trubel bewegter Zeit, jedes Jahr glänzt es aufs Neue am winterlichen Horizont, und diesmal mischen sich die Bilder in überspannten Gehirnen, bis in einem herrlichen Moment des Abschieds das Mysterium völliger Ruhe erreicht scheint. Falsch gedacht? Stattdessen verzweifelte Leidenschaft in der golden durchwebten Düsternis eines riesigen Raumes, plötzliches Taumeln der Körper (die ohnehin von schwankenden Geistern geleitet werden), aufeinander zu, brutale Umarmung, aber doch zärtlich, mit den nötigen leise gesprochenen Worten der Beruhigung und den monotonen trockenen Küssen in braunes Haargewirr, Lippen und Zähne und Zungen, die sich in ungelenkem Beißen ineinander verhaken. Wiederum: Zwei Stimmen, verflochten im weit geschwungenen melodischen Bogen, unterschiedliche Harmonien kurzfristig vereint durch pure Notwendigkeit des Augenblicks. Das ist natürliche Schönheit, die genauso bestürzend wie befriedigend wirkt.

Questo istante, mia speranza? De? miei dì, de? tuoi decide? Ma se è ver che alla costanza? Se a virtude il ciel sorride? Mille giorni di contento? Tal momento apporterà?

Und schließlich, am Beginn des neuen Tages, bleibt doch nur das helle Bild einer denkbar willkürlichen Erinnerung, die Armee der Schatten ist weitergezogen, bis zum Ort des Kampfes. Ungewiß der Ausgang des Gemetzels. Unbekannt die Namen der Streitenden. Nur eines weiß man mit einiger Sicherheit zu sagen: Die Zukunft hängt an einem seidenen Faden.

Dummheit

Wie soll es Lernen und Fortbildung geben, wenn es Menschen gibt, die einfach zu blöd sind, über ihr eigenes Handeln nachzudenken? Wie Tiere leben sie, ihrem Instinkt folgend, vernunftlos und nicht selbstreflexiv. Oftmals leben sie zu Lasten ihrer Umwelt, parasitär. Und doch hat sich die Umwelt, ehrlich aber unbarmherzig, an ihnen gerächt: Sie hat sie mit dem Verstand gefoltert, der sie weinend in ihren Kammern sitzen und ihren Tod am Straßenrand der Evolution herbeisehnen lässt.

Das Maß aller Dinge

Die eigene Meinung, sofern überhaupt existent, bildet sich, so sehe ich das, aus einem gewissen Maß an Vorurteil, Erfahrung und Aktion. Vorurteile sind sowieso andauernd vorhanden, da braucht man nicht lange zu erklären, Erfahrungen mit dem Objekt muss man erst machen (und da gibt es bereits die ersten Probleme) und eine Prüfung der Meinung durch Aktion gehört eigentlich ganz selbstverständlich auch dazu.

Die eigene Meinung, stets im Denken einiger meiner werten Mitmenschen als Maß aller Dinge dogmatisch vorgeschoben, wird – so selbige – durch den Diskurs gebildet. Diskussionen über das Objekt das Aussage mit Unbeteiligten (mit ebenso eigener Meinung) ergeben die eigene Meinung. Vielleicht. Vorurteile, ja die spielen immer eine Rolle, aber man muss sie ja nicht hinterfragen, denn dahinter steckt immer was; und außerdem kann man die ja eh nie ausschließen. Und wozu überhaupt die eigene Meinung hinterfragen – schließlich ist sie ja Resultat meines gedanklichen Prozesses.
In Anlehnung an ein Zitat von George Bernard Shaw sei gesagt: Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch.

Manfred Deix zeigt den Stinkefinger

Wie ich bereits einigen von euch erzählt habe, hat Manfred Deix beim Besuch des Musikantenstadls im Oktober (2003) eine Großtat vollbracht. Wie jeder deutschsprachige Fernsehbesitzer weiß, gibt es am Schluss der Stadl-Sendung das berühmte „Servus, pfiat‘ Gott und auf Wiedersehen!“, das zehntausende Seniorenherzen höher schlagen lässt. Diesmal hat einer der Gäste, nämlich Manfred Deix, der für seine direkte Art bekannt ist und geliebt wird, dieses Lied genutzt, um Karl Moik auf direkte Art und Weise so richtig die Meinung zu zeigen. Vor laufender Kamera hat Deix, zum mittlerweile berühmten Abschiedslied schunkelnd, Karl Moik schlicht und einfach, ohne langes Herumreden und was weiß ich, seine wahre Haltung zu dem ganzen Pampam gezeigt. Und zwar in Form eines gestreckten Mittelfingers.

Sonntagsarabesken #10

Wie gehen Geschichten aus, die keinen richtigen Anfang hatten? Entweder gar nicht oder tragisch – oder beides. Nur hat in einem solchen Fall weder das tragische noch das fehlende Ende einen besonderen Reiz. Langweilig und schal schmeckt eine derartige Mischung, und es fällt leicht, den Mißmut der Kritiker nachzuvollziehen, die – allesamt Leute von verfeinerter Sinneskraft – am Rande der Löwengrube über die Qualität des blutigen Schauspiels ihre Nasen rümpfen. Auf weit entfernten Hügeln kauern lachende Gestalten, gegen die sinkende Sonne wie Scherenschnitte anzusehen; ja, sie krümmen sich förmlich vor Lachen, und ihr Brüllen dringt allmählich (zunehmend, wie das Rauschen eines aufkommenden Sturmes) durch das Oleanderdickicht an unser Ohr. Der weiße Sand des Hofes glüht in abendlicher Hitze. Das sturmgleiche Gelächter hallt jetzt durch die rote Arkade und bricht in den Wandelgang. Ein prüfender Blick: Die Schatten dort auf den Hügelkuppen sind noch da. Was hat sie bloß dermaßen amüsiert? Kennen sie etwa die lächerliche Geschichte ohne Anfang und ohne Ende? Eine kleine Knospe auf einem der Oleanderzweige ist, kaum aufgebrochen, tot in den Staub gestürzt. Sinnlos? Oder zartes Zeichen des Unausweichlichen? Wo liegt der Schwellstein, der uns den Anfang zeigen könnte? Der Wind ist jetzt zum Sturm geworden. Kalte Angst packt den, der das Lachen hört. Ihm ist die Flucht versperrt. Die Knospen fallen jetzt wie Regenschlossen. In hohen Fontänen wirbeln sandige Schleier durch Hof und Arkaden. Nichts ist vollendet, nichts wirklich begonnen, und doch vergeht nun alles in einem letzten taumelnden Fanal unwirklichen Gelächters. Wie schön war diese Liebe, über die man jetzt so grausam lacht!

Sonntagsarabesken #9

Ein Fremder. – sagt sie, mit kurzem Blick herüber, und lächelt. Tatsächlich. Ein Fremder. Es ist die Wahrheit, gesteht sich der abendliche Besucher später im kalten Wind auf der Gasse ein, wir sind uns fremd geworden. Er macht einige zaghafte Schritte, obwohl er es eigentlich eilig haben müßte, denn er hat noch eine Verabredung im Theater. Eine Verabredung mit der Ewigkeit, denkt er (ein wenig pathetisch, aber so ist er eben). Er würde wieder sehen und hören, womit es damals für ihn begonnen hatte. Eine Art der Rückkehr an den Anfang, deren Sinn und Wirkung er freilich im Vorhinein nicht abzuschätzen weiß. Er fühlt sich schlecht, körperlich verwundet durch ihren oberflächlich schweifenden Blick, der nur allzu angebracht gewesen war. Sie verhält sich in jeder Situation richtig, einfach verdammt richtig, sagt er leise vor sich hin; es gibt keine Spur von Hektik oder Verzweiflung in ihren Gesten, nur eine in Wellen wiederkehrende Müdigkeit, deren gesetzte Schönheit ihn regelmäßig um den Verstand gebracht hatte (früher, vor Anbruch des Herbstes, noch bevor die blutroten Laubhaufen die Straßen säumten). Erscheinungen, deren Unwirklichkeit und Schemenhaftigkeit er bereits erkannt hat, kehren jetzt wieder, zwischen zwei Schritten. Die Trauer schlägt frostige Krallen in sein Genick. Eisblumen bedecken den neuen Grabstein seiner Liebe. Noch ein Schritt, noch einer. Stufen hinauf, in die Wärme einer behüteten Traumwelt. Die Musiker stimmen ihre Instrumente, und das dissonante Zirpen schraubt sich durch die Logenwände bis in die Eingeweide des alten Hauses. Er stolpert den Treppenabsatz entlang. Vor seinen Augen: Schwindelkaskaden. Goldene Feuerschweife formen sich zu Worten in unbekannter Sprache, die doch nur eines meinen: Verzweiflung. Er spürt die sauren Tränen auf der Zunge, bevor sie ihm noch in die Augenwinkel schießen. Ein Fremder. Diese zwei Worte geistern durch sein fiebrig nervöses Gehirn, sie lassen ihn nicht los, obwohl er doch schon alles losgelassen geglaubt hatte. Wie das Auseinanderbrechen eines Kontinents kommt ihm alles vor, obwohl das nicht ganz richtig ist: Nichts ist auseinander gebrochen, weil nichts da war, außer in seiner Einbildung, und allein diese Einbildung war schon zuviel. Zuviel der Hoffnung, der Träume, der Wunschbilder. Fremd sind sie einander. Jetzt. Und vielleicht ist es besser so.

Unerreichbare Liebe

Die unerreichbare Liebe ist die wohl radikalste Ausdrucksform dieses Gefühls. Der Liebende, ebenso sehr in die Idee der Frau seiner Vorstellung wie in die der reellen Frau verliebt, erlangt – selbst wenn er davon träumt, die, die er liebt, zu sehen und zu berühren – Befriedigung in einem sublimen, absolut reinen Begehren. Er schöpft aus diesem Begehren die Kraft, die er dafür braucht. Trotz der Unmöglichkeit seiner Liebe findet er hier die Quelle einer paradoxen Freude, die größer ist als der Besitz der Angebeteten, der oftmals schier unmöglich ist. Das Drama entsteht aus dem Schmerz, den er zwischen dem Wunsch, die Geliebte zu sehen, und dem Wissen, dass seine Liebe mit der Erfüllung dieses Wunsches vergehen kann oder sogar muss, empfindet.

Wohl ist der Tod das unausweichliche Ende eines Begehrens, das nicht befriedigt werden kann ohne zu vergehen, einer Leidenschaft, deren Erfüllung nicht in Glück und ehelicher Verbindung sondern in der Entsagung liegt.

Anmerkung: Das ist sicherlich ein Zitat, ich kann es aber nicht mehr zuordnen und eine Google-Suche nach Passagen daraus, findet nichts. Kann jemand helfen?

Outlook

Jedem wohl bekannt ist Microsofts Programm Outlook. Ich für meinen Teil habe das Programm insgesamt eine Woche lang benutzt und habe festgestellt, dass Outlook zu E-Mail und Terminkoordination für meine Zwecke – und ich habe durchaus viele Termine und einen regen E-Mail-Verkehr – absolut zu schwerfällig ist. Outlook Express/Mail ist für Mails optimal geeignet, die Terminverwaltung übernimmt iCal oder der Palm (und der ist in einer Aktionswoche beim Eduscho gekauft!) und ich bin vollkommen zufrieden.

Ein Kollege hat den Gebrauch von Outlook für Mail und Kalendertätigkeiten so beschrieben, wie ich es auch sehe:

Wer Outlook verwendet muss eigentlich ungeheure Lust verspüren mit dem Muldenkipper durch die Stadt zu fahren um sich eine Wurstsemmel zu kaufen. Oder verwendet man Outlook nicht auch zum Email schreiben? Ist ungefähr der gleiche Effekt. Nur dass der Muldenkipper einigermaßen sicher ist.

In diesem Sinne, liebe Outlook-Benutzer: Viel Spaß beim Surfen.

Freier Wille, etc.

Freier Wille, von der Materie unabhängiger Geist, keine Zusammenhänge zwischen Geist und Körper… Vor etwa sechs Jahren hatte ich eine Diskussion mit einer Kollegin bezüglich der chemischen „Steuerung“ unserer Gedanken. Ihr Argument, Gedanken sind frei!, wurde von mir entschieden verneint. Im damaligen Gespräch habe ich ausgesagt, dass es irgendwann Pillen oder eine andere Art der Medikation geben wird, welche Angst, Freude, Glück, Erregung, Ruhe, etc. aus dem Nichts heraus, also nur durch Einwirkung von Chemie, Spannung, etc., produzieren wird können. Sie verneinte das entschieden und meinte, es wäre niemals möglich, so etwas zu tun. Gestern erfreute mich ein Bericht im New Scientist, der mich bestätigte.