Die Porch Pirate-Geschichte

Wer ist nicht im letzten Jahr über eine Porch Pirate-Geschichte (also der Diebstahl von vor der Haustüre abgestellten Paketen) und ein zugehöriges Video auf YouTube gestolpert?

Let’s all agree to ignore that the Porch Pirate story has only been reported in the news for the length of time Amazon has owned ring, using the narrative to sell Ring units, as a way to collect subsidies from local cities for cop-backed Ring installation and to reduce its losses

@benisputt

Meine Güte, wäre das wahr und eine konzertierte Kampagne, sie wäre wohl unter den Top 10 der erfolgreichsten und weitreichendsten Marketingaktionen überhaupt. – Zum Thema Ring-Kameras sollte man trotzdem besser skeptisch bleiben, denn da braut sich gerade etwas zusammen. Und mir wird gerade bewusst, dass hier ein Unternehmen eine 360 Grad-Drehung hinlegt, denn was wird in den meisten Fällen von vor der Haustüre gestohlen und von Amazon Ring-Kameras aufgenommen? Richtig! Pakete von… Amazon.

Amazon wird in Konkurs gehen, irgendwann

Jess Bezos bleibt realistisch; „too big to fail“ will er so für Amazon nicht akzeptieren.

Amazon is not too big to fail. In fact, I predict one day Amazon will fail. Amazon will go bankrupt. If you look at large companies, their lifespans tend to be 30-plus years, not a hundred-plus years. […] If we start to focus on ourselves, instead of focusing on our customers, that will be the beginning of the end. We have to try and delay that day for as long as possible.

Jeff Bezos, 2018

Mir gefällt das. Jeff Bezos ist mit so einer Aussage harter Realist und nicht ein von Börsenkapital gestützter Fantast, der seine Firma noch immer als für die Verbesserung der Welt positioniert sieht und daraus eine gesellschaftliche Aufgabe ableiten will.

Onlinemarketing umgehen und stattdessen auf Amazon verkaufen? Tja.

Wie oft habe ich dieses Argument schon so oder so ähnlich gehört: „Warum sollen wir in Onlinemarketing auf unseren eigenen Properties investieren, wenn wir stattdessen auf Amazon verkaufen können? Dort sind die Leute schon angemeldet und haben die Kreditkartendaten bereits hinterlegt. Die Schwelle ist also niedrig und man findet uns eh über die Suche.“ Abgesehen vom völligen Unverständnis über Sinn und Funktion des Begriffs „Marketing“, folgt auch noch die Konkretisierung, die an Absurdität nicht zu überbieten ist: „Suchmaschinenoptimierung, Google- und Facebook-Ads, das brauchen wir dann alles nicht mehr. Amazon sorgt ja eh dafür, dass wir bei ‚Andere Kunden kauften auch‘ und anderen, internen Promotionen aufscheinen. Auf Amazon verkauft es sich leichter, einfacher und besser. Dort braucht man nichts zu optimieren.“

Tja, weit gefehlt.

Sieht man sich nämlich die Suchergebnisse bei einer Amazon-Suche etwas genauer an, dann wird schnell klar, dass auch Amazon mit Werbeplatzierungen und der Promotion seiner Produkte aus Eigenmarken arbeitet. Das Aufscheinen in Suchergebnissen wird also auch bei Amazon in ein Ranking übergeführt, das durch Kapitaleinsatz beeinflussbar ist. Rani Molla (recode) hat beispielsweise bei einer ganz konkreten Suche nach „Kellogg’s Corn Flakes“ die eigentliche Packung erst als drittes Suchergebnis angezeigt bekommen. Davor befanden sich „Sponsored Ads“; ein Produkt vom gleichen Hersteller, ein anderes, allerdings, von einem Mitbewerber. Hat man das Pech, ein Produkt anzubieten, das Amazon auch als Eigenmarke vorrätig hat, wird es noch schwieriger, denn zwischen das organische Suchergebnis und die Werbeschaltungen wird noch eine weitere Zeile eingeführt, in der Amazon seine Eigenmarken bewirbt.

Auf recode finden sich etliche Screenshots, in denen das Ausmaß dieses Vorgehens durch farbliche Markierungen deutlich gemacht wird. Und da heißt es: Festhalten! Denn bei einigen der abgebildeten Screens ist kein einziges organisches Suchergebnis zu sehen, sofern man nicht scrollt.

Amazons Offline-Buchhandlung

Amazon hat einen Offline-Buchladen eröffnet, in dem Bücher nicht nach kuratierten Listen, Autoren oder Themen sortiert sind, sondern nach von Nutzern gewonnenen Daten, wie zB „mit mehr als 4 Sternen bewertet“ oder „Personen, die Buch X gelesen haben, haben auch Buch Y gelesen“. Jason Kottke dazu:

Other bookstores have books arranged according to best-seller lists, store-specific best-sellers, and staff recommendations, but I’ve never seen any store layout so extensively informed by data and where they tell you so much about why you’re seeing each item. […] It’ll be interesting to see if Amazon’s approach works or if people will be turned off by shopping inside a product database, a dehumanizing feeling Frommer hints at with “a collection of books that feels blandly standard” when compared to human curated selections at smaller bookstores.

Amazon scheint in seiner Offline-Buchhandlung ein online funktionierendes Konzept anzuwenden, übersieht (oder ignoriert) dabei aber die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Browsen, die gerade in einer Buchhandlung vermutlich in ihrem ursprünglichsten Sinn vorzufinden ist.

Scott Galloway über Amazon, Apple, Facebook und Google

The Four Horsemen: Amazon/Apple/Facebook & Google - Who Wins/Loses (Scott Galloway, L2 Inc.) | DLD15

Scott Galloway spricht über die „Four Horsemen: Amazon, Apple, Facebook and Google“, zeigt dabei in 16 Minuten knapp 90 Folien, deklariert Amazon als bereits am absteigenden Ast, Facebook als reinen Bauernfang, WhatsApp als besten und Tumblr als schlechtesten Kauf der Internetgeschichte, Googles Geschäftsmodell als überholt und Apple als trendigen Katalysator zur erfolgreichen Vermehrung. Der superschnelle Vortrag lohnt sich. Er ist witzig und schonungslos, so zum Beispiel:

Facebook has pulled off the greatest bait-and-switch in marketing history. They convinced many of the brands in this room to spend hundreds of millions to build their communities telling them that would be their community and they would have access to it. They then put a walled garden around it, and said „just kidding“! You have to pay for access to that community. The organic reach on Facebook is now 6 percent. Meaning that if you are Procter & Gamble and you want to speak to the community that you paid to build, 1 in 16 messages will actually reach them. They are telling clients that they should assume organic reach of zero.

Amazon Prime Air

Amazon stellt „Prime Air“ vor. Wählt man diese Zustellmethode, werden die online gekauften Produkte mithilfe von Drohnen in maximal 30 Minuten zugestellt. Das Programm ist momentan in der Testphase, Amazon ist aber zuversichtlich, dass die Transportdrohnen im Jahr 2015 zum gewöhnlichen Straßenbild gehören werden.

Wir sollten uns langsam daran gewöhnen, dass unsere Vorstellungen von Science Fiction überkommen sind. Wer mir nicht glaubt, soll den Star Trek-Kommunikator mit einem iPhone vergleichen.

Bei Amazon einkaufen und mkln.org unterstützen!

Es gibt Websitebetreiber, die aufdringlich mit Werbung umgehen. Quietschbunte Banner überall, Pop-Ups, PayPal-Spendebuttons, Amazon-Wunschlisten, Werbung im Newsfeed, etc., etc. Davon halte ich nichts, daher verzichte ich auf meiner Website auf all das. Es gibt lediglich einen einzigen kontextsensitiven Werbebanner in der Seitenleiste, den ich zwar sichtbar, aber, so denke ich, keinesfalls störend positioniert habe.