Trailer zu Matrix Resurrections

Yes! Sehr, sehr viele Menschen, die mit dem Anspruch und der Qualität längst vergangener Zeiten aufgewachsen sind, werden sich auf diesen Film freuen. Meine Güte, wenn nich mir jetzt Teil 2 und 3 von The Matrix ansehe und mit anderen, aktuellen Filmen vergleiche, dann wirken selbst diese oft kritisierten Fortsetzungen des ersten Teils wie anspruchsvolle Arthaus-Filme. Ich freue mich auf Dezember (und fürchte ein wenig, das die Vorfreude nicht erfüllt werden könnte, ignoriere das aber geflissentlich, denn mit dieser Einschränkung muss man sich heutzutage, wir schreiben das Jahr 2021, wohl abfinden).

WhatsApp kann Nachrichten doch lesen? Moment, bitte!

Auf ProPublica wird behauptet, Facebook würde WhatsApp-Nachrichten mitlesen. Das Medien und Social-Media-Echo ist groß, andere Medien – bspw. die Futurezone – titeln „Facebook liest bei WhatsApp-Nachrichten mit„. Soetwas ist für einen Messengerdienst, der mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirbt und der ohnehin im Umfeld des Mutterkonzerns (zumindest in meinen Augen) ein Glaubwürdigkeitsproblem hat, mehr als unangenehm. Was also steht da eigentlich drinnen, in diesem nun viel zitierten Artikel auf ProPublica? Hier die relevante Passage:

WhatsApp messages are so secure […] that nobody else — not even the company — can read a word. […] WhatsApp emphasizes this point so consistently that a flag with a similar assurance automatically appears on-screen before users send messages: “No one outside of this chat, not even WhatsApp, can read or listen to them.”

Those assurances are not true. WhatsApp has more than 1,000 contract workers filling floors of office buildings in Austin, Texas, Dublin and Singapore, where they examine millions of pieces of users’ content. […] These hourly workers use special Facebook software to sift through streams of private messages, images and videos that have been reported by WhatsApp users as improper and then screened by the company’s artificial intelligence systems.

How Facebook Undermines Privacy Protections for Its 2 Billion WhatsApp Users

Ist man bei Facebook tatsächlich schon so abgehoben, die eigenen User dermaßen hinters Licht zu führen und sicherheitsrelevante Informationen lediglich als Werbemasche anzuführen? Alles in mir möchte „Ja!“ schreiben, aber – meine Güte, dass ich mich jemals in einer Position befinden würde, Facebook zu verteidigen, das schmeckt mir jetzt gar nicht, aber was soll’s: – dem ist mitnichten so. Etwas weiter im Text wird der Vorgang, der die Entschlüsselung und Moderation darstellt (WhatsApp beharrt darauf, dass es sich bei dem Vorgang nicht um Moderation handelt), nocheinmal geschildert:

Because WhatsApp’s content is encrypted, artificial intelligence systems can’t automatically scan all chats, images and videos, as they do on Facebook and Instagram. Instead, WhatsApp reviewers gain access to private content when users hit the “report” button on the app, identifying a message as allegedly violating the platform’s terms of service. This forwards five messages — the allegedly offending one along with the four previous ones in the exchange, including any images or videos — to WhatsApp in unscrambled form, according to former WhatsApp engineers and moderators. Automated systems then feed these tickets into “reactive” queues for contract workers to assess.

Und hier, selbst in meinem Beitrag, wird zum zweiten Mal erwähnt, was tatsächlich passiert: Ja, Facebook bzw. WhatsApp kann Nachrichten lesen, aber – und dieses Aber ist der entscheidende Punkt – nur, wenn Userinnen und User Nachrichten melden. Nur dann erhalten die „Moderatoren“ (die nunmehr keine sind, weil Moderation proaktiv erfolgt, in dem Fall aber nur auf Zuruf) Zugriff auf die letzten 5 Nachrichten, um beurteilen zu können, ob es sich bei der betreffenden Nachricht um einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen handelt. Die Aussage, WhatsApp würde mitlesen oder es gäbe keine Verschlüsselung ist in meinen Augen demnach als nichtig zu betrachten. Auch Signal- oder Telegram-Nachrichten sind „nicht verschlüsselt“, wenn jemand einen Screenshot davon erstellt. Und in etwa so verhält es sich auch bei der Report-Funktion von WhatsApp.

Was bedeutet das aber für den Datenschutz und die Verschlüsselung des Messenger-Dienstes an sich? Nun ja, eigentlich einen Gewinn für die Privatsphäre, denn es gibt einen Kanal, der es möglich macht, Verschlüsselung willentlich aufzuheben, um sich (im Rahmen der Nutzungsbedingungen) zu schützen. Sofern WhatsApp die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beibehält und sie nur im Falle einer von einer Userin oder einem User aktiv durchgeführten Meldung für genau 5 Nachrichten aufhebt, die dann an die „Moderationsteams“ geschickt werden, dann ist das eine Stärkung der Sicherheit und keine Schwächung. Gäbe es nämlich diese Meldefunktion nicht, würde sich WhatsApp früher oder später mit Forderungen anderer, deutlich potenterer Akteure wie zB Behören konfrontiert sehen, die Zugriff auf die Nachrichten fordern würden.

Natürlich ist die Sache ein Trade-Off, aber einer an den man sich, wenn es um Verschlüsselung geht, gewöhnen wird müssen. Casey Newton hat das in einem Kommentar zum ProPublica-Artikel auch angeführt:

What WhatsApp has done instead of all this to attempt finding a middle ground – enabling individual users who are experiencing abuse to report that to the platform, while offering limited cooperation with law enforcement when it is legally required to do so.

By taking this approach, WhatsApp has sought to ensure the long-term survival of end-to-end encryption for average consumers by offering a set of policies that most lawmakers may be able to live with. The vast majority of users get truly private communications; users experiencing abuse get help from the platform that is enabling it; and law enforcement gets limited tools to fight crime.

Insofern verstehe ich die Kritik des ProPublica Artikels nicht. Es hätte eigentlich Lob sein müssen.

ProtonMail hat’s erwischt

Der auf Datenschutz und Sicherheit ausgelegte E-Maildienst ProtonMail hat die IP eines Klimaschützers mit dem Verweis auf eine schwere Straftat an die Polizei übergeben. Das sollte, laut Werbeversprechen, eigentlich nicht möglich sein.

Update am 12.9.2021: ProtonMail loggt IP-Adressen.

TikTok wird YouTube gefährlich

TikTok beginnt nun den ganz großen ihre Plätze streitig zu machen. Die Engagement-Werte für die Android-App übertreffen die von YouTube. Tendenz steigend; der Netzwerkeffekt ist in vollem Rollout.

In the UK, TikTok surpassed YouTube back in June 2020, and has maintained its lead since. In the US, TikTok and YouTube traded places multiple times late last year before TikTok emerged on top in April 2021. […] Among social, communication, photo, video and entertainment apps, TikTok is ranked as the most-downloaded worldwide since 2020. It also competes with YouTube for the top spot in consumer spending since last year.

TikTok overtakes YouTube for average watch time in US and UK

Die Werte stammen nur von Android-Geräten und China ist in der Berechnung nicht berücksichtigt, aber gefühlt wirkt YouTube im Vergleich zu TikTok ohnehin schon länger wie damals Yahoo! im Vergleich zu Google. Doch es ist nicht nur YouTube, das mit TikTok zu kämpfen hat. Im Frühjahr habe ich bereits einen Bericht gepostet, aus dem hervorgeht, wie sehr Facebook an TikTok verliert und schon damals hat es geheißen, „TikTok is projected to land itself a spot amongst these apps before the year is out.“ Das dürfte sich dann wohl auch ausgehen.

Fettleibigkeit ist ein Rätsel

Auf Slime Mold Time Mold (!) widmet man sich dem Thema Fettleibigkeit und stellt sehr schnell fest, dass absolut nichts so zu sein scheint, wie es scheint. Aus der Einführung:

The first mystery is the obesity epidemic itself. It’s hard for a modern person to appreciate just how thin we all were for most of human history. A century ago, […] about 1% of the population was obese […]. Now it’s about 36%. […] Another thing that many people are not aware of is just how abrupt this change was. […] The rate of obesity in most developed countries was steady at around 10% until 1980, when it suddenly began to rise. […] Humans aren’t the only ones who are growing more obese — lab animals and even wild animals are becoming more obese as well. […] Domestic pets like dogs and cats are all steadily getting fatter and fatter.

A Chemical Hunger – Part I: Mysteries

Der wirklich mehr als lesenswerte und sehr, sehr lange Artikel „A Chemical Hunger“ räumt dabei mit allerlei irrgeleiteten Vorstellungen auf, die – ich muss es zugeben – auch ich für richtig und korrekt gehalten habe. Besonders im zweiten Kapitel, in dem nach den Gründen für Fettleibigkeit gesucht wird und praktisch jede mir bekannte Diät ihren Senf abbekommt, hatte ich etliche – etliche! – Momente der Erkenntnis. Und wenn ich den Kolleginnen und Kollegen beim Mittagstisch über ihre Detox-Kuren und Trenddiäten zuhöre, dann weiß ich jetzt mehr als vorher.

Jasper Mall

Jasper Mall dokumentiert ein Jahr des langsamen Sterbens des gleichnamigen Einkaufszentrums in Alabama. Zusammenfassung: Die beiden großen Einkaufsmagneten – K-Mart und JC Penney – haben ihre Pforten 2017 geschlossen und mit ihnen ist auch der Zufluss an Kunden abgerissen. Die verbleibenden Geschäfte kämpfen in einer Mall, die nichts bietet, für das es sich lohnen würde, sie überhaupt zu besuchen, ums Überleben. Das haben die Regisseure Bradford Thomason und Brett Whitcomb zum Anlass genommen, das Jahr 2018 in dieser sterbenden Mall zu dokumentieren. Deppression, ahoi!

Allein beim Ansehen des Trailers kommt schon eine eigenartige Stimmung auf, die auf der einen Seite die Melancholie an enttäuschte Erfolgsversprechungen mit der Merkwürdigkeit, für eine Mall überhaupt zu empfinden, vereint.

A walk through a once-thriving, now visibly depressed mall can provoke a specific kind of ambivalence. […] it can be funny to revisit what once attracted people (or intended to) […] The very purpose of these megastructures, one-stop efficiency, has long been trumped by online shopping. But a trek through a dying mall is sad, too. The struggling or shuttered stores, as well as the shopping center as a whole, represent unrealized dreams of entrepreneurs—dreams whose materialism and greed were not necessarily evil, but natural products of a system that forges the inequity that mars our culture. And then, because it seems overly sentimental to cry over bleeding capitalism, a third feeling prevails: weirdness over the entire experience, over feeling anything at all for a mall.

Dying Mall Documentary Jasper Mall Recites an Elegy for Capitalism

Die Website der Jasper Mall listet in ihrem Verzeichnis doch noch ein paar Geschäfte auf, der Jezebel-Artikel verrät, wer sich nun im Einkaufszentrum eingemietet hat.

Ich selbst bin so ziemlich das genaue Gegenteil einer Person, die gerne in ein Einkaufszentrum geht oder dort sogar gerne Zeit verbringt. Ich habe aber etliche Treffen in Einkaufszentren gehabt und dabei mehrfach erlebt, dass es tatsächlich Menschen gibt, die am Vormittag dort hin fahren und die Mall erst am späteren Nachmittag verlassen, inklusive Kinderbetreuung und Mittagessen bei IKEA und Kaffee in einer Segafredo-Bar. Was ich aber bin, ist jemand, den sterbende Manifestationen von Vorstellungen und Ideen faszinieren. Und wenn ich beim Zwentner lese, dass es eine semi-deppressive Dokumentation über eine sterbende Mall gibt, dann bin ich der Erste, der darüber berichten will. Herrje, mich hat ja schon der McDonald’s in Adak fasziniert!

OMFG, get the f*cking vaccine already

Wendy Molyneux schreibt sich auf McSweeney’s Impfskeptikern gegenüber die Seele aus dem Leib. Die genannten Punkte sind nicht ohne, der Stil ganz speziell.

You think vaccines don’t fucking work? Oh, fuck off into the trash, you attention-seeking fuckworm-faced shitbutt. […] Vaccines got rid of smallpox and polio and all the other disgusting diseases that used to kill off little fucks like you en masse. Your relatives got fucking vaccinated and let you live, and now here you are signing up to be killed by a fucking disease against which there is a ninety-nine-percent effective vaccine. You fucking moron. Go in the fucking ocean and fuck a piranha. Fuck. Fuck that. Fuck you. Get vaccinated.

Wendy Molyneux

Doch inmitten der vielen Kraftausdrücke, inmitten all des bissigen Sarkasmus, inmitten all der „Wahrheiten“ wechselt der Artikel plötzlich in eine erste und sofort danach in eine zweite Metaebene: Er wendet sich an diejenigen, an die man den Artikel vielleicht schickt, nachdem man ihn selbst gelesen und fürs Weiterleiten wert befunden hat. Der Artikel wird zur Nachricht, die auf den Artikel selbst referenziert und seine Wahrnehmung kanalisiert. Was für ein genialer Mechanismus, den ich nicht vorenthalten möchte.

Look, if you have been forwarded this essay from a friend or loved one, then there are two possibilities. Either you are a normal, regular, sensible fucking person like me who got fucking vaccinated at the first possible moment, and this essay channels all your fucking rage and sadness and is therefore cathartic OR, and I really hope this isn’t the fucking case, you AREN’T fucking vaccinated, and someone sent it to you because you fucking fucking fuck, you need to get fucking vaccinated. And rather than being fucking offended that someone is trying yet again to get you to take the fucking vaccine, you should understand that someone fucking loves you enough to try one last motherfucking time to get you to take the fucking vaccine before you fuck off to heaven, or hell, or some in-between place that’s just like a fucking mall or something where everything is free, including and especially the soft pretzels. So, congratulations! There is ONE person remaining in your life who wants to fucking save you from drowning in your own fucking lungs, you fucking fuckshit fuckdick, so for god’s sake, get your fucking ass out of your chair, go to the fucking pharmacy, and get a fucking vaccine, you absolute conscienceless fucking fuck fuck fuck. Get it. Get the fucking vaccine. Fuck you. Fuck fuck fuck. Fuck. Fuck you. Fuck!

Nur noch sehr wenige, die ich kenne, sind nicht geimpft; ich merke aber, wie die Grundhaltung gegenüber denjenigen, die sich nicht und nicht entscheiden wollen langsam, aber sicher, aus der Domäne der Gleichgültigkeit in die des gesellschaftlichen Drucks übergeht. Wohlgemerkt, denjenigen, die sich entschieden haben, die Impfung nicht zu erhalten, und ihre Entscheidung auf Argumenten basiert, die ihnen selbst nicht schaden (ich persönlich glaube ja, dass genau hierin die Krux liegt, aber sei’s drum), sei es nicht genommen, die Entscheidung beizubehalten, zu festigen und die Impfung auszusetzen. Und diejenigen, denen die Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht verabreicht werden kann, sind ohnehin außen vor. Diejenigen aber, die sich nicht entschieden haben und noch immer zuwarten, sei tatsächlich mitgegeben: Euer Warten wird mittlerweile nicht mehr nur langsam, sondern sicher zu einem Problem für uns alle.

Österreich befindet sich in der vierten Welle. Nicht schön.

Entscheidet euch! Wir – darf ich mir ein „wir“ hier zumuten? – respektieren eure Entscheidung, aber entscheidet euch. Es gibt das „noch nicht“ nicht mehr, die vierte Welle ist schon da. Es gibt nur noch ein Ja oder ein Nein, denn die ganze Sache geht schon wieder los und niemand von uns (ich mag es wirklich nicht, von „uns“ zu sprechen, aber in dem Fall meine ich die folgende Aufzählung), Geimpfte, Nicht-Geimpfte, Nicht-Impfbare, Erkrankte, Genesene, Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen, will das und mittlerweile Verstorbene wollten es wohl auch nicht. Jetzt verschleppen wir das schon so lange. Jetzt sollt‘ bald einmal Schluss sein damit,es wird fad. Heute ist Samstag, der 4. September 2021, und wir befinden uns im Tag 541 der Corona-Pandemie.

Überwachung vorläufig verschoben

Apple gibt dem enormen Druck gegen sein Echtzeitüberwachungssystem vorläufig nach und wird es in iOS 15 noch nicht aktivieren. Betonung auf die Worte „vorläufig“ und „noch“. Was jetzt passiert ist in meinen Augen Kanalisation nach dem Dammbruch, nicht mehr, nicht weniger.

Code, spezifisch für Lighthouse Scores

John Müller (heute ganz besonders passend, jedenfalls aber zur Erinnerung) zum Thema Lighthouse Scores, die oftmals mit Ladezeit oder „Geschwindigkeit einer Website“ und somit „Ranking in Google“ gleichgesetzt werden:

Lighthouse scores do not affect Google Search.

John Müller, Search Advocate bei Google

Wieso die Aussage? Weil Colin Bendell Code gefunden hat, der die Lighthouse-Ergebnisse de facto verfälscht und als SEO-Maßnahme für Shopify-Stores angeboten wird. Der Punkt ist: Code, der so reagiert, dass er spezifisch für Lighthouse-Scores ausgelegt ist, ist „shitty practice“. Das gilt auch für durchaus legitime Befehle, wenn sie explizit auf die Beeinflussung von Lighthouse abzielen:

Delaying ScriptTags (asyncLoad) is another shitty practice for „speed optimization“ that makes site load slower but technically improves lighthouse score. It is very popular these days.

Kirill Platonov

Lighthouse (der PageSpeed-Test) ist tatsächlich ein bisschen ein Fetisch geworden. Und bei allem, was diesen Status erlangt, wird’s irgendwann etwas zu ungut.

Präzisierung zum Classic Editor

Joe Dolson präzisiert die Verfügbarkeit und die Einbettung des Classic Editors, sowie des Classic Editor-Plugins.

The Classic Editor Plugin does not contain the editor. Yes, that’s right. […] The editor itself is still part of core. […] Don’t ask “how long will WordPress support the classic editor plug-in?” Instead, ask “how long will WordPress continue to contain the classic editor?” […] It’ll be a long time. […] The classic editor has been around for a long time, and there are a lot of dependencies on it.

Notes on the WordPress Classic Editor plugin

Schön und gut, nur ändert das nichts am Bestreben des WordPress-Projekts (welches WordPress-Projekt?), alles so schnell als möglich ins Gutenberg-System überzuführen. Aber nicht unwichtig, was das Verständnis der Einbettung und Verfügbarkeit des Classic Editors angeht.

Digitalisierung und Europa

Wir bekommen es nicht und nicht hin. Diesmal VW-Konzernchef Herbert Diess zum leidigen Thema Digitalisierung in (bzw. und) Europa:

Da hinken wir dem Rest der Welt hinterher. Wir müssen von den Wettbewerbern lernen, die anders denken. Wenn wir nicht schnell genug sind, werden wir Probleme bekommen. […] Die Mobilität ist ein Bereich, wo das noch geht. Daher arbeiten wir an der Digitalisierung unserer Fahrzeuge – damit wir im IT-Bereich im Automotive-Sektor eine Rolle spielen.

Volkswagen Konzernchef Herbert Diess

Wenn ich mich mit Menschen über das Thema unterhalte, verweise ich gern auf die grottige Ausstattung unseres Bildungswesens mit moderner Technologie, auf die verschiedenen Peinlichkeiten, mit denen „europäische Erfolgsgeschichten“ durchgeführt werden (das Kaufhaus Österreich, nur so nebenbei, wird mittlerweile überall gerne totgeschwiegen, was auch gut ist; denn hier herrscht ein nationaler Schulterschluss: die Sache ist so dermaßen peinlich, dass selbst die hartgesottensten Kritiker das Ansehen des Landes damit nicht noch mehr besudeln wollen), auf den Mindset von Personen, die das Faxgerät hochhalten und, sozusagen als brutalen Konterpunkt dazu, auf die Entscheidung der Schweiz gegen europäische Anbieter, weil die denen aus den USA und China „nicht annähernd das Wasser reichen können“. Und wer sich jetzt zurücklehnt und sich damit nicht in Berührung sieht, den verweise ich auf die Office 365- bzw. G Suite-Rechnung, die regelmäßig hereinflattert.

Herbert Diess, um zum Zitat zurückzukommen, sieht in der Mobilität noch eine Chance, die Digitalisierung voranzutreiben. Okay, ja, kann sein. Das wird aber erst der Fall sein, wenn die potentiellen Käuferinnen und Käufer von Fahrzeugen (was, so vermute ich, an sich schon ein geringer werdender Anteil sein wird, da alternative Mobilitätskonzepte Aufwind erfahren) die von zB VW hergestellten Fahrzeuge als Computer, die auch fahren können, wahrnehmen. Gegenwärtig ist es so, das bestätigen durch die Bank alle, die ich kenne, dass sich der Appeal von Elon Musks Tesla bei deutschen Fahrzeugherstellern, mögen ihre elektrifizierten Modelle auch technisch noch so hervorragen, einfach nicht und nicht einstellen möchte.

Es ist ein ziemlicher Murks und ich glaube nicht, dass noch mehr Regulierung, noch mehr Förderungen, schlichtweg, dass das Stimulus-Modell, unter dem wir jetzt leiden, etwas mit Substanz hervorbringen wird, was die von Herbert Diess gezeichnete Befürchtung verhindern wird können.