Zeit: siehe Ort

Die Notiz „Zeit: siehe Ort“ ließ mich grübeln: Hat den Autor dieser Worte die Frage nach dem Wesen von Raum und Zeit gequält? Fand er nach langem Überlegen seine Lösung? Stellte er fest, dass Raum und Zeit Verhältnisse der Gegenstände sind, von denen sie abhängen? Überlegte er, ob diese Verhältnisse ohne Gegenstände nichts wären oder aber Bestimmungen, die den Dingen anhängen, und unabhängig von aller Wahrnehmung derselben sind?

Kam er womöglich zu dem Schluss Schopenhauers, dass die Wirklichkeit, wie wir sie kennen, Erscheinung ist, rein unsere Vorstellung? Haben für ihn auch Raum und Zeit nur in Verbindung mit unserer Erfahrung eine Bedeutung? Bedeuten sie außerhalb unserer Erfahrung nichts?

Diese Überlegungen, diesen Autor musste ich kennenlernen, um mich mit ihm im Disput auszutauschen, doch die dahinterliegende Wahrheit wurde mir allzu schnell klar, als ich das Kürzel darunter sah: „Zeit: siehe Ort“ ist, ganz simpel, die schriftliche Bekundung sekretärischer Faulheit und bezieht sich rein auf die Struktur des Dokuments!

Euroscheine

Bekanntlich haben sich ja einige Länder zu der wahnwitzigen Idee bekannt, Zwei- oder gar Eineuroscheine einzuführen. (Jeder, der die USA schon einmal besucht hat, weiß, was das bedeutet!) Bei einer Online-Umfrage auf derstandard.at hat sich natürlich die illustre Forumsgesellschaft zusammengefunden und regen Ideenaustausch betrieben. Unter anderem auch, wie denn die neuen Scheine aussehen sollten:

Momentan sind auf den sieben Euroscheinen wesentliche Epochen der europäischen Kulturgeschichte abgebildet, und zwar in chronologischer Abfolge, beginnend beim Fünfeuroschein mit der Klassik, Zehneuroschein Romantik, bis hin zum 500-Euroschein, der das zwanzigste Jahrhundert darstellt.

Wie sollte man nun, so fragte man im Forum die „Freunde von zusätzlichen, kleineren Euro-Scheinen“, die Ein- bzw. Zweieuroscheine gestalten? Nimmt man die kulturellen Epochen Europas her, so bleibt nur mehr ein Abbild von Pfahlbauten für den Zweieuroschein und Höhlenmalereien für den Eineuroschein übrig. „Ein Höhleneingang auf dem Geldschein wär schon ziemlich gut und auf der Rückseite ein umgestürzter Baumstamm, der über einer Schlucht liegt – für das Brückensymbol.“

„Womit die ewiggestrigen Quengel-Europäer sich wieder einmal durchgesetzt hätten, und wir voller Zuversicht in die Vergangenheit schauen können!“

Gab’s wieder und wünscht noch einen angenehmen Tag!

Sonntagsarabesken #1

Die Tröstungsmaschinerie des Lebens läuft auf Hochtouren. Und das ganz von selbst.

Wäre da draußen, in dem grellen Licht, das wir Welt nennen, nicht der Unterton des Glücks gegenwärtig… ja, was dann? Müsste man im Falle einer solchen Leere an der kalten Schulter emotionsloser Wesen zugrunde gehen? Oder, viel schlimmer, weiter vegetieren in der Hoffnung auf Besserung? Diese Bemerkungen können nur persönlich gehalten sein, so glaube ich. Bei einer Außentemperatur von um die zehn Grad plus und schneidender Windeskälte ist diese sehr „persönliche“ Assoziation also durchaus gerechtfertigt. Ich denke, dass die Architektur des Wirklichen, der so genannten Realität, die kontrollierte Gefühlskälte mancher (bestimmter, oder gar: eindeutig benennbarer) Personen sowohl begünstigt als auch von vornherein zur falschen Methode degenerieren lässt. Einerseits bringen uns die Psychoanalytiker und Therapeuten bei, dass nur wir selbst unser Leben in der Hand hätten, dass wir rational denkend die beste Chance zur konfliktfreien und in Balance befindlichen Existenz besäßen. Auf der anderen Seite scheitern wir in jedem kleinen Detail, wenn wir Gefühle nicht zulassen oder, noch schlimmer, uns selbst vorschreiben, wann wir sie erlauben und wann wir sie verbieten müssen. Dieses Scheitern an der eigenen Kontrolle ist unausweichlich; auch wenn das Vorgehen einige Zeit lang von Erfolg gekrönt sein mag. Denn innerhalb einiger weniger Stunden verschieben sich alle Kulissen der Lebenskomödie, die zuvor noch als tragisches Rührstück erschienen war, und alle Vorzeichen haben sich ins Gegenteil verkehrt. Keine Form der Kontrolle kann in diesem Fall noch ihre Wirksamkeit bewahren. Wenn man schließlich alleine durch die herbstlich staubigen Gassen wandert und den Wind im Nacken spürt, sich dabei an das Gesicht gewisser Mädchen nur noch schemenhaft und undeutlich erinnert, wenn man zusieht, wie sich die Blumen in ihr welkes Alter fügen, und die verlorenen Stellungen auf dem Schlachtfeld der Liebe mit zerfetzten Fahnen zu räumen beschließt; dann haben alle Wichtigkeiten ihren Platz gewechselt und die Bühne wartet verlassen auf den Beginn der nächsten Szene.

Tanzschulgeschehen

Ein Gastbeitrag von John Stone.

Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.

Arthur Schopenhauer

Man könnte meinen, dass die Tore der Tanzschule Elmayer der Eingang zu einer besseren Welt sind, durch die man hindurchgehen kann, um in eine Gesellschaft flüchten zu können, deren Kennzeichen (im wahrsten Sinne des Wortes) das gute Benehmen ist. Doch leider ist dem nicht so.

Wie ich gestern am eigenen Leib erfahren musste, ist für das Personal dieser Institution der Leitsatz „Gutes Benehmen immer gefragt!“, nichts als eine Phrase. Denn anstatt meinen Gruß mit einem Gegengruß zu erwidern, wurde er schlichtweg ignoriert. Auch vom Meister höchstpersönlich. Erst auf dem Weg in den Tanzsaal wurde ich von einer Angestellten gegrüßt, was jedoch die Ausnahme darstellen sollte.

Während des Kurses selbst musste ich mitansehen, wie der Meister himself über nicht talentierte oder schlechte Tänzer lacht.

Nachdem schließlich der Kurs zu Ende war, wollte sich ein amicus meus am Sekretäriat sein mobiles Telefon abholen, wurde dort aber nur mit der Frage konfrontiert, ob er denn die das Handy bereithaltende Sekretärin heiraten wolle. Diese nicht gerade diskret gestellte Frage erwiderte dieser mit einem Lächeln, nahm sich anschließend das Handy und verließ entrüstet die Tanzschule.

Oktoberfest

Thomas S.-E., unser personifiziertes Lieblingsthema, blamiert sich und die Idee hinter seinem Unternehmen wieder einmal: Er hat vorgeschlagen, am 19.10. (und so wird es auch geschehen) ein Oktoberfest mit (allerdings alkoholfreiem) Freibier zu veranstalten. Das Event-Team muss natürlich herhalten und wurde eingeteilt, das Fest zu organisieren.

Kleidungsvorschrift: Lederhosen, Steireranzug (oh je, der Herr Projektleiter und seine Dragonertheorie lassen grüßen) für die Herren, Dirndl oder Ländliches für die Damen.

Der intellektuelle Prolet 1

12:00 Uhr
Aufstehen. (Evtl. Bier zum Frühstück).
12:30 Uhr
Mittagessen beim Chinesen. (Evtl. Treffen mit Kumpanen).
16:00 Uhr
I. vom Flughafen abholen. (Evtl. Toilette aufsuchen).
20:00 Uhr
L. besuchen. (Evtl. Toilette aufsuchen).
22:00 Uhr
L. um einen Espresso bitten. (Evtl. auch zwei).
01:30 Uhr
D. besuchen. (Evtl. baden).
02:00 Uhr
M. besuchen. (Evtl. Einnahme von alkoholhaltigen Getränken).
02:45 Uhr
Schlafen gehen. (Evtl. Bier für den Morgen herrichten).

Geschwätz

Der Mann mit der steinernen Miene hat mich wiedereinmal durch unnützes, besserwisserisches Geschwätz dorthin gebracht, wo seine Verwandtschaft Bananen pflückt.

Darum dieser Aufruf, der auch erklärt, worum es geht: Wer mir ein Bild eines österreichischen Dragoners in Steireranzug mit Degen/Schwert/etc. und „irgendwelchen Dingen“ in der (linken) Innentasche zeigen kann – sei’s online oder in einem Buch -, das belegt, dass bei fünf Knöpfen die drei mittleren und bei vier Knöpfen die zwei mittleren Knöpfe zu schließen sind, der nenne ein Bier auf meine Kosten sein Eigen.

Hochstapelei

Es gibt Menschen auf Erden, deren Hochstapelei schier grenzenlos zu sein scheint. Neuester Fall: Der Artikel „Zeitgeist: Kein Pardon im Salon“ (Profil, Nr. 39/03).

Von Jahr zu Jahr (teilweise sogar von Tag zu Tag) wächst die Qualifikation des Herrn mit der „steinernen Miene“ stark an. In den letzten Jahren avancierte der hochbegabte Schüler bemerkenswerter Weise zum universellen Meister. „Universell“ ist hier wortwörtlich zu verstehen, denn es gibt kein Gebiet, auf dem er nicht bereits die höchsten Dekorationen erlangt hätte.

Im März 2002 war er Tanzlehrer („60. Ball der Pharmazie 2002“ ÖAZ Aktuell Ausgabe 3/2002). In dieser Funktion, so wurde in der Presse berichtet, hat er sich auch einige Choreographien abgesch…, Entschuldigung!, ausgedacht. Wohlgemerkt: in den Bergen, auf seinem Privatgrundstück auf seinem Privatpferd (sicherlich ein Araber, eventuell aber auch ein Trakehner) dahinreitend, den Sonnenuntergang genießend, bevor er sich im Golfclub mit den Industrie- und Wirtschaftsgrößen unserer Tage über das Blauflossenthunfischen unterhalten hat.

Nun, heute ist er bereits Packlsch…, Verzeihung!, Projektleiter in einer Logistikfirma und plant das Softwarebündel für ein weltweites Logistiknetzwerk. Seine reichhaltigen Kenntnisse der Datenbanksoftware stammen aus jener Zeit, in der er Access-Datenbanken programmierte, die mit ihrer Kompatibilität und ihrer Benutzerfreundlichkeit sowie Funktionalität jeden professionellen Programmierer (sicherlich vor Neid) weinen ließen.

Doch die Koordinierung, die Programmierung und der Sport sind noch lange nicht alle Talente des auch meisterhaften Kochs, leidenschaftlichen Liebhabers und einzigen Kenners aller Weine dieser Erde: Er ist natürlich auch fachkundiger Jurist, kritischer Philosoph (seine Diskussionen über die Gebiete der Politik und der Kunst werden in naher Zukunft als Lehrbücher verlegt), ausgebildeter Mediziner und Kenner der Gesellschaft. Seine in Mindestzeit abgeschlossenen Studien (Rechtswissenschaft, Betriebswirtschaft und Supply Chain Management) erlauben ihm ein sorgenfreies Leben.

Während andere bei einer solchen Qualifikationsfülle und solchen Kontakten bereits den Boden unter den Füßen verlieren, so blieb er stets dem einfachen Volk treu: Er hat sich bereits großzügig angeboten, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für ein erfolgreiches Unternehmen aufzusetzen (!), er hatte auch die visionäre Idee, die Kurskarten einer Tanzschule in Form von preisgünstigen Chipkarten herzustellen und er ist natürlich auch auf dem Gebiet der Kunst eine Koriphäe, wie etliche von ihm gestaltete Plakate beweisen.

Impact ist nun einmal die beste Schriftart für einen vornehmen Ball, oder?

Fuerteventura

Fuerteventura ist wirklich nicht mehr als ein Stück Wüste mitten im Atlantik. Um die Insel herum wird gesurft, gebadet und an den Stränden Geld für alkoholische Getränke ausgegeben. Mir war das alles von Anfang an zu blöd und der erste Task des gerade eben begonnenen Urlaubs lag darin, herauszufinden, was man denn außer Surfen, Saufen und Sex noch auf der Insel machen konnte.

Sieht man sich eine Landkarte von Fuerteventura an, so scheint diese Aufgabe natürlich völlig unmöglich, denn was kann man schon in einer Wüste, aus der ein paar Hügeln herausstehen, machen? Wo man nicht hinschaut werden Touristenstädte gebaut, wo man nicht hinkommt, schlapfen Touristen herum und regen sich über die Hitze auf, wo man nicht stehenbleibt, war schon ein Deutscher, ein Italiener oder ein Brite da. Gibt es denn keinen einzigen Ort, an dem noch kein Tourist oder zumindest wenige davon waren?

Informationen, Gefahren

Nun, ich hatte ein Büchlein über Fuerteventura gefunden, das Fuerteventura als blühendes Eiland beschrieb, mit saftig-grünen Wäldern, einer unglaublichen Ansammlung an sonst in diesen Breiten nicht auffindbaren Pflanzen, kurzum: die Insel muss einst ein wahres Paradies gewesen sein. Weiter konnte man in diesem Büchlein Informationen darüber finden, dass an der Westküste starke Strömungen schon viele Touristen für immer ins Meer befördert hätten, ebenso wie Schiffe, die dort auf Grund gelaufen waren. Ich las von einem wunderschönen Sandstrand im Norden der Insel, der für seinen weißen Sand bekannt war. Ich staunte über die Behauptung im Buch, dass es doch noch Strände gab, die aufgrund ihres unwegsamen Zugangs von Touristen nicht bevölkert wurden und Dörfer, die tatsächlich noch vom Tourismus unbescholten ihrem Alltag fröhnten. Ebenso erfuhr ich, dass auf Fuerteventura ein ganz besonders eigenartiges religiöses Leben herrschte, das auf einer Mischung aus fast schon fundamentalistischem Christentum mit Elementen aus schamanischen Religionen, Voodoo und der Verehrung von Seegöttern einherging. Zur See sind in Fuerteventura schon viele gestorben, besonders Schwimmer, die die Tücken bestimmter Strömungen nicht kennen, die es einem nicht ermöglich hinaus aufs Meer zu schwimmen, aber auch nicht, wieder an den Strand zu gelangen. Nun da war ich, auf dieser seltsamen Insel, die man als Normaleuropäer nur als Surfparadies kennt.

Ich hatte genügend Zeit, um mich all dem Gelesenen in natura zu widmen, lieh mir ein Auto und legte mit dem Besichtigen los. Gefahren sind Gefahren und wer nichts riskiert, wird auch nichts zu sehen bekommen.

Wasserwalzen

Der erste Ausflug führte mich an die Westküste von Fuerteventura und es war kein Fehler, den Ort herauszusuchen, der noch etwa einen Kilometer Fußmarsch von der Hauptstraße entfernt war. Der Tourismus in Fuerteventura polarisiert enorm: Es gibt die Sportler, die surfen sowieso, es gibt die Trinker, die sind sowieso bis kurz vorm Abflug nicht ansprechbar und es gibt diejenigen, die sich dann doch die Mühe machen und versuchen mehr zu sehen als nur das, was im Hofer-Reisen-Katalog drinsteht! Der Strand, an dem ich landete, war mindestens einen Kilometer lang, dunkler Sand, dunkelblaues Meer und ein Nachteil: kurz, bevor das Wasser sich im Sand verlief, wurde aus jeder noch so kleinen Welle eine zwar nur fünfzig Zentimeter hohe, jedoch ausreichend starke Wasserwalze, die mich mühelos und mit größter Wucht an den Meeresboden drückte. Hat man sich allerdings einmal an diesen Druck gewöhnt und bekam das Auge dafür, konnte man dieser Walze elegant entgehen.

Einsame Pfade und verlassene Buchten

Die Westküste hatte aber noch mehr zu bieten. Verließ man sich weniger auf die Karte und mehr auf das, was man tatsächlich sehen konnte, so eröffneten sich wunderschöne Landschaften, die allesamt nahezu vom Menschen unberührt schienen. Ich entdeckte einen Pfad entlang der Küste und folgte diesem etwa eine halbe Stunde lang und es zahlte sich aus, denn ich wurde belohnt mit einer Bucht, die lediglich mit ein paar (einheimischen) Fischerbooten belegt war, sonst aber unberührt.

Die Bucht bestand aus einem regelrechten Gewirr an Höhlen und Höhlensystemen, die teils unter dem Meeresspiegel lagen, was sie zu tödlichen Fallen für diejenigen machte, die aus Interesse am Gesehenen Ebbe und Flut vergaßen.

Totenverehrung

Dass hier auch viele umgekommen sein dürften, darauf ließ auch die Ansammlung von Kultstätten am Pfad entlang schließen. Ob es Schreine waren oder nicht, weiß ich nicht, aber die fast schon pervertiert Art, wie sie hergerichtet waren, ließ mich abermals an die Informationen aus dem Fuerteventura-Büchlein denken.

Da waren Teile von oder ganze Puppen ausgestellt, teilweise fanden sich Knochen von Tieren wieder, tote Vögel, die zur Hälfte in ausgebrannten Kerzenständern aus Plastik steckten – diese Art der Totenehrung war anders und ich ließ es dabei bleiben, ein Foto zu machen und weiterzugehen.

American Star

Ähnlich gruselig war der Zugang zu einem der am besten erhaltenen Schiffswracks der Welt: der American Star.

Auf Informationsmaterialien des Hotels kaum zu finden, gab es das Wissen um das Wrack dennoch – und zwar weiter verbreitet als ich es angenommen hätte! Fast alle im Hotel wussten davon, niemand allerdings war je dort gewesen. Man warnte diejenigen, die dahin wollten, dass es gefährlich sei (überhaupt scheint es mir eine Angewohnheit aller Südländer zu sein, alles immer als gefährlich einzustufen), wobei ich in der Warnung eher mehr die Angst vor dem Verlust sah, die das Fernbleiben eines Gastes im hiesigen Restaurant verursachte. Aber am Ende kam ich dann doch zu einer Karte, die vernünftig genug war, um mir den Weg zum Wrack zu zeigen. Das Problem, mit dem ich konfrontiert war, war die örtliche Nähe des Wracks zu einem militärischen Übungsgelände. Die direkte Straße führte durch das Sperrgebiet, die Umfahrung verlängerte den Weg um etwa sieben bis zehn Kilometer. Blanca, meine Begleitung und treue Weggefährtin sollte noch darunter leiden, dass ich mich für die Umfahrung entschieden hatte.

Anfahrt

Vom Hotel weg fuhren wir mit dem Auto die (betonierte) Straße entlang bis kurz vor „Pájara“, dort bogen wir ab auf einen Feldweg, der so dermaßen schlecht war, dass meine Sorge, die Reparatur des Autos zahlen zu müssen größer war als die Lust, der Bequemlichkeit zu huldigen. Zu Fuß ging es dann weiter. (Ich habe eine Google-Karte unseres Fußmarsches erstellt, damit der Wahnsinn auch ordentlich visualisiert wird!) Und obwohl wir am Abend von der Rezeptionistin kopfschüttelnd gefragt wurden, warum wir denn nicht mit dem Auto gefahren seien, so war es doch ein Erlebnis der besondern Art, die Langsamkeit und den buchstäblichen Zugang zum Schiff gleichzeitig zu erleben.

Das Dorf

Geht man zu Fuß, so kann man einen Graben vor der eigentlichen Abbiegung der Straße zum Strand hinuntergehen. Und hier eröffnete sich mir eine Welt, die mir bis dato nur aus Filmen bekannt war: da stand, mitten in der Wüste, ein Zeltdorf. Und es stand da bestimmt schon länger, denn es waren bereits Sanitärräume eingerichtet worden (zwei Zelte mit einer dazwischen befestigten Duschvorrichtung), die Menschen hier hatten offenbar das Zeltdorf als Postadresse angegeben, denn man konnte einen Briefkasten sehen und jemanden, der gerade Post austrug, kurzum: hier fanden sich Aussteiger und solche wieder, die von der Welt da draußen ihre Ruhe haben wollten. Wir marschierten quasi die Hauptstraße entlang und der Anblick war fantastisch, denn hier die zerbrechlichen Zelte, die Jeeps, die mühevoll herangekarrten Wohnwagen und im Hintergrund erhob sich majestätisch und doch zerbrochen, das Schiffswrack der American Star!

Das Landesinnere

Das Landesinnere von Fuerteventura besteht aus einer Ansammlung von Kuhkaffs und größeren Dörfern, wobei die Kaffs wesentlich mehr Charme hatten und in mir wesentlich mehr Interesse weckten als die größeren Dörfer. Letztere waren nämlich Kaffs mit einem Shopping-Center daneben und da hört’s bei mir auf. In den Kleinstdörfern, hingegen, konnte man tatsächlich noch „Ureinwohner“ sehen, die ebenso erstaunt auf uns blickten und wenn sie uns ansprachen, erklären wollten, wie wir wieder zur Hauptstraße kommen.

Der Friedhof (samt Kirche und nicht umgekehrt) scheint in Fuerteventura dem zu entsprechen, was bei uns in deutschsprachigen Landen der Hauptplatz ist. Hier sitzen die alten Männer und Frauen, rauchen, tratschen und sehen den Katzen beim Schlafen zu, hier ist der Mittelpunkt der Welt. Daher sind diese Friedhöfe, vor allem ihre Zentren, meist äußerst hübsch gehalten, gepflegt, mit Blumen geschmückt und daher stark duftend. Ich kann jedem nur empfehlen sich in irgendeines dieser Dörfer zu begeben und am Hauptplatz des Friedhofs eine oder zwei Stunden einfach nur dazusitzen und der Stille zuzuhören!

Umso krasser wird dann der Gegensatz wahrgenommen, wenn man im von saufenden, rauchenden und – per Animationsprogramm dazu angestiftet – singenden Menschen angefüllten Clubhotel wieder ankommt.

Venedig 1997

1997 machten wir von der Schule aus eine mehrtägige Reise nach Venedig. Es gab zwei Möglichkeiten diese Projekttage zu verbringen: Entweder man war in der Zeichnen/Malen-Gruppe oder man fotografierte. Ich entschied mich damals für die Fotografie-Gruppe und bereue es bis heute nicht. Ganz im Gegenteil! Auf die Fotos, die wir damals geschossen und analog ausgearbeitet haben, bin ich noch heute stolz. Die Bilder hier habe ich etwa zehn Jahre später eingescannt und ein wenig retuschiert.