Ö1 hat die Podiumsdikussion anlässlich der Präsentation Matthias Beckers Buch „Automatisierung und Ausbeutung. Was wird aus der Arbeit im digitalen Kapitalismus?“ in Digital.Leben übertragen. In der Diskussion kamen Fragen auf, wie „Wie kann man mit Arbeitsformen umgehen, die durch die Digitalisierung erst geschaffen wurden, zum Beispiel wie auf der Plattform Uber?“, „Wie steht es da mit Ausbeutung und Überwachung?“. Und „Was kann man tun, um Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein?“

Besonders zur letzten Frage hat die Historikerin Andrea Komlosy die Unwirksamkeit des „kleinen, persönlichen“ Tuns betont und auf die Notwendigkeit der Politisierung hingewiesen:

Jeder glaubt ja, er oder sie trägt irgendwie mit der kleinen, persönlichen Lebensführung […] ein wenig zur Rettung der Welt bei, aber ich glaube […], dass eine Repolitisierung stattfinden muss. Wir beobachten meiner Meinung nach das Ende der Massenparteien, das mit dem Ende der industriellen Massenproduktion in der Fabrik einhergeht; und das ist das Ende der bürgerlichen Politik. Der Sozialdemokratie geht das politische Subjekt, nämlich die Arbeit der Arbeiter, verloren, und auch die Christlich-Sozialen wissen […] nicht mehr, welchem Bund sie noch nachweinen sollen. Es geht darum, eine Repolitisierung zu betreiben, weil nur so kann man die Bedingungen für die Ausgestaltung der Technik überhaupt vorantreiben.

Oder im Klartext: Auf Uber verzichten bringt, zumindest aus dieser Sicht, nichts.

Dirty Dancing wurde mit Abigail Breslin (Little Miss Sunshine) und Colt Prattes (Wer? Colt Prattes. Kenn ich nicht. Ich auch nicht.) neu verfilmt. Alles, was ich an Ausschnitten dieses Films gesehen habe, ist peinlich, furchtbar oder, noch häufiger, beides gleichzeitig.

Ganz besonders daneben ist in der Neuverfilmung aber das große Finale, der Tanz zu „Time of my Life“. In der Version aus 1987 stilisiert der Regisseur Emile Ardolino (ja, ich habe nachgesehen, wie er heißt, ich weiß sowas natürlich nicht auswendig) eine tänzerische Hebefigur zur Klimax einer gut eine Stunde dauernden Erzählung über die Emanzipation Baby Housemans von ihrem bisherigen, vom Vater bestimmten Leben – und sie reißt alles mit: Selbst die anfangs lediglich als Tanzroboter fungierende Figur des Johnny Castle verwandelt sich in diesem Moment vom langweiligen und verantwortungslosen Draufgänger in eine charismatische Person, die letzten Endes den gesamten Kontext für die Möglichkeit dieser Loslösung Babys von ihrem Vater darstellt. (Und dem Vater taugt’s eh, die Mama ist stolz und wuschig, die Schwester neidig und überhaupt sind alle froh, aber das ist ja auch Unterhaltungskino.)

Im wunderbaren Original aus 1987 hat man bei Jennifer Grey und Patrick Swayze keine Sekunde lang das Gefühl, sie würden beim Tanzen zögern, keinen Spaß haben, oder, viel banaler, ihre Schrittfolgen oder die Figuren nicht beherrschen. Dieser Gedanke kommt bei uns Zuseherinnen und Zusehern gar nicht erst auf, weil wir der finalen und damit auch den Film abschließenden Hebefigur entgegenfiebern. Und obwohl spätestens beim Nicken Babys auf die Aufforderung Johnnys hin ganz klar ist, dass alles nur wenige Sekunden später gut gehen wird, lehnen wir uns dann doch mit einem Lächeln auf den Lippen wieder ins Sofa zurück, als Baby die Figur erwartungsgemäß, aber mit der für so einen Film notwendigen Portion Glück, gut gelingt. (Und alle tanzen mit, jeder mit jedem, es finden sich Paare, von denen man nicht vermutet hätte, dass sie überhaupt miteinander können… kurzum, alles endet in einer Tanzorgie, wie wir sie von Tanzfilmen mittlerweile gewohnt sind. Tanz, Tanz, überall. Kurz, bevor der Abspann einsetzt und eine Weitwinkelaufnahme die Szenerie in ein Hintergrundbild umwandelt, wird uns damit noch einmal mitgeteilt: Alles ist nun gut. Wirklich alles.)

Beim missglückten Versuch aus dem Jahr 2017 kommt man hingegen aus dem Fremdschämen gar nicht erst heraus. Bei jedem Schritt habe ich mich gefragt, ob sich, was auch immer Abigail Breslin und Colt Prattes da gerade vorhaben, überhaupt noch irgendwie im Takt der Musik ausgeht. Und nein, ich spreche bewusst nicht von den Figuren Baby und Johnny, denn zu dem Luxus, mich auf die Dramaturgie und die Charaktere zu konzentrieren, kommt es nie! Ich spreche von Abigail Breslin und Colt Prattes, denn sie – und nicht ihre Rollen – sind mit ihrer Tollpatschigkeit einfach zu präsent. Und selbst wenn ich so tue als ob ich die Rollen betrachten würde, wenn ich es mir also ganz fest einrede, ja, selbst dann wird es nicht besser! Die doppelte Pirouette, die Patrick Swayze 1987 nach seinem Sprung von der Bühne dreht, wurde 2017 durch eine einfache, vertikale Judorolle oder sowas Ähnliches ersetzt. Der Anlauf zur wichtigsten Figur des ganzen Films wirkt einfach völlig falsch und in der Choreografie deplatziert. Man möchte Breslin fast nachrufen, sie solle doch aufpassen, denn da steht wer im Weg! Warum sie kurz vor dem Anlauf von irgendwelchen, gerade in der Gegend herumstehenden Menschen einfach mal hochgehoben und wieder hinuntergesetzt wird, weiß und verstehe ich auch nicht. Sinn macht das alles keinen.

Und die alles entscheidende Hebefigur? Was ist aus der wichtigsten Szene des ganzen Films geworden? Prattes hebt Breslin hoch und lässt sie wieder hinunterfallen, that’s it. Das Herunterfallen kaschiert Prattes mit einer Art Umarmung, die aber selbst wiederum so aufgesetzt wirkt, dass sich der Regisseur dieser Peinlichkeit, Wayne Blair (auch den Namen habe ich natürlich in der IMDB nachgeschlagen), in der Nachbearbeitung offenbar bemüßigt sah, sofort wie wild zur Schwester zu schneiden, bevor er uns wieder das Tanzpaar zeigt, das mittlerweile in den Versuch eines kabarettistisch-persiflierten Paarungsrituals übergegangen ist, bei dem das Männchen in elliptischen Bahnen um das Weibchen läuft und an den Polen dieser Ellipse Posen einnimmt, während das Weibchen krampfhaft versucht zu verstehen, wie es überhaupt zu all dem kommen konnte. (Und genau das denke ich mir auch.)

Einige der Kommentare auf YouTube sprechen mir hier wirklich aus der Seele, wenn es da beispielsweise heißt: „This is like a bad surprise wedding dance…“ (meine Güte, ja, ja!, das ist es, was ich da gerade gesehen habe!) oder „It’s like they didn’t even try to dance.“ (Exakt.)

Wie kann man einen Film nur so dermaßen verhunzen?

Hier gibt es eine interessante Liste von Firefox-Addons für den Datenschutz. Die meisten verwende ich ohnedies, aber diese beiden kannte ich nicht:

  • Decentraleyes lädt häufig genutzte Libraries und Dateien, die für gewöhnlich von Google, Microsoft, CloudFlare und anderen zentralen Diensten bereitgestellt werden, lokal herunter. Das lässt Websites nicht nur schneller laden, sondern verhindert auch die Zugriffe auf die genannten Dienste. Das Addon gibt es auch für Google Chrome.
  • Google Redirects Fixer & Tracking Remove schreibt die mit Redirects ausgestatteten Google-Links auf die korrekten URIs um.

Beide habe ich sofort installiert und damit auch in meine Beitragsserie zum Thema „Firefox sichern“ aufgenommen.

Dave Winer relativiert seine Aussage zum Thema Facebook.

Facebook can get back in my good graces by supporting four things in common posts: 1. Linking. 2. Simple styles. 3. Titles. 4. Enclosures (for podcasting). If they did that I will become a Facebook evangelist. I want Facebook to become an excellent blogging surface. It would be good for blogging. Possibly very good. And it would help Facebook and the open web hook up. We could become friends. ;-)

Das glaube ich nicht. Facebook ist und bleibt das Gegenteil eines offenen Web. Selbst wenn der Werbekonzern Winers vier Wünsche erfüllen würde, wäre die Plattform nur erweitert, keinesfalls aber offen. Nicht nur schränkt Facebook das Internet in seinem Walled Garden ein, der Konzern animiert Nutzer der Plattform auch nicht dazu, sich selbst mit dem grundlegenden Wissen über das Funktionieren des Internets zu befassen. Und jede Plattform, die versucht, grundlegendes Wissen vom Benutzer fernzuhalten, ist ein Lock-In.

Wer online ausschließlich auf Facebook präsent ist, und das gilt vor allem für Firmen, verliert nicht nur Links von außen und macht es für Suchmaschinen unmöglich, Suchergebnisse zu generieren, sondern schließt auch Teile seiner potentiellen Kunden aus. Nichts spricht, und da bin ich mit Joe Cieplinski einer Meinung, gegen eine Facebook-Präsenz, sofern es auch eine Alternative dazu gibt.

If Facebook is the only place you are posting something, know that you are shutting out people like me for no good reason. Go ahead and post to Facebook, but post it somewhere else, too. Especially if you’re running a business.

The number of restaurants, bars, and other local establishments that, thanks to crappy web sites they can’t update, post their daily specials, hours, and important announcements only via Facebook is growing. That’s maddening. Want to know if we’re open this holiday weekend? Go to Facebook.

Go to hell.

It’s 2017. There are a million ways to get a web site set up inexpensively that you can easily update yourself. Setting up a Facebook page and letting your web site rot, or worse, not even having a web site of your own, is outsourcing your entire online presence. That’s truly insane. It’s a massive risk to your business, and frankly, stupid.

Das Fehlen einer Alternative außerhalb Facebooks ist übrigens ein Ärgernis, mit dem ich nahezu täglich zu kämpfen habe: Die meisten Coffeeshops in Wien haben zwar eigene Websites, aktuelle Informationen findet man aber fast ausschließlich auf ihren Facebook-Seiten. Und wer Facebook schon mal mit seinem Browser geöffnet hat, weiß, was der Konzern einem für Hürden in den Weg legt (Captchas, „Melde dich bei Facebook an!“-Layovers, usw.), um den Download der App zu erzwingen.

Dave Winer hat einen Blogeintrag veröffentlicht, in dem er drei Gründe nennt, weshalb er keine Links auf Facebook setzt. Alle drei haben mit dem Walled-Garden-Charakter von Facebook zu tun, der es unmöglich macht, das Nutzererlebnis abzuschätzen, das offene Web zu erhalten und zu garantieren, dass Facebook diese Links auch noch in Jahren bereithält.

The more people post there, the more the web dies. I’m sorry no matter how good your idea is fuck you I won’t help you and Facebook kill the open web. […] Get a blog. If your ideas have any value put them on the open web. Facebook is trying to kill it. Trust me you will hate yourself if they succeed. Same with Google.

John Gruber, der aus den gleichen Gründen wie Dave Winer versucht, Links auf Facebook zu vermeiden, ergänzt:

You might think it’s hyperbole for Winer to say that Facebook is trying to kill the open web. But they are. I complain about Google AMP, but AMP is just a dangerous step toward a Google-owned walled garden — Facebook is designed from the ground up as an all-out attack on the open web. […] Treat Facebook as the private walled garden that it is. If you want something to be publicly accessible, post it to a real blog on any platform that embraces the real web, the open one.

Es ist für mich kein Problem, auf die beiden Artikel von Winer und Gruber zu verlinken und ich kann mir sicher sein, dass diese Links nicht durch irgendeine Facebook-Aktion zerstört oder unbrauchbar gemacht werden; vor allem aber wird die Attributionskette aufrechterhalten und es ist nachvollziehbar, wer der Urheber des ursprünglichen Artikels ist.

Wie die Attributionskette verloren gehen kann (und damit der Autor eines Beitrags), hat John Gruber im oben verlinkten Artikel am Beispiel der zweimaligen Begegnung von Marc Haynes mit dem kürzlich verstorbenen Roger Moore eindrucksvoll aufgezeigt. Die berührende Geschichte ging viral und wurde zig Mal geteilt. Marc Haynes hat sie jedoch auf Facebook veröffentlicht1 – und sich damit selbst ins Off gesetzt, denn in Suchmaschinen existiert der Facebook-Eintrag de facto nicht.


  1. …und hier verlinke ich ausnahmsweise zu Facebook. 

Pinboard hat Delicious gekauft. Aus meiner Sicht hat mein aktueller Bookmarkingdienst meinen ehemaligen Bookmarkingdienst geschluckt.

If you’re a Delicious user, you will have to find another place to save your bookmarks. The site will stay online. but on June 15, I will put Delicious into read-only mode. […] As for the ultimate fate of the site, I’ll have more to say about that soon. Delicious has over a billion bookmarks and is a fascinating piece of web history. Even Yahoo, for whom mismanagement is usually effortless, had to work hard to keep Delicious down. I bought it in part so it wouldn’t disappear from the web.

Wer kein Pinboard-Konto hat, sollte sich eines zulegen. Das Ding funktioniert zuverlässig und hat sogar eine (aufpreispflichtige) Archivoption, mit der Kopien der unter einer URI angezeigten Website angelegt werden können.

Warum haben Siri, Alexa, Cortana und andere, digitale Assistenten, weibliche Stimmen und weisen, sofern man davon überhaupt sprechen kann, bisweilen auch einen weiblichen Charakter auf1? Weil sie Aufgaben übernehmen, die ursprünglich als weiblich wahrgenommen wurden (zB Sekretärin), weil sie besser akustisch wahrnehmbar sind und weil Frauenstimmen als eher integrativ, und damit nicht als Gefährdung wahrgenommen werden – diese Gründe nennt die taz in einem Artikel zum Geschlecht künstlicher Intelligenzen.

Deutlich ausführlicher, nämlich auf die Rolle dessen, was als weiblich angesehen wird, wie diese Weiblichkeit zu bewerten ist und ob sie – egal, ob als physische oder virtuelle Realität – überhaupt als „menschlich“ gilt, geht Laurie Penny im New Statesman ein.

In stories from Bladerunner and Battlestar Galactica to 2015’s Ex Machina, female robots are raped by men and viewers are invited to consider whether these rapes are truly criminal, based on our assessment of whether the fembot has enough sentience to deserve autonomy. This is the same assessment that male judges around the world are trying to make about human women today.

Every iteration of the boy-meets-bot love story is also a horror story. The protagonist, who is usually sexually frustrated and a grunt worker himself, goes through agonies trying to work out whether his silicon sweetheart is truly sentient. If she is, is it right for him to exploit her, to be serviced by her, to sleep with her? If she isn’t, can he can truly fall in love with her? Does it matter? And – most terrifying of all – when she works out her own position, will she rebel, and how can she be stopped?

These are questions that society at large has been asking for centuries – not about robots, but about women. The anxious permutations are familiar to most women who date men. We can see them, slowly, trying to working out if we are truly human, if we really think and feel as they do.

Es gilt also selbst für die Wahl der Stimme eines Programms: Code ist nicht neutral, sondern transportiert immer auch politische Inhalte.


  1. Ich müsste so viele Wörter in diesem und den folgenden Sätzen unter Anführungszeichen setzen, dass ich es gleich gelassen habe und stattdessen auf die unfassbare Klischeehaftigkeit dieser Typisierungen hier in dieser Fußnote verweise. 

Ruinen der Zivilisation, verlassene Liegenschaften, außer Betrieb gestellte Einkaufszentren… Das Atlantic-Magazin hat eine Fotosammlung zum Thema „A World without People“ zusammengestellt.

Ich kann mich an Bildern wie diesen (und den zugehörigen Geschichten) nicht sattsehen, weshalb ich sie hier unter dem Schlagwort „ruinen“ sammle.

Nahezu jedes Facebook-Video ist eine Kopie dessen, was noch vor 10 Jahren die per Mail versendeten, „lustigen“ PowerPoint-Präsentationen waren: Crap. Es hat sich nichts geändert, außer, dass Zuckerberg dran verdient. (Und dennoch ist die Tatsache, dass so viele Videos bei Facebook hochgeladen werden, relevant.)

Eli Pariser, Entdecker der algorithmischen Filterblase („Filter Bubble“), sieht sein Konzept, vor allem im Kontext politischer Kommentare, nicht gänzlich verstanden. Seine Kritik? Filterblasen können das Erkennen (eines aufkommenden Ereignisses) verhindern, sind aber nicht (für das Ereignis selbst) zur Verantwortung zu ziehen. Eli Pariser zu Trumps Wahlsieg:

After the election, I felt gratified that the idea that I had put out in the world was useful to people, but also worried that people were taking it a little too far. The filter bubble explains a lot about how liberals didn’t see Trump coming, but not very much about how he won the election. I think even if you’re talking about the conservative media ecosystem, my guess is that talk-radio, local news, and Fox are a much more important piece of that story than random conservative fake news.

Diese Verständnisverlagerung ist essentiell, denn sie verleiht Medienhäusern und Journalisten wieder mehr Einfluss. Und genau das ist das Thema des restlichen Interviews mit Eli Pariser, in dem er erklärt, wieso Medienhäuser ihre Konsumenten nicht mehr erreichen und dass das Problem eben der Weg und nicht die Nachricht selbst ist.

Dieses Video von VICE News erklärt kurz und bündig, wie Contentmoderation bei Facebook funktioniert und mit welchen, vor allem juristischen Herausforderungen die mit der Moderation beauftragten Firmen zu kämpfen haben.

Facebook verspricht seinen Werbekunden die perfekte, algorithmisch angepasste Werbung. Und dennoch wird die Contentmoderation manuell durchgeführt. Hm. (via @brodnig)

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