Aral Balkan zu „Microsoft cares about your privacy“

https://vimeo.com/523923643#t=10m47s

In diesem Abschnitt eines Videos (zu einem völlig anderen Thema) wird Aral Balkan mit einem Cookie-Consent-Banner von Microsofts Bing-Suchmaschine konfrontiert. Er nimmt das zum Anlass, sein Video zu unterbrechen und sich etwa sieben Minuten lang dem Cookiebanner zu widmen. (Die Sequenz beginnt bei 10:47 und dauert etwa sieben Minuten.)

Abgesehen von all dem Irrsinn, den man auf Cookie-Bannern findet, habe ich beim Ansehen kaum meinen Augen getraut, als ich gesehen habe, dass selbst unter „Manage Preferences“ vorausgewählte und nicht abwählbare Optionen vorhanden sind, die man aber erst sieht, wenn man sehr lange nach unten scrollt. Der Scrollbalken ist lange, also wirklich sehr lange scrollt.

Ich kann dieses Video nur empfehlen. Es geht die Sache fast schon humoristisch an, beim Zuschauen wird einem aber klar, wie viele Unternehmen an der Ausbeutung privater Daten beteiligt sind und wie vielen davon welche Art von Daten übermittelt wird, wenn man ohne darüber nachzudenken, einfach auf „I accept“ klickt. – Was viele angesichts der nahezu unendlichen Zahl von Cookiebannern mittlerweile tun. (Es gibt ein wenig Abhilfe, aber die muss man erst mal in Anspruch nehmen.)

RSS? Ich nutze es ja eh! #

#Aral Balkan, das ist der Mann, der die Begriffe People Farming und Surveillance Capitalism wohl öfter verwendet als jede andere Person auf diesem Planeten, weist auf die vielen Vorteile der Nutzung von RSS (Really Simple Syndication) hin. Bei mir rennt er damit offene Türen ein.

Before Twitter, before algorithmic timelines filtered our reality for us, before surveillance capitalism, there was RSS: Really Simple Syndication. […] For those of you born into the siloed world of the centralised web, RSS is an ancient technology from Web 1.0 […]. Like most things back then, it does what it says on the tin: it enables you to easily syndicate the content of your site. People interested in following your posts subscribe to your feed and receive updates using their RSS readers. There is no Twitter or Facebook in the middle to algorithmically censor … ahem … “curate” your posts.

Meine Güte, Erinnerungen an Google Reader kommen auf. Good Times! Und was RSS angeht, so hat es immer schon einen RSS-Feed auf mkln.org gegeben und ich habe auch nicht vor, ihn jemals abzuschalten; ich habe sogar darauf verwiesen und vor kurzem auch einen JSON-formattierten Feed hinzugefügt. Dass Twitter und Facebook im Grunde genommen manuelle Feeds sind, die durch einen gewinnbringenden Algorithmus gesteuert werden, hat auf mich immer wie ein Rückschritt gewirkt.

Geschäftsmodell: Verkauf von Menschen

In diesem emotionalen re:publica-Talk aus 2015 präsentiert Aral Balkan verschiedene Konzepte, die zwei Jahre später in seiner Replik auf Mark Zuckerbergs Manifest viel von der Dichte seiner Argumentation ausmachen. Seine zentrales Anliegen lautet, dass wir den Menschen als ein „um Technologie erweitertes Selbst“ verstehen müssen. Dieses Selbst wird aber kontinuierlich angegriffen und um seine Menschlichkeit beraubt, denn es ist das Geschäftsmodell von Facebook, Google und anderen Silicon Valley-Startups mit allem zu handeln, was einen Menschen ausmacht, nur nicht mit dem biologischen Körper an sich. Sklaverei hat mit dem menschlichen Körper Handel getrieben. Heute wird mit allem außer dem menschlichen Körper gehandelt.

Es ist spannend zu sehen, wie sich verschiedene Fragen während des Vortrags entwickeln: Wie kommt es zur Simulation? Wie wird der Mensch durch die Erweiterung seines (biologischen) Selbst um Technologie zum Cyborg? Und wie kommt es zur Verschiebung des Verhältnisses von Mensch zu Technologie von Herr/Diener zu Cyborg/Organ? Doch nicht nur das. Dieser Vortrag ist eine systematisierte Zusammenfassung über den Wahnsinn (und seine Folgen), der sich aus dem Silicon-Valley-Geschäftsmodell von Unternehmen wie Google und Facebook ergibt (ab Minute 35:26) und allein schon deshalb sehenswert.

Individuelle Souveränität und ein gesundes Gemeinwesen fördern

Dieser Artikel ist eine teilweise interpretierte Übersetzung des von Aral Balkan verfassten Beitrags „Encouraging individual sovereignty and a healthy commons„. Balkans Replik auf das zuckerbergsche Manifest macht klar, wieso die Träumereien und Visionen des 33-jährigen Milliardärs Mark Zuckerberg über das Funktionieren der Welt gefährlich sind, weil sie bei genauem Hinsehen nichts anderes als eine Vorstellung von digitalem Kolonialismus darstellen. Weiterlesen