Manfred Deix zeigt den Stinkefinger

Wie ich bereits einigen von euch erzählt habe, hat Manfred Deix beim Besuch des Musikantenstadls im Oktober (2003) eine Großtat vollbracht. Wie jeder deutschsprachige Fernsehbesitzer weiß, gibt es am Schluss der Stadl-Sendung das berühmte „Servus, pfiat‘ Gott und auf Wiedersehen!“, das zehntausende Seniorenherzen höher schlagen lässt. Diesmal hat einer der Gäste, nämlich Manfred Deix, der für seine direkte Art bekannt ist und geliebt wird, dieses Lied genutzt, um Karl Moik auf direkte Art und Weise so richtig die Meinung zu zeigen. Vor laufender Kamera hat Deix, zum mittlerweile berühmten Abschiedslied schunkelnd, Karl Moik schlicht und einfach, ohne langes Herumreden und was weiß ich, seine wahre Haltung zu dem ganzen Pampam gezeigt. Und zwar in Form eines gestreckten Mittelfingers.

Sonntagsarabesken #10

Wie gehen Geschichten aus, die keinen richtigen Anfang hatten? Entweder gar nicht oder tragisch – oder beides. Nur hat in einem solchen Fall weder das tragische noch das fehlende Ende einen besonderen Reiz. Langweilig und schal schmeckt eine derartige Mischung, und es fällt leicht, den Mißmut der Kritiker nachzuvollziehen, die – allesamt Leute von verfeinerter Sinneskraft – am Rande der Löwengrube über die Qualität des blutigen Schauspiels ihre Nasen rümpfen. Auf weit entfernten Hügeln kauern lachende Gestalten, gegen die sinkende Sonne wie Scherenschnitte anzusehen; ja, sie krümmen sich förmlich vor Lachen, und ihr Brüllen dringt allmählich (zunehmend, wie das Rauschen eines aufkommenden Sturmes) durch das Oleanderdickicht an unser Ohr. Der weiße Sand des Hofes glüht in abendlicher Hitze. Das sturmgleiche Gelächter hallt jetzt durch die rote Arkade und bricht in den Wandelgang. Ein prüfender Blick: Die Schatten dort auf den Hügelkuppen sind noch da. Was hat sie bloß dermaßen amüsiert? Kennen sie etwa die lächerliche Geschichte ohne Anfang und ohne Ende? Eine kleine Knospe auf einem der Oleanderzweige ist, kaum aufgebrochen, tot in den Staub gestürzt. Sinnlos? Oder zartes Zeichen des Unausweichlichen? Wo liegt der Schwellstein, der uns den Anfang zeigen könnte? Der Wind ist jetzt zum Sturm geworden. Kalte Angst packt den, der das Lachen hört. Ihm ist die Flucht versperrt. Die Knospen fallen jetzt wie Regenschlossen. In hohen Fontänen wirbeln sandige Schleier durch Hof und Arkaden. Nichts ist vollendet, nichts wirklich begonnen, und doch vergeht nun alles in einem letzten taumelnden Fanal unwirklichen Gelächters. Wie schön war diese Liebe, über die man jetzt so grausam lacht!

Sonntagsarabesken #9

Ein Fremder. – sagt sie, mit kurzem Blick herüber, und lächelt. Tatsächlich. Ein Fremder. Es ist die Wahrheit, gesteht sich der abendliche Besucher später im kalten Wind auf der Gasse ein, wir sind uns fremd geworden. Er macht einige zaghafte Schritte, obwohl er es eigentlich eilig haben müßte, denn er hat noch eine Verabredung im Theater. Eine Verabredung mit der Ewigkeit, denkt er (ein wenig pathetisch, aber so ist er eben). Er würde wieder sehen und hören, womit es damals für ihn begonnen hatte. Eine Art der Rückkehr an den Anfang, deren Sinn und Wirkung er freilich im Vorhinein nicht abzuschätzen weiß. Er fühlt sich schlecht, körperlich verwundet durch ihren oberflächlich schweifenden Blick, der nur allzu angebracht gewesen war. Sie verhält sich in jeder Situation richtig, einfach verdammt richtig, sagt er leise vor sich hin; es gibt keine Spur von Hektik oder Verzweiflung in ihren Gesten, nur eine in Wellen wiederkehrende Müdigkeit, deren gesetzte Schönheit ihn regelmäßig um den Verstand gebracht hatte (früher, vor Anbruch des Herbstes, noch bevor die blutroten Laubhaufen die Straßen säumten). Erscheinungen, deren Unwirklichkeit und Schemenhaftigkeit er bereits erkannt hat, kehren jetzt wieder, zwischen zwei Schritten. Die Trauer schlägt frostige Krallen in sein Genick. Eisblumen bedecken den neuen Grabstein seiner Liebe. Noch ein Schritt, noch einer. Stufen hinauf, in die Wärme einer behüteten Traumwelt. Die Musiker stimmen ihre Instrumente, und das dissonante Zirpen schraubt sich durch die Logenwände bis in die Eingeweide des alten Hauses. Er stolpert den Treppenabsatz entlang. Vor seinen Augen: Schwindelkaskaden. Goldene Feuerschweife formen sich zu Worten in unbekannter Sprache, die doch nur eines meinen: Verzweiflung. Er spürt die sauren Tränen auf der Zunge, bevor sie ihm noch in die Augenwinkel schießen. Ein Fremder. Diese zwei Worte geistern durch sein fiebrig nervöses Gehirn, sie lassen ihn nicht los, obwohl er doch schon alles losgelassen geglaubt hatte. Wie das Auseinanderbrechen eines Kontinents kommt ihm alles vor, obwohl das nicht ganz richtig ist: Nichts ist auseinander gebrochen, weil nichts da war, außer in seiner Einbildung, und allein diese Einbildung war schon zuviel. Zuviel der Hoffnung, der Träume, der Wunschbilder. Fremd sind sie einander. Jetzt. Und vielleicht ist es besser so.

Unerreichbare Liebe

Die unerreichbare Liebe ist die wohl radikalste Ausdrucksform dieses Gefühls. Der Liebende, ebenso sehr in die Idee der Frau seiner Vorstellung wie in die der reellen Frau verliebt, erlangt – selbst wenn er davon träumt, die, die er liebt, zu sehen und zu berühren – Befriedigung in einem sublimen, absolut reinen Begehren. Er schöpft aus diesem Begehren die Kraft, die er dafür braucht. Trotz der Unmöglichkeit seiner Liebe findet er hier die Quelle einer paradoxen Freude, die größer ist als der Besitz der Angebeteten, der oftmals schier unmöglich ist. Das Drama entsteht aus dem Schmerz, den er zwischen dem Wunsch, die Geliebte zu sehen, und dem Wissen, dass seine Liebe mit der Erfüllung dieses Wunsches vergehen kann oder sogar muss, empfindet.

Wohl ist der Tod das unausweichliche Ende eines Begehrens, das nicht befriedigt werden kann ohne zu vergehen, einer Leidenschaft, deren Erfüllung nicht in Glück und ehelicher Verbindung sondern in der Entsagung liegt.

Anmerkung: Das ist sicherlich ein Zitat, ich kann es aber nicht mehr zuordnen und eine Google-Suche nach Passagen daraus, findet nichts. Kann jemand helfen?

Outlook

Jedem wohl bekannt ist Microsofts Programm Outlook. Ich für meinen Teil habe das Programm insgesamt eine Woche lang benutzt und habe festgestellt, dass Outlook zu E-Mail und Terminkoordination für meine Zwecke – und ich habe durchaus viele Termine und einen regen E-Mail-Verkehr – absolut zu schwerfällig ist. Outlook Express/Mail ist für Mails optimal geeignet, die Terminverwaltung übernimmt iCal oder der Palm (und der ist in einer Aktionswoche beim Eduscho gekauft!) und ich bin vollkommen zufrieden.

Ein Kollege hat den Gebrauch von Outlook für Mail und Kalendertätigkeiten so beschrieben, wie ich es auch sehe:

Wer Outlook verwendet muss eigentlich ungeheure Lust verspüren mit dem Muldenkipper durch die Stadt zu fahren um sich eine Wurstsemmel zu kaufen. Oder verwendet man Outlook nicht auch zum Email schreiben? Ist ungefähr der gleiche Effekt. Nur dass der Muldenkipper einigermaßen sicher ist.

In diesem Sinne, liebe Outlook-Benutzer: Viel Spaß beim Surfen.

Freier Wille, etc.

Freier Wille, von der Materie unabhängiger Geist, keine Zusammenhänge zwischen Geist und Körper… Vor etwa sechs Jahren hatte ich eine Diskussion mit einer Kollegin bezüglich der chemischen „Steuerung“ unserer Gedanken. Ihr Argument, Gedanken sind frei!, wurde von mir entschieden verneint. Im damaligen Gespräch habe ich ausgesagt, dass es irgendwann Pillen oder eine andere Art der Medikation geben wird, welche Angst, Freude, Glück, Erregung, Ruhe, etc. aus dem Nichts heraus, also nur durch Einwirkung von Chemie, Spannung, etc., produzieren wird können. Sie verneinte das entschieden und meinte, es wäre niemals möglich, so etwas zu tun. Gestern erfreute mich ein Bericht im New Scientist, der mich bestätigte.

Nimbuistische Aktualisierung

Nimbus4DM hat es endlich getan: Textron.org wurde um den Eintrag „Nimbus4DM beim Zivildienst“ aktualisiert. Der Meister gibt preis, womit er sich den ganzen Tag beschäftigt, bzw. womit er den ganzen – oder, wenn’s nach Nimbus geht: den halben – Tag beschäftigt wird. Wie der Job auch immer sein mag – so oft und so regelmäßig war ich noch nie beim Chinesen.

Spam-Killer

Wie der Standard in seiner heutigen Ausgabe berichtet, werden US-Bürger doch noch Vorbilder für Europäer, Asiaten und alle anderen Mitglieder der Menschengemeinschaft: Berichtet wird über einen Amerikaner, der, genervt vom täglichen Spam-Müll in seinem Posteingang ganz einfach den Spieß auf seine Art und Weise umgedreht hat. Brooker, so sein Name, hat der Spam versendenden Firma ganz einfach gedroht, ihr „ein Paket voll mit Anthrax-Sporen“ zu schicken. Außerdem habe er einem Angestellten gedroht, ihn mit Hilfe einer Kugel zu entmannen, ihn mit einer Bohrmaschine und einem Eispickel zu malträtieren und im übrigen die Angestellten des ungenannten Internet-Providers zu kastrieren, bis sie ihn endlich von ihrer Email-Liste streichen würden.

Sonntagsarabesken #8

Die Alte Welt ist hinter dem Horizont verschwunden. Der Ozean umgibt uns. Noch leben wir. Wie lange noch? Die Unbescheidenheit trieb uns hinaus aufs Meer, angelockt von flackernden Lichtern am Rand der sichtbaren Welt. Kleine Glühwürmchen in einer stürmischen Nacht, fast verlöschend, dann wieder hoch empor lodernd, geisterhafte Flammen im Nichts. Abreise in das gefährlich Ungewisse. Dennoch: Man braucht sich nur über die Reling des Schiffes zu beugen und im schwarzen, zerfurchten Wasser die eigene fahle Gesichtsscheibe beim Zerrinnen beobachten. In solchen Momenten ist man nicht alleine. Spiegelbilder, vor allem die verzerrten, sind stumme Boten einer anderen Wirklichkeit, der es an Aufregung und Ängsten fehlt (deshalb lockt sie singend die Barken an ihr Felsenriff), die stets möglich und doch für immer von uns getrennt sein wird. Wie die Leuchtfeuer am anderen Ende des Meeres, von denen wir beim Aufbruch auch nicht wußten, ob wir sie nur geträumt oder tatsächlich gesehen hatten. Wie die Inseln irgendwo da draußen und die ineinander verkeilten Eisscholen der nördlichen See, von denen wir so oft hörten in den kühlen Patios von Salamanca, während die Orangenbäume blühten. Wie das Lächeln der Frauen, deren Körper wir hitzig besitzen wollen, deren unverstehbare Gelassenheit uns zugleich aber wahnsinnig werden läßt. – Über all diese Gedanken ragen Schatten der Vergangenheit (ein Gebirge, aus dem man geflohen ist, an den Strand gelaufen, mit fliegenden Haaren und rasselndem Atem, der hoch getürmten Felswüste scheinbar entkommen – doch plötzlich liegt mit eisiger Kälte der Schatten, das lichtlose Ungeheuer über meinen Schultern), es sind mächtige Bilder, die einander ablösen und ergänzen und schließlich aufheben. Farbige Bilder, gewölbt wie Regenbögen und beinahe genauso schillernd. Das Gesicht eines Mädchens mischt sich mit meinem Gesicht im Wasserspiegel, ich weiß nicht, wo die blassen Farben enden, wo das Fleisch beginnt, alles fließt ineinander und hebt sich doch untereinander ganz deutlich ab (scharfe Konturen, im Mondlicht?). Das Mädchen, ja, das Mädchen, Grund für den Aufbruch, Anlaß für die Ängste und Schmerzen, Auslöserin für die Besinnung und die Liebe, die beiden einzigen Dinge, die eine Fahrt ins Nirgendwo nicht absurd erscheinen lassen. Gesicht in Gesicht verschmolzen, das Schiff wiegt sich im sanften Seegang, und die Feuer am Horizont peitschen mit blauer Flamme über die Bäuche der Nachtwolken. Ich liebe. Nach wie vor.

Go Wok

Ich habe mich heute in das neu eröffnete Wok-Restaurant „Go Wok“ begeben und mich an einem Cola, einer Veg Roll (auszusprechen „wegroll“) und einem Lemon Grass Chicken (Hühnerbrust gegrillt, mit Karotten, grünem Paprika und Pfefferoni, im Wok gebraten. Bestreut mit Zitronengras, Chili-Schoten, Knoblauch und Minze. Mit Reis.) erfreut. An sich bin ich mit den Speisen zufrieden gewesen, nur ein Hinweis sei dem werten Leser auf den Besuch in diesem Lokal mitgegeben: Die Speisen schwimmen teilweise in einer äußerst wässrigen Sauce. Fällt einem also das Lemon-Grass-Henderl auf den Teller weil man sich gerade an der ultrascharfen Chilischote die Zunge verbrennt, dann spritzt es nicht nur auf Anzug und Krawatte, sondern bekleckert auch die nette Begleitung!

Sonntagsarabesken #7

Auf einer fernen Insel sitzt das Grauen und leckt sich die Lippen. Ihr wollt wissen wie es aussieht? Ob es tatsächlich blaue Fingernägel und aschgraue Wimpern hat, und ob sein dreifach flammender Drachenschwanz wirklich mit giftig goldenen Schuppen geschmückt ist? Nun, ich weiß es nicht. Ehrlich gesagt, nicht einmal die Gestalt der besagten Insel kann ich hinlänglich beschreiben. Durch das große Fernrohr (kunstvoll geschliffene Linsen im kupfernen Gehäuse) scheint sie einmal winzig, nierenförmig und von Palmen bedeckt, dann wieder als gewaltiger schroffer Felsen, an dem sich die Wellen schaumig brechen; beim dritten Hinsehen ist sie schließlich dicht von Wolken und Nebelschwaden umgeben, und nur ein Feuerschein am Horizont kündet von dem vulkanischen Toben, das ihr Herz erschüttert. Weder die Insel noch das Grauen können also von mir mit Worten geschildert werden. Ich bin machtlos vor dem Schweigen einer im Dunklen nagenden Ungewißheit; weit entfernt, und doch mitten in meinem Magen, dort hat sich das Grauen eingenistet, auf seiner geheimnisvollen Insel. Alles hat sich in den Handstand begeben, langsam und so behutsam, dass mir die Umkehrung erst jetzt so richtig bewußt geworden ist. Wie eine plötzliche Übelkeit fühlt sie sich an, die Erkenntnis nämlich, dass jede einzelne Entscheidung zu jeder Zeit gleichzeitig richtig und falsch sein kann. Das ist meine derzeitige Verfassung. Eine einzige Note in dieser großen, großartigen und schrecklichen (grauenvollen) Melodie leicht verfehlt, falsch angesetzt, und die Linie verändert sich; die Lebenslinie, in diesem Fall. Deshalb ist das Grauen so zufrieden auf seiner entlegenen Insel (im Ozean der Verzweiflung). Es hört die wunderbarste Horrormusik, die auf Erden vorstellbar ist, das Säuseln und Singen unendlich vieler Existenzmöglichkeiten, die nie Wirklichkeit geworden sind und derentwegen sich die lächerlichen Menschenwürmer ihr Leben lang die Köpfe zermartern. Ein Festkonzert der Verzweiflung dringt an die Gestade der fernen Insel, übertönt das Rauschen der Brandung, das Donnern des Vulkans, die Vogelstimmen des Dschungels. In meinem Fall hat eine unbedachte Hand die Partitur geschrieben; die Finger einer wunderschönen, aber mir völlig emotionslos gegenüber stehenden Künstlerin haben die Feder geführt; und die Tintenkleckse, die mir so durch das Herz geschnitten sind, fügten sich zu einem fremden Liebeslied. Und die Insel verschwindet im Nebel…

Finanzielle Freiheit

Das eigene Verdienst ist der erste Schritt zur Unabhängigkeit. Manche arbeiten bereits in der Schulzeit, andere fangen in der Studienzeit an, aber eigentlich weigert sich niemand, bis auf einige Idealisten, prinzipiell, zu arbeiten. Es gibt allerdings Ausnahmen. Es gibt ein weibliches Wesen in meinem nähesten Umfeld, dass sich dauer- und standhaft weigert zu arbeiten. Es lässt sich aus falschem Stolz keine Order erteilen, es will sich aus absoluter Egomanie nicht unterwerfen. Beziehungsunfähigkeit ist klarerweise damit einhergehend, Verliebtheit bezieht sich auf infantile Wunschvorstellungen. Das kindliche Dagegensein und das ewige Wider machen es ihr allerdings umso schwerer, denn die so lang ersehnte und oft proklamierte Unabhängigkeit wird ein Wunschtraum bleiben – unter dem Joch der Eltern.